Max Privorozki

»Jana und Kevin - sie kommen nicht wieder«

Gemeindevorsitzender Max Privorozki betont: »Die Polizei kennt sozusagen live unsere Pläne und Aktivitäten.« Foto: picture alliance/dpa

Max Privorozki

»Jana und Kevin - sie kommen nicht wieder«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle trauert um die Toten des Anschlags

 09.10.2020 15:37 Uhr

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, hat den Anschlag auf die Synagoge vor einem Jahr als einen Angriff auf alle Menschen und die Demokratie bezeichnet. Es gehe nicht nur um Antisemitismus, sondern auch um Hass, Aggression und Intoleranz in der Gesellschaft - »und die ist wirklich tödlich«, betonte Privorozki am Freitag auf einer Landesdemokratiekonferenz in Halle als Teil der Gedenkveranstaltungen.

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Die Demokratie sei wie eine Blume: »Wir sind an diese Blume gewöhnt. Sie ist aber empfindlich«, sagte der Vorsitzende. Diese Blume müsse stets gepflegt und vor Gefahren von mehreren Seiten bewahrt werden. »Das ist ganz wichtig.« Privorozki erinnerte daran, dass nicht überall auf der Welt Demokratie selbstverständlich ist: »Es gibt Menschen, die mit ihrem Leben dafür bezahlen, die Blume zu haben.«

Er gedachte der beiden Toten im Umfeld des Anschlags am 9. Oktober 2019. Nachdem es dem schwer bewaffneten Täter nicht gelungen war, sich den Weg in die Synagoge mit über 50 Menschen darin freizuschießen, tötete er eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss. Mit Blick auf die beiden Opfer sagte Privorozki: »Jana und Kevin - sie kommen nicht wieder.«

Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erinnerte auf der Tagung an die beiden Toten. An ihrem Beispiel werde deutlich, dass Antisemitismus und Terror jeden treffen könne - beide Opfer seien keine Juden gewesen. »Sie sind dem Judenhass zum Opfer gefallen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.«

Judenfeindlichkeit gebe es in allen Milieus, betonte Klein. Um dagegen vorzugehen, sei das neue Gesetz gegen Hass und Hetze ein wichtiger Baustein, ebenso die 22 Millionen Euro, die die Bundesregierung für mehr Sicherheitsvorkehrungen an jüdischen Einrichtungen zur Verfügung stelle. Notwendig seien außerdem präventive Maßnahmen. Weitere Angriffe seien zwar künftig nicht auszuschließen, aber die Bundesregierung und er selbst würden alles tun, um Antisemitismus zu bekämpfen.

Angesichts der Feierlichkeiten zu 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland im nächsten Jahr betonte Klein: »Jüdisches Leben ist ein prägender Teil unserer Geschichte und Gegenwart.«

Auch Sachsen-Anhalts Integrationsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) pochte auf eine umfassende Demokratiebildung von Kindheit an. Und sie betonte: »Eine wache Erinnerung ist keine Last im Vergleich zu einem müden Erinnern.« kna

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