Potsdam

Jüdisches Leben sichtbar machen

Der Erinnerungstag findet in der neuen Synagoge Potsdam statt, die im Sommer eröffnet wurde. Foto: Chris Hartung

Die Themenwoche »Jüdisches Kaleidoskop Brandenburg 2024« möchte noch bis zum 10. November an unterschiedlichen Orten in ganz Brandenburg jüdisches Leben sichtbar machen und wird zum dritten Mal angeboten. Mit unterschiedlichen Partnerorganisationen findet die Themenwoche um den 9. November herum statt. Der Tag, an dem die Nationalsozialisten Synagogen, Geschäfte, Wohnhäuser und Friedhöfe der jüdischen Bevölkerung zerstörten – auch die Potsdamer Synagoge am Platz der Einheit wurde entweiht. Ferner wurden in Potsdam wohl alle Männer der jüdischen Gemeinde in der Pogromnacht verhaftet. 1945 wurde die Synagoge in der »Nacht von Potsdam« schwer zerstört; 1957 dann abgerissen.

In Potsdam gebe es für eine eher kleine Stadt sehr viele jüdische Gemeinden, so Joachim Seinfeld, Leiter der Fachstelle Antisemitismus Brandenburg, die die Themenwoche seit 2022 veranstaltet. Etliche Gemeinden in Brandenburg führen ein unterschiedliches jüdisches Leben. Genau das sichtbar zu machen und verschiedene Kulturen zu vernetzen, erscheine sinnvoll.

Ein vielfältiges Programm lädt an unterschiedliche Orte ein

Ein vielfältiges Programm, das die Themenbereiche Kultur, Gedenken, Sicherheit, Gesellschaft, Sport und Dialog einbindet, lädt an unterschiedliche Orte ein. Mehr als 30 Veranstaltungen sind im Programm aufgeführt. Der Erinnerungstag findet dieses Jahr erstmals im neuen Potsdamer Synagogenzentrum statt, das nach fast 20 Jahren Planungszeit im Sommer eröffnet worden ist.

Neben dem Blick zurück – wie in der virtuellen Begegnung mit NS-Zeitzeugen, einem Stadtspaziergang auf den Spuren jüdischer Ärzte durch Nowawes und dem Besuch der 1000-jährigen Eiche am Schloss Sacrow – gibt es auch aktuell Lebensweltliches. Darunter ein Workshop zu Kleidungsstücken im Judentum und eine Veranstaltung des Jüdischen Salons Brandenburg, zu dem die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg und der Studentenverband Jüdische Allianz Mitteldeutschland nach Potsdam einladen.

Dort wird diskutiert, welche Auswirkungen die Wahlergebnisse auf die jüdischen Gemeinden und Communitys in Ostdeutschland haben. Moderiert wird der Salon von dem Politik- und Religionswissenschaftler Monty Ott.

Die Ausstellung »ToleranzRäume« will neue Perspektiven bieten

Zum aktuellen Lebensweltlichen gehört auch Antisemitismus, seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 mehr denn je. Auch aus diesem Grund wird ein Fachtag zum Thema Antisemitismus angeboten, zu dem auch ein Argumentationstraining gehört.

In farbenfrohen Containern vor der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung will die Ausstellung ToleranzRäume neue Perspektiven bieten. Über die Publikation 35 Menschen. 2 Fragen. 70 Bilder werden Perspektiven auf Deutschland und Israel aufgezeigt. Zum Schabbat-Ausklang dann stellt die jüdische Aktivistin und Autorin Margaryta Paliy ihr neu erschienenes Buch Der 7. Oktober vor.
Vor dem Hintergrund von wachsendem Antisemitismus und der Verbreitung von rechtem Gedankengut sei das »Jüdische Kaleidoskop Brandenburg« ein wichtiges Zeichen, so Joachim Seinfeld. ja

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