Omanut

Kerzen, Bilder, Aquarelle

ZWST-Direktor Beni Bloch (r.) mit Omanut-Künstlern Foto: Christine Schmitt

Klein, aber bunt: An den Wänden der beiden Räume hängen Aquarelle, mit Acrylfarben gemalte Bilder und Mosaike, die lebendig und lebensfroh wirken. Seit ein paar Tagen steht es in der Kaiserin-Augusta-Straße in Tempelhof auf dem Klingelschild: »Jüdische Galerie Omanut«. Das Kunstatelier Omanut ist jetzt um eine Adresse erweitert.

Neujahrsempfang Am Donnerstag wurde die Galerie mit einem Neujahrsempfang eingeweiht. Zuvor hatten die Teilnehmer und Mitarbeiter des Ateliers mehrere Tage lang geschuftet – jedes Bild sollte gut präsentiert werden, sagt Jörg Kaminski, der seit Jahren regelmäßig das Atelier in der Joachimsthaler Straße besucht. Zum Empfang kamen so viele Gäste und Interessierte aus der Gemeinde und von anderen Verbänden und Vereinen, dass einige draußen den Reden und später dem Gesang von Tania Alon zuhörten.

Unter dem Dach der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST) ermöglicht das Kunstatelier Omanut jüdischen und nichtjüdischen Künstlern mit Behinderung und psychischen Erkrankungen eine vielseitige Palette an Beschäftigungen. Mit der neuen Galerie hat das Kunstatelier nun ein Projekt ins Leben gerufen, in dem die Künstler ihre Werke auch ausstellen können.

Beni Bloch »Eine Gesellschaft wird daran gemessen, wie sie sich um die Schwachen und Gebrechlichen kümmert«, sagte ZWST-Direktor Beni Bloch zur Eröffnung. Die ZWST sei stolz darauf, solch eine Einrichtung wie das Kunstatelier und nun die Galerie zu haben. Bloch, der extra aus Frankfurt angereist war, sagte, er sei immer beeindruckt von den Bildern und deren Farbenvielfalt. Er will sie demnächst bei einer Veranstaltung in Bad Kissingen ausstellen. Es lohne sich, hierherzukommen, um die Arbeiten zu sehen – und man könne sie auch kaufen, empfiehlt er.

Judith Tarazi, Kunsttherapeutin und Leiterin des Ateliers, ist überwältig, wie viele Leute gekommen sind. »Ich möchte mich bei unseren Künstlern bedanken, was haben wir für tolle Leute!« Gemeinsam mit den Teilnehmern wurde seit Wochen diskutiert, ausgewählt und gerahmt. Einig war man sich nur darüber, dass der Platz kaum ausreichen werde, so viele Werke wurden in den letzten Jahren geschaffen.

Stolz »Diesen Fisch habe ich gemalt«, sagt Julia, 25 Jahre alt. Mit Buntstiften hat sie ihn akribisch von einer Vorlage abgezeichnet, berichtet sie vergnügt und stolz. Jeden Mittwoch macht sie sich auf den Weg ins Atelier, und zwar immer voller Freude. Zu ihren Lieblingstätigkeiten gehören das Kerzenziehen und das Verkaufen der Werke.

Danielle hat Blumen in allen Farben auf der Leinwand festgehalten, aber noch lieber als mit Farben zu hantieren fertigt sie Mosaike an. Sie besucht Omanut seit Jahren und freut sich, dass ihre Bilder auch in der Ausstellung der Galerie hängen. Danach ist eine Werkschau von Mitarbeitern eines ähnlichen Projektes aus Nordrhein-Westfalen geplant.

Günter Jek »Wir sind froh, dass wir nun über eine permanente Ausstellungsfläche und eine kulturelle Dependance des Berliner Büros verfügen«, sagt Günter Jek, Leiter des Berliner ZWST-Büros – auch wenn sie nicht in Berlin-Mitte und somit im »jüdischen Kiez« liege. Aber in der Nachbarstraße gebe es mehrere Kitas, eine evangelische aktive Gemeinde, die regelmäßig zu einem Behindertencafé einlädt, und einen Verein, der sich um Autisten kümmert.

»Wir müssen uns einfügen in eine bestehende Landschaft. Wir haben etwas zu zeigen und möchten stärker in die Öffentlichkeit«, sagt Jek. Mehr als 20 Jahre lang hatten russische, nach Deutschland emigrierte Künstler die Möglichkeit, in den Räumen ihre Werke zu zeigen. Doch die haben mittlerweile Fuß gefasst, weshalb die Galerie frei wurde.

Etwa 20 Teilnehmer im Alter von 20 bis 80 Jahren sind bei Omanut mit von der Partie. Neben der Werkstatt und dem Atelier bieten die Mitarbeiter auch eine Beratung über mögliche Wohn-, Arbeits- und Freizeitformen an.

Bildung

Mathe, Kunst, Hebräisch

Diese Woche ist die Jüdische Grundschule in Dortmund feierlich eröffnet worden. Warum entscheiden sich Eltern, ihr Kind auf eine konfessionell geprägte Schule zu schicken – und warum nicht?

von Christine Schmitt, Katrin Richter  31.08.2025

Essay

Wie eine unsichtbare Wand

Immer sind Juden irgendetwas: Heilige oder Dämonen, Engel oder Teufel. Dabei sind wir ganz normale Menschen. Warum nur gibt es immer noch Erstaunen und teils Zurückweisung, wenn man sagt: Ich bin jüdisch?

von Barbara Bišický-Ehrlich  31.08.2025

Porträt der Woche

Sprachen, Bilder, Welten

Alexander Smoljanski ist Filmemacher, Übersetzer und überzeugter Europäer

von Matthias Messmer  31.08.2025

Vor 80 Jahren

Neuanfang nach der Schoa: Erster Gottesdienst in Frankfurts Westendsynagoge

1945 feierten Überlebende und US-Soldaten den ersten Gottesdienst in der Westendsynagoge nach der Schoa

von Leticia Witte  29.08.2025

Würdigung

Tapfer, klar, integer: Maram Stern wird 70

Er ist Diplomat, Menschenfreund, Opernliebhaber und der geschäftsführende Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses. Zum Geburtstag eines Unermüdlichen

von Evelyn Finger  29.08.2025

Interview

»Physisch geht es mir gut, psychisch ist ewas anderes«

Sacha Stawski über den Angriff auf ihn und seine Kritik an Frankfurts Oberbürgermeister

von Helmut Kuhn  28.08.2025

München

»In unserer Verantwortung«

Als Rachel Salamander den Verfall der Synagoge Reichenbachstraße sah, musste sie etwas unternehmen. Sie gründete einen Verein, das Haus wurde saniert, am 15. September ist nun die Eröffnung. Ein Gespräch über einen Lebenstraum, Farbenspiele und Denkmalschutz

von Katrin Richter  28.08.2025

Zentralrat

Schuster sieht Strukturwandel bei jüdischen Gemeinden

Aktuell sei der Zentralrat auch gefordert, über religiöse Fragen hinaus den jüdischen Gemeinden bei der Organisation ihrer Sicherheit zu helfen

 27.08.2025

Gedenken

30 neue Stolpersteine für Magdeburg

Insgesamt gebe es in der Stadt bislang mehr als 830 Stolpersteine

 26.08.2025