Jubiläum

Israeltag auf Kölsche Art

Redner beim Israeltag: Grünenpolitiker Volker Beck, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer (v.l.) Foto: Roland Kaufhold

Das Wetter schien am vergangenen Donnerstag zunächst nicht mitspielen zu wollen: Ein starker Regenguss ließ die Teilnehmer unter den zahlreichen Zelten auf dem Kölner Heumarkt Schutz suchen. Und doch brach die Stimmung nicht ab. Im Gegenteil, vier Stunden lang feierten rund 350 Besucher den Israeltag in einer Mischung aus ausgelassener Fröhlichkeit und Besorgnis vor Terror zwischen bunt geschmückter Bühne und zahlreichen Kölner Initiativen. Schon das kölsche Motto »Kölle, loss mer fiere!« sollte den Optimismus in den Vordergrund rücken.

Die Zuschauer bekamen auch nichts davon mit, dass zur selben Zeit nur wenige Hundert Meter entfernt sechs russische Hooligans mehrere Spanier auf der Domplatte brutal überfielen und einen von ihnen schwer verletzten. Und dass in Großbritannien die Labour-Abgeordnete Jo Cox ermordet wurde.

Unterstützung »Ich freue mich sehr, dass unser alter Freund Volker Beck extra früher aus Berlin angereist ist, um uns hier zu unterstützen«, begrüßte Zentralratsvizepräsident und Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde, Abraham Lehrer, den Kölner Grünen-Bundestagsabgeordneten. »Volker Beck sieht auch manches kritisch in Israel – und das ist gut so!«, fügte Lehrer hinzu.

»Jeder Jahrestag Israels hier in Köln bleibt für mich ein kleines Wunder«, betonte Beck. Auf Dauer müsse sich Israel auf die Grenzen des Jahres 1967 zurückziehen, »aber nur, wenn Israels Grenzen wirklich gesichert sind!« Für seinen Rückzug aus Gaza habe Israel jedoch bislang nur Bomben geerntet. Vor allem jedoch sollten Deutsche nicht als Besserwisser auftreten, mahnte der Grünenpolitiker. Es gelte, das Misstrauen abzubauen, in kleinen Schritten und beharrlich. Gerade in Köln wissen viele Becks Israel-Engagement zu schätzen. Er bleibe als verlässlicher Freund Israels auch für den kommenden Bundestag 2017 unentbehrlich, hieß es in einem Brief einer bürgerschaftlichen Initiative, den zahlreiche Prominente unterschrieben hatten.

Yitzhak-Rabin-Platz Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sprach den »bedauerlichen Zustand« des nahe der Synagoge gelegenen Yitzhak-Rabin-Platzes an. Leah Rabin war im Dezember 1996 extra in die Tel Aviver Partnerstadt Köln gekommen, um die Einweihung des Yitzhak-Rabin-Platzes zu würdigen. »Aber es hat sich eine Gruppe aus israelischen und Kölner Künstlern gefunden«, so Reker, die eine Verschönerung des Platzes schon bald konkret angehen werde. Wohl noch dieses Jahr werde sie nach Tel Aviv reisen, fügte Reker hinzu. Bürgermeister Ron Huldai habe sie kürzlich noch einmal persönlich eingeladen.

Mehrere Musiker, