Bamberg

Mediation soll helfen

Die ordentliche Kündigung von Rabbinerin Antje Yael Deusel, die zum 31. März 2015 wirksam werden sollte, ist knapp gefasst: »Das Vertrauen in eine gedeihliche Zusammenarbeit mit Ihnen ist unheilbar erschüttert. (…) Es zeigt sich, dass Sie in Ihrer Arbeit die Bedürfnisse zahlreicher Gemeindemitglieder nicht erfüllen können.« Unterschrieben ist sie von Martin Arieh Rudolph, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Bamberg, und den vier weiteren Vorstandsmitgliedern.

Gegen die Kündigung hatte die Rabbinerin eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Bei dem Gütetermin am Bamberger Arbeitsgericht einigten sich die Parteien am 24. März auf ein Mediationsverfahren, »um die Einheit der jüdischen Gemeinde nicht zu gefährden, die jetzt vor der Spaltung steht«, sagte Deusels Rechtsanwalt Matthias Trütschel.

Irritationen Matthias Kaller, Rechtsanwalt des IKG-Vorstandes, begründete die Kündigung damit, dass es »in der Gemeinde Irritationen darüber gibt, wie die Rabbinerin ihr Amt ausführt«. Die Kündigung werde »auf keinen Fall heute zurückgenommen«, betonte Kaller beim Gütetermin. Allerdings stimme man einem Mediationsverfahren zu. »Dem verschließen wir uns nicht, weil es konstruktiv wäre.«

»Ich bin in jedem Fall gesprächsbereit und offen für die anstehende Mediation«, signalisierte auch Rabbinerin Deusel. Natürlich hoffe sie, »dass uns die Mediation weiterbringt«, sagte sie.

Für die Rabbinerin, die vom früheren und 2012 verstorbenen Vorsitzenden der IKG, Heinrich Olmer, wohlwollend gefördert worden war, steht fest, dass ihre Kündigung nur der vorläufige Schlusspunkt unter einer Reihe von Attacken ist, die sie durch Rudolph habe erdulden müssen, und nennt den Vorgang »eine reine Machtsache«.

Mehrheit
Gemeindevorsitzender Rudolph sieht die Kündigung der Rabbinerin mit einer breiten Zustimmung durch die Mehrheit der Gemeindemitglieder begründet. Rudolph betonte, nicht er als erster Vorsitzender habe Deusel gekündigt, sondern »der von unserer Gemeindeversammlung mit sehr großer Mehrheit gewählte Vorstand«, der gerade in diesen Tagen Unterstützung finde. Auch Deusel beruft sich auf eine große Unterstützung durch viele Beter.

Unter das Kündigungsschutzgesetz fällt die Rabbinerin wegen der geringen Mitarbeiterzahl allerdings nicht, wie ihr zweiter Rechtsanwalt, Martin Reymann-Brauer, erläutert. Aber im Kern sei das Verfahren auch kein arbeitsrechtliches Problem, sondern eine Frage des Umgangs des Vorsitzenden mit der Rabbinerin der Gemeinde, fügt er hinzu.

Einheit »Die Einheit unserer Gemeinde ist unverhandelbar«, erklärt Gemeindevorsitzender Rudolph. Es sei die Pflicht des Vorstands, diese Einheit nach außen wie nach innen zu schützen. Auch er betont, diese Einheit sei »kein Gegenstand eines arbeitsrechtlichen Verfahrens«.

»Es wäre wünschenswert, wenn Sie in der Gemeinde aufeinander zugehen würden«, sagte Richter Christoph Glaser beim Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Bamberg. Es sei immer besser, »miteinander zu reden und auch mal Dampf abzulassen«. ja

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026

München

Brauchtum zu Besuch

Der Tanz der Schäffler im Hof der Sinai-Grundschule verband auf besondere Weise Geschichte und gelebte Gemeinschaft

von Esther Martel  16.02.2026

Restitution

Ideeller Wert

Provenienzforscher der Goethe-Universität übergeben der Jüdischen Gemeinde Frankfurt fünf Bücher

von Katrin Richter  16.02.2026

Trauer

Macher und »Mentsch«

Moritz Rajber war Netzwerker mit Leib und Seele. Nun ist er wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag gestorben

von Ellen Presser  16.02.2026

Konzert

Neue Klangwelten

Fünf Chöre laden zu einem Abend mit hebräischer, jiddischer, israelischer und synagogaler Musik. Dirigenten und Sänger erzählen, was sie mit ihren Ensembles verbindet

von Christine Schmitt  15.02.2026

Porträt der Woche

Die Gründerin

Gabriela Fenyes ist Journalistin und engagiertes Gemeindemitglied

von Heike Linde-Lembke  15.02.2026

Frankfurt

Ein Abend – trotz allem

Im Philanthropin sprachen die Schoa-Überlebende Eva Szepesi und Ella Shani, eine Überlebende des 7. Oktober, über Zeitzeugen, Schüler und Erinnerungen

von Raquel Erdtmann  12.02.2026

Karneval

Ganz schön jeck

Die Düsseldorfer Gemeinde lud zum traditionellen Prinzenpaarempfang. Sie will damit ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen

von Jan Popp-Sewing  12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026