Stolpersteine

Jugend mit Gedächtnis

Doppeltes Gedenken: Aus dem Geschichtsprojekt der Klasse 10a wurde ein Buch. Foto: Historischer Verein für Mittelbaden

Stolpersteine

Jugend mit Gedächtnis

Schüler beschäftigen sich mit einem Erinnerungsprojekt

 04.01.2016 17:44 Uhr

So mag Gunter Demnig, Erfinder der Stolpersteine, sein Projekt ursprünglich geplant haben: Interessierte Bürger – vielleicht Schüler – beschäftigen sich mit dem Schicksal ihrer ehemaligen jüdischen Nachbarn, erforschen ihr Leben, suchen nach ihrem Verbleib und setzen ihnen mit einem Stolperstein ein Erinnerungszeichen. Im badischen Lahr, im südwestlichen Zipfel Deutschlands, haben Schüler der zehnten Klasse der Friedrichschule genau dieses unternommen.

Ausgrenzung
Sie fragten nach, wo jüdische Nachbarn ausgegrenzt, warum Kranke und Hilflose Opfer der NS-Euthanasie wurden, Juden von einem auf den anderen Tag verschwanden. Diese 16-Jährigen, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, können und wollen »nicht verstehen, dass Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer sexuellen Orientierung, einer Behinderung oder aufgrund ihrer ethnischen oder nationalen Herkunft ausgegrenzt und erniedrigt werden«.

Sie forschen und erfahren, wie jüdische Apotheker, Zahnärzte und Tierärzte ihre Zulassung verlieren, dass die Großmutter einer Mitschülerin Opfer der Euthanasie war. Und sie dringen zu den politischen Hintergründen vor, weil sie den »vermeintlichen Gründen für die Diskriminierung mit Fassungslosigkeit« gegenüberstehen.

Paten Sie erfassen die Biografien der betroffenen jüdischen Familie, der Angehörigen von Krankenmorden und nehmen Kontakt zu einigen von ihnen auf. Und sie sprechen mit Paten der Stolpersteine und ihren Beweggründen, diese verlegen zu lassen. Die Schüler katalogisieren die verlegten Steine, zeichnen sie in einen Stadtplan ein. Sie führen Interviews mit Lahrer Bürgern und finden engagierte Menschen, die nicht alle der Nazi-Herrschaft dienten.

Es ist eine bemerkenswerte Schülerarbeit. Wer auch immer sich über den Sinn der Verlegung von Stolpersteinen streiten mag, die in diesem Büchlein zusammengefassten Rechercheergebnisse sind im besten Sinne Erinnerungsarbeit. hso

Historischer Verein für Mittelbaden (Hrsg.): »Stolpersteine an der Lahr. Ein Geschichtsprojekt mit Schülern der 10a der Friedrichschule«. Verlag Regionalkultur, Ubstadt- Weiher 2015, 96 S., 9,90 €

Ehrenamt

Zeit für andere

Vereine, Institutionen und auch Gemeinden bauen auf sie: Menschen, die sich freiwillig für jüdisches Leben engagieren. Zwei Projekte werden nun ausgezeichnet

von Katrin Richter  27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Programm

Vortrag, Führung, Finissage: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 27. August bis zum 3. September

 26.08.2026

Neuanfang

Erste Klasse

Zwischen Schultüte und Blumen: Jüdinnen und Juden öffnen ihre Fotoalben und blicken auf ihre Einschulung zurück – in Israel, im Baltikum, in der Sowjetunion sowie in Ost- und West-Berlin

von Christine Schmitt  26.08.2026

Plädoyer

Stark und selbstbewusst

Die Zeiten des Ghettos und Sich-Wegduckens gehören zum Glück der Vergangenheit an. Umso mehr sollten Juden hierzulande entschiedener für ihre Interessen eintreten

von Sacha Stawski  25.08.2026

München

Von Deutschland in die Welt

Eine Ausstellung widmet sich dem Wirken jüdischer Architekten, deren Karrieren von Verfolgung und Exil bestimmt waren. Ihre Bauten beeinflussten die Moderne maßgeblich

von Ellen Presser  25.08.2026

Dresden

Ausstellung würdigt jüdische Sportlerinnen und Sportlern

Deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten stehen im Mittelpunkt einer Präsentation. Anlässlich des Jahres der jüdischen Kultur wird sie in Dresden gezeigt

 25.08.2026

Spremberg/Forst

Stolpersteine gestohlen

Der Staatsschutz ermittelt

 24.08.2026

Dresden

Unbekannter entwendet Kippa

Der Staatsschutz der Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

 24.08.2026