Berlin

Magbit mit Minister

Im Jugenddorf Ramat Hadassah im israelischen Kiryat Tivon leben 280 Jugendliche. Unter ihnen war bis vor Kurzem auch Natalie, eine 18-jährige junge Frau mit schulterlangen blonden Haaren. Sie hat mehrere Jahre in dem Internat verbracht, nachdem ihre drogenabhängigen Eltern sich nicht mehr um sie kümmern konnten. »Als ich hierher kam, wusste ich, dass ich richtig bin«, sagt sie in einem Video, das am vergangenen Samstagabend bei der Magbit-Eröffnung im Hotel InterContinental eingespielt wurde.

Der Abend war Natalie und allen anderen Bewohnern des Jugenddorfes Ramat Hadassah sowie ähnlichen sozialen Einrichtungen gewidmet, die Keren Hayesod (KH) in Israel fördert. Die finanzielle Unterstützung ermöglicht jungen Menschen eine angemessene Schulausbildung, für Verpflegung, Unterkunft und psychologische Betreuung ist ebenfalls gesorgt.

»Die Kinder werden so aus dem Kreislauf der Armut herausgelöst und erhalten Erziehung und Bildung, die ihnen die Chance eröffnen, zu Beitrag leistenden Mitgliedern der israelischen Gesellschaft zu werden«, heißt es dazu in einer Information der Organisation.

Jugenddörfer Der KH-Gesandte Jacob Snir appellierte an die rund 120 Gäste des Abends, Solidarität zu zeigen und finanzielle Unterstützung für die zu leisten, die ihre Eltern verloren haben, wegen Drogen- oder Alkoholproblemen in der Familie ihr Zuhause verlassen mussten oder aufgrund eigener sozialer Gefährdungen die Betreuung in den Jugenddörfern benötigen.

Zum Auftakt der neuen Spendensaison warf KH-Deutschland-Präsident Nathan Gelbart einen Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr 2014: Es sei für die Israelis, aber auch für die jüdische Gemeinschaft in Europa ein sehr bewegendes und folgenreiches Jahr gewesen, so Gelbart. »Ein Jahr, das unseren Freunden in Israel Krieg, aber auch vielen jüdischen Menschen außerhalb Israels Tod, Gewalt und Terror beschert hat.

Ein Jahr, in dem Israel und die jüdische Gemeinschaft außerhalb Israels erfahren mussten, wie viele Freunde sie haben beziehungsweise nicht haben – auch in Deutschland. Ein Jahr, in dem wir einmal mehr erkennen mussten, dass Bürger dieses Landes ihres Lebens und ihrer Gesundheit nicht sicher sind, wenn sie sich als Juden oder Freunde Israels zu erkennen geben.«

Flüchtlinge Der Staat Israel bleibe sicherer Heimathafen für alle jüdischen Menschen weltweit und habe dies bereits millionenfach durch Aufnahme von Einwanderern und Flüchtlingen unter Beweis gestellt. Es gebe keinen historisch vergleichbaren Fall. »Diese Lebensversicherung kann und wird es nicht zum Nulltarif geben«, rief Gelbart in Erinnerung.

In diesem Sinne sei die Unterstützung besonders wichtig. »Israel braucht uns nicht mehr und nicht weniger, als wir Israel brauchen.« Und diese Verbindung und Freundschaft sei nicht nur mit Worten auszudrücken. Die finanzielle Hilfe der jüdischen Gemeinschaft und ihrer christlichen Freunde sei umso mehr wichtiger Bestandteil einer langjährigen Tradition und Verpflichtung.

Diese Tradition würdigte auch Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman in seiner Rede. Die Spendensammelaktion habe stets dabei geholfen, den zionistischen Traum zu verwirklichen. Auch angesichts aktueller Herausforderungen und der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen im vergangenen Sommer habe sich wieder einmal gezeigt, dass Israel sich stets auf Keren Hayesod verlassen könne.

Protective Edge Die Hilfsorganisation sei sofort zur Stelle gewesen, als sie gebraucht wurde, so Hadas-Handelsman: »Das ist es, was Keren Hayesod auszeichnet«. Während der Operation »Protective Edge« hatte KH 100 mobile Schutzbunker in israelischen Gemeinden im Süden Israels aufgestellt und damit Menschenleben gerettet.

