Berlin

Makkabi chai

Bei der Makkabi-Gala vorherrschend: der Tanzsport Foto: Gregor Zielke

»Makkabi ist der etwas andere Sportverein«, schreibt Dieter Graumann in seinem aktuellen Buch Nachgeboren – Vorbelastet?. Längst hat der jüdische Turn- und Sportverband seine Nische verlassen. Um in Zukunft den jüdischen Sport in Deutschland noch öffentlichkeitswirksamer zu stärken, fand am Samstag in Berlin die erste Makkabi-Gala statt.

Der Verein unter Vorsitz von Peter Guttmann hatte geladen, und Berliner Prominenz kam. Neben den Gästen und Freunden aus der Hauptstadt waren der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, der Vorsitzende der Berliner Gemeinde, Gideon Joffe, und Rabbiner Yehuda Teichtal gekommen.

Innenminister Hans-Peter Friedrich, der zusammen mit dem verhinderten Dieter Graumann an diesem Abend die Schirmherrschaft übernommen hatte, war mit seiner Ehefrau erschienen. Und auch Rolf Eden machte kurz seine Aufwartung, verschwand aber nach einem Plausch mit Filmproduzent Artur Brauner wieder.

Gala-Menü 250 Euro kostete eine Karte – Geld, das die Gäste gerne ausgaben. Dafür wurde auch ein besonderes Menü serviert: Lachs auf Roter Bete als Vorspeise, gratiniertes Lamm mit Tomatenschaum im Zwischengang. Schließlich Ochsenbacke an Kartoffelpüree als Hauptgericht. Zur späten Stunde dann eine Crème brûlée als Dessert, den Magen David aus Schokosoße inklusive. Alles, wie auf Nachfrage versichert wird, vom Rabbiner für koscher erklärt. Selbst das gereichte Salz aus Okinawa wird wohlwollend registriert.

Doch es ging, Kulinarisches hin oder her, doch noch um etwas anderes. Zum ersten Mal wird der »Makkabäer« verliehen, mit dem nicht nur athletische Leistungen, sondern auch Verdienste für den Verein ausgezeichnet werden.

Sportlerin des Jahres Der erste Preis des Abends für die Sportlerin des Jahres ging an die Hockeyspielerin Rebecca Landshut, verliehen vom Innenminister. Er lobte sie als »Brückenbauerin zwischen den Menschen, mit Warmherzigkeit und Humor«. Es ist nicht der einzige Preis in diesem Jahr für Landshut: Als Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft wurde sie im Januar Europameisterin und zur besten Spielerin des Turniers in Leipzig gewählt.

Der Sonderpreis für »Toleranz, Offenheit und Fairness« ging an das Projekt »Shakehands« der Deutschen Soccer Liga, das sich für Gewaltfreiheit im Sport und Integration einsetzt. »Fair Play hat keine Grenzen. Offenheit ist eine wertvolle Ressource«, hob Christiane Bernuth vom Verein hervor.

Nach den Preisverleihungen wird das Publikum im Saal dazu aufgefordert, Geld für einen guten Zweck zu spenden – wertvolle Sport-Memorabilia werden versteigert. Das erste Auktionsobjekt hat eine ganz besondere Geschichte: Es sind die Boxhandschuhe, mit denen Arthur Abraham 2006 gegen Edison Miranda antrat. Abraham brach sich während des Kampfes den Kiefer, machte weiter – und gewann. Jetzt hat er sie Makkabi gestiftet.

Alice Brauner möchte, dass ihr Vater Artur mitbietet. Doch der winkt ab: »Wenn ich die Boxhandschuhe kaufe, dann schlägt sie mich doch nur damit!« Die Handschuhe – »noch mit Abrahams Schweiß und dem Blut seines Gegners« – wechseln für 1300 Euro den Besitzer.

