Berlin

Küf Kaufmann erhält ELNET Award

Renate Künast übergibt den ELNET Award an Küf Kaufmann. Foto: tokography/Tobias Koch

Das European Leadership Network (ELNET) hat am Mittwoch bei einem Festakt in Berlin zum zweiten Mal die ELNET Awards verliehen. Mit dem Preis, der gemeinsam mit der Erwin Rautenberg Foundation ins Leben gerufen wurde, werden Personen und Projekte ausgezeichnet, die sich gegen Judenhass und für die deutsch-israelische Freundschaft engagieren. Verliehen wurden insgesamt drei Preise in drei Kategorien, die jeweils mit 5000 Euro dotiert sind.

In der Kategorie Politik wurde Küf Kaufmann, langjähriger Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden, gewürdigt, der sich auch als Autor und Künstler seit Jahren für den interreligiösen Dialog und die interkulturelle Annäherung von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft engagiert.

unterstützung Nachdem er die Auszeichnung von der Bundestagsabgeordneten Christiane Schenderlein (CDU) überreicht bekam, folgte ein Gespräch mit der Grünen-Politikerin Renate Künast. Sie saß in der Jury der ELNET-Awards. Im Gespräch mit Künast betonte Kaufmann: »Für mich ist es wichtig, egal, welche Rolle ich spiele, ein Mensch zu bleiben.« Als Preisträger wünsche er sich eine breite Unterstützung von Kunst und Kultur – »sei es ideelle Unterstützung oder finanzielle« –, denn diese hätten eine unglaubliche Überzeugungskraft, insbesondere im Kampf gegen Antisemitismus.

»Für mich ist es wichtig, egal, welche Rolle ich spiele, ein Mensch zu bleiben.«

Preisträger Küf Kaufmann

In der Kategorie Kultur wurde das jüdische Kultur- und Theaterschiff »MS Goldberg« aus Berlin ausgezeichnet, das seit Mai 2022 Klassiker und neue Werke jüdischer Künstler zeigt. Das Projekt leiste mit den Mitteln der Kultur einen wichtigen und greifbaren Beitrag gegen Antisemitismus und Geschichtsvergessenheit, heißt es in einer Erklärung.

Der Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein e.V. erhielt den Preis in der Kategorie Gesellschaft. Der Dachverband von anerkannten Jugendverbänden und Jugendvereinigungen im nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein pflegt seit über 50 Jahren einen engen Jugendaustausch mit dem Kreis Emek Hefer in Israel. Mit seiner Jugendarbeit trage der Verein zur Versöhnung und Völkerverständigung zwischen Israelis und Deutschen bei.

Vermächtnis Bundesjustizminister Marco Buschmann meldete sich zum Auftakt der Preisverleihung via Liveschalte zu Wort: »Jede gelingende und sich wechselseitig bereichernde Begegnung zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Deutschen, zwischen Deutschen und Israelis, ist ein neuer Anfang und ein Zeichen, dass der gute Wille zu einer wirklich gemeinsamen Zukunft stärker sein kann als die bedrückende Erfahrung vergangenen Scheiterns«, so der FPD-Politiker.

Buschmann würdigte zudem Erwin Rautenberg, »der als Einziger seiner Familie die Schoa überlebte und trotzdem die Beziehung zu Deutschland, auch in seiner neuen Heimat Kalifornien, nie aufgab«. Sein Leben lang habe er sich für die Aufarbeitung und Erinnerung eingesetzt. Die Erwin Rautenberg Foundation sei sein Vermächtnis, mit dem Ziel, nachfolgende Generationen aufzuklären. Buschmann erinnerte auch an die Geschehnisse auf der diesjährigen documenta, an zunehmenden Antisemitismus und mahnte: »Es ist nicht verschwunden, was schon einmal der Boden für monströse Verbrechen war.« Der Verantwortung, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen, müsse man besser gerecht werden.

»So wichtig starke Bekenntnisse sind, sie genügen schon lange nicht mehr.«

Christine Lambrecht, Bundesministerin der Verteidigung

Christine Lambrecht, Bundesministerin der Verteidigung, nahm persönlich an der Preisverleihung teil. Auch sie mahnte in ihrer Ansprache: »Judenhass, rechte Hetze und rechte Gewalt breiten sich heute wieder besorgniserregend aus, aber sie sind kein neues Phänomen. Sie begleiten die Bundesrepublik seit dem ersten Tag.« Starke Bekenntnisse seien wichtig, »aber so wichtig starke Bekenntnisse sind, sie genügen schon lange nicht mehr. Wir müssen sie voll und ganz mit Leben füllen«.

freundschaft Lambrecht appellierte zudem, dass es darauf ankomme geschlossen zu handeln – für die deutsch-israelische Freundschaft und gegen Judenhass. »Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen erst gar nicht in die Fänge von Extremisten und Antisemiten kommen. Und Sie von ELNET machen es vor«, hielt die SPD-Politikerin fest.

Carsten Ovens, Executive Director von ELNET Deutschland, erklärte: »Der Kampf gegen Antisemitismus kann nur mit dem Einsatz und der Anstrengung vieler gewonnen werden. Politik kann hier zwar die richtigen Anreize setzen, die Veränderung muss aber aus der Gesellschaft herauskommen.«

Lesen Sie mehr in der kommenden Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

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