1700 Jahre

»Lebedik und freylekh«

Die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft in Hamburg pflegt noch heute die Sprache. Foto: imago images/YAY Images

Mit drei Veranstaltungen unter dem Titel »Jiddisches Leben in Hamburg – gab es das?« im Jüdischen Kulturhaus Hamburg beteiligt sich die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft am Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Die Veranstaltungsreihe startet am Samstag, 26. Juni, 20 Uhr, mit der Lesung »Glikl von Hameln« und dem Ensemble »simkhat hanefesh« mit jiddischen Liedern aus der Renaissance und dem Barock. Sprecherin ist Stella Jürgensen.

Die Hamburger Kauffrau Glikl von Hameln (1646–1724) fasziniert als Mutter von 14 Kindern, Schmuckwarenhändlerin, Strumpffabrikantin und Schriftstellerin noch heute. Sie verfasste sieben biografisch geprägte Bände und ein Buch mit einer moralisch-theologischen Abhandlung. Glikl war belesen und politisch gebildet. Ihre Tagebücher wurden somit eine seltene, wertvolle Fundgrube über das jüdische Leben in der Barockzeit.

Lehrauftrag Die 1995 gegründete Salomo-Birnbaum-Gesellschaft will die jiddische Sprache »lebedik un freylekh« erhalten. Salomo Birnbaum hatte 1922 den ersten Lehrauftrag für Jiddisch an der Hamburger Universität erhalten.

Die Gesellschaft bietet heute Sprachkurse an der Hamburger Volkshochschule an, organisiert Vorträge, Lesungen und Konzerte, betreut die Salomo-Birnbaum-Bibliothek mit mehr als 3000 Jiddisch-Bänden an der Hamburger Universität und ist mit Jiddisch-Experten in der ganzen Welt vernetzt.

Die Gesellschaft weist unermüdlich darauf hin, wie viele deutsche Wörter und Redensarten jiddischen Ursprungs sind.

Vor allem aber weist die Gesellschaft unermüdlich darauf hin, wie viele deutsche Wörter und Redensarten jiddischen Ursprungs sind. Zudem ist mit dem Jiddischen eine hochstehende literarische Kultur verbunden, denn die Juden, die im 14. und 15. Jahrhundert vor vielen Pogromen aus dem Westen Europas gen Osten flohen, nahmen ihre westjiddische Sprache mit und vermischten sie mit dem Jiddisch der Ostjuden. Sie entwickelten eine reiche Kultur, brachten Zeitschriften und literarische Werke heraus.

Pogrome Als die Pogrome den Osten überrollten, flüchteten die Juden wieder nach Westen. Erneut wandelte sich die jiddische Sprache. Zwar wollten die Ostjuden über Hamburg weiter nach Nordamerika auswandern, doch die Flüchtlinge waren arm.

Ihre jiddische Sprache war den hanseatischen Juden peinlich. Anfangs konnte sich die Sprache noch behaupten und wurde von Vereinen gepflegt und unterrichtet. Zeugnisse darüber gibt es aus dem Grindelviertel, aus Altona und der Hamburger Neustadt. Doch es wurde immer mehr vergessen.

Heine Einer, der zu der Sprache hielt, war der bekannte Hamburger Geschäftsmann und Mäzen Salomon Heine (1767–1844), Onkel des Dichters Heinrich Heine, der unter anderem das Israelitische Krankenhaus finanzierte. Auch der Philosoph und Aufklärer Moses Mendelssohn (1729–1786) pflegte die alte Sprache und unterrichtete seine Studenten auf Jiddisch.

Die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft will mit ihrer Veranstaltungsreihe, kuratiert von Inge Mandos und Renate Gültzow vom Vorstand der Gesellschaft, auf den jiddischen Beitrag zur jüdischen Kultur hinweisen und ihn als kleinen, aber lebendigen Teil jüdischen Lebens in Hamburg bekannt machen.

Eine weitere Veranstaltung ist für Sonntag, 22. August, 20 Uhr geplant: »Hamburg aus dem ›Kukwinkl‹ des jiddisch-sowjetischen Autors Leyb Kvitko«.

»Meshuge aus Heimweh – Amerika-Rückwanderer in der Anstalt Friedrichsberg« heißt es schließlich am Sonntag, 19. September, 20 Uhr.

Tu Bischwat

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