Auktion Auch ein von allen aktuellen Nationalspielern unterzeichnetes Fußballtrikot bringt viel ein: Durch eine »amerikanische Auktion«, bei der die Bieter in jeder Runde einen Mindestbetrag zahlen müssen, füllt sich der Spendentopf schnell. Erst 20 Euro, dann 50, dann nur noch in Hunderterschritten. Vor allem zwischen Tisch 22 – Willi von Schledorn von der Wüstenrot – und Tisch 3 – Grundstücksmakler Lothar Pfeiffer – bricht ein kleiner Bieterkrieg aus. Am Ende triumphiert dann doch die Familie Brauner-Zechbauer. Das Trikot soll das Kinderzimmer der Söhne verschönern.

Auch bei den weiteren Versteigerungen – etwa für ein von Pelé und Franz Beckenbauer signiertes Hemd – verbinden sich bei den Bietern im Saal Gewinn- und Wohltätigkeitswillen. Das Geld soll Projekten zugutekommen, die sich für die Integration sozial schwacher Jugendlicher einsetzen. Ohnehin war die Frage, wie Sport die Menschen verbinden kann, Thema des Abends. Um es wieder mit Dieter Graumann zu sagen: »Makkabi ist gelebte Integration.«

Gerade laufen die Vorbereitungen für die Maccabiah Games 2013 – wie wenige wissen, ist es die drittgrößte Sportveranstaltung nach den Olympischen Spielen und den Paralympics. Im nächsten Jahr werden 220 Sportler und Sportlerinnen aus Deutschland nach Israel geschickt, so viele wie noch nie zuvor.

Doch wie sportlich sind die Gäste im Saal? Dem inzwischen 84-jährigen Artur Brauner ist Sport immer noch wichtig: Mit täglichen Übungen achtet er auf seine Knie und seinen Rücken. Auch in seiner Jugend war er sehr aktiv: »Ich habe viel geliebt.«

Breitensport Innenminister Friedrich ist ein leidenschaftlicher Läufer, auch wenn ihm meist die Zeit fehlt. »Schon dreimal habe ich mich für den Berlin-Marathon angemeldet, leider hat meine Arbeit mir bisher nicht die Zeit für das notwendige Training gelassen. Aber ich bleibe optimistisch, dass es demnächst einmal klappt.«

Am beliebtesten ist an diesem Abend aber ohnehin der Tanzsport. Erst spielt die Jive-Combo »The Toby Tones« Klassiker von Louis Prima und Elvis Presley, dann hatten »Jewdyssee« ihren großen Auftritt. Die Band um die Berliner Sängerin Maya Saban veröffentlichte in diesem Jahr ihr Debütalbum mit dem passenden Titel 5773 und möchte den »Yiddish Way of Life in the 21st Century« repräsentieren. Konkret bedeutet das eine Verbindung von jiddischen Songs mit Dance Music und Pop.

Rap Unterstützt wird die Band diesmal von Ben Salomo, dem wahrscheinlich einzigen jüdischen Rapper von Bedeutung in Deutschland. »Wir sagen Jewdy, ihr sagt See!«, fordert er das Publikum auf der Tanzfläche auf – sehr zur Freude auch von Hadnet Tesfai, die schließlich früher in der Sendung »MTV Urban« Hip-Hop- und R’n’B-Videos vorstellte.

Traditioneller Höhepunkt des Sets ist »Bei mir bist du schejn«. Ohne den Tänzern eine Pause zu gönnen, spielt die KoDa-Band altbewährte Partyklassiker wie »It’s Raining Men« und »I will survive«. Währenddessen wird ein Mitternachtssnack serviert: Currywurst, natürlich koscher. »Das ist Berlin!«, so das Qualitätsurteil eines Galagastes.

Ein schöneres Abschlusswort könnte sich die Makkabi-Gala nicht wünschen, möchte sie doch zur festen Tradition werden, auch im Galakalender der Hauptstadt: Ein Termin 2013 wird bereits angepeilt – mit noch mehr Gästen und noch mehr Spenden. Und vielleicht noch mehr verführerischen Düften.

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