Augsburg

Mehr Toleranz gewagt

Den sperrigen Titel hatte man bewusst in Kauf genommen: »Bayerisches Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen«. Es war den Gründern wichtig, ein Bekenntnis für und nicht gegen etwas abzugeben. Beinahe auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte sich das Bündnis gegründet.

Die Stimmung bei der Jubiläumsfeier am Montag in Augsburg war heiter. Das Bündnis hat mittlerweile 56 Mitglieder. Der Bayerische Bauernverband ist ebenso vertreten wie der Bayerische Rundfunk, das Landesinnenministerium, die großen Kirchen und die Gewerkschaften. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, gehört zu den Gründungsmitgliedern des Bündnisses.

Anlass
Knobloch erinnerte sich gemeinsam mit Johannes Friedrich – vor zehn Jahren Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern – an die Anfänge. »Gab es einen Anlass?«, will die BR-Moderatorin Sybille Giel wissen. »Ja, es war spürbar, dass etwas getan werden musste«, sagte Knobloch.

Man erinnert sich an den von Neonazis geplanten Bombenaschlag auf das Jüdische Zentrum am Münchner Jakobsplatz 2003. Landesbischof Friedrich habe damals »sofort ein Ohr« für ihr Anliegen und ihre Sorgen gehabt.

Der Bayerische Lehrerverband hielt einen Lehrertag »für Toleranz – gegen das Vergessen« ab. Knobloch stellte die Räumlichkeiten dafür zur Verfügung. Weitere Projekte werden vom Bündnis unterstützt.

»Nach meinem Empfinden gibt es beim Antisemitismus keinen quantitativen Zuwachs, aber eine qualitative Veränderung. Man traut sich wieder, so einiges zu sagen«, meint Zentralratspräsident Josef Schuster. Astrid Backmann vom Bayerischen Jugendring stimmt ihm zu. Sie spricht vom »Alltagsrassismus« und meint den Umgangston von Jugendlichen, die sich nicht einfach den Rechten zurechnen lassen.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erkennt »keine besorgniserregende Zunahme« antisemitisch motivierter Straftaten. Sorgen bereite ihm aber der Gedanke, dass sich die ganz Rechten, die ganz Linken und palästinenserfreundliche Gruppen in ihrem Antisemitismus treffen könnten. Dass die Feierstunde des »Bayerischen Bündnisses für Toleranz« trotz allem Zuversicht ausstrahlte, lag wohl daran, dass jeder das Gefühl verspürte, etwas erreicht zu haben.

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