Ebenso sprach Innenminister Gilad Erdan über Bedrohungen durch Krieg, Terror und Antisemitismus, über schwere Zeiten für Israel und Juden in aller Welt. Er lobte die Arbeit von Keren Hayesod und sagte im Namen der Regierung Dank für die Unterstützung derjenigen, die »nicht nur mit Worten, sondern mit Taten« an Israels Seite stünden.

Eine der konkreten Spendenaktionen des Keren Hayesod wurde bei der Magbit-Eröffnung besonders gewürdigt: die Renovierung der Heimstätte David Ben Gurions in Sde Boker. Sie war durch die finanzielle Unterstützung der Berliner Familien Drimmer und Prajs ermöglicht worden, am 27. November wurde der Abschluss des Projektes in der Negevwüste feierlich begangen. Spenderin Norma Drimmer betonte, dass es ihr und ihrem Bruder eine Ehre gewesen sei, dieses wichtige Vorhaben zu unterstützen und dem Staat Israel auf diese Weise etwas von dem zurückzugeben, was sie und ihre Familie erhalten hätten.

konzert Nach den Reden und einem festlichen Dinner gab es, sozusagen als Dessert, den Auftritt der israelischen Musiklegende Matti Caspi. Bei dem einstündigen Konzert präsentierte er einige seiner bekanntesten Lieder, darunter »Brit Olam«, »Mischehu« oder »Hine, hine«, solo am Piano und an der Gitarre.

Zuvor hatte KH-Gesandter Jacob Snir noch aus »Eich Ze Shekochav« die Liedzeile zitiert: »Wie kann es ein Stern alleine wagen ...«. Snir verwies darauf, dass jeder Einzelne etwas bewirken könne, indem er einem der gefährdeten israelischen Jugendlichen den Weg in eine bessere Zukunft ermögliche. Wahrscheinlich hatte Matti Caspi bei diesem Lied nicht an eine derartige Interpretation gedacht, jedoch war diese allemal im Sinne des stimmungsvollen Benefiz-Abends und der Jugendlichen aus Ramat Hadassah.

Kulinarik

Koscher kochen auf höchstem Niveau

Tom Franz kreierte ein Drei-Gänge-Menü zum 20-jährigen Jubiläum der Ohel-Jakob-Synagoge

von Vivian Rosen  19.10.2026

Synagoge im sächsischen Görlitz

Görlitz

Erinnerung an das Novemberpogrom im Nationalsozialismus

Nazis und ihre Helfer zerstörten und plünderten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 jüdische Einrichtungen, Geschäfte und Wohnungen. Juden wurden verfolgt, misshandelt und getötet

 19.10.2026

Lörrach

Tora als Zeichen der Hoffnung

Die Kultusgemeinde lässt eine historische gerettete Rolle restaurieren. Demnächst wird sie im Landtag vollendet

von Christine Schmitt  19.10.2026

Nachruf

Hermann »Mano« Höllenreiner ist tot

Mit neun Jahren wird er nach Auschwitz deportiert. Später wird er unermüdlicher Mahner gegen das Vergessen

 19.10.2026

Holocaust-Mahnmal

Gedenken an deportierte Jüdinnen und Juden am Gleis 17

Etwa 10.000 jüdische Menschen deportierten die Nazis vom Bahnhof Grunewald in Berlin aus in die Vernichtungslager. Beim Gedenken an die Opfer nehmen die Redner auch die Gegenwart in den Blick

 18.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

München

Das Grauen sehen

Bei der Premiere eines Films über die Familie Bibas und das Hamas-Massaker vom 7. Oktober sprechen die Regisseurin und ein Psychologe über das Verbrechen und die Wirkung der Aufnahmen

von Michael Schleicher  18.10.2026

Lesung

»Die ganze jüdische Welt war in Trauer«

Zum Gedenken an den 7. Oktober stellte Dafna Gerstner ihr Buch vor

von Luis Gruhler  18.10.2026

Porträt der Woche

»Ich mag die Gemeinschaft«

Sonja Fira Grinman geht häufig zu jüdischen Events - bundesweit und im Ausland

von Annette Kanis  18.10.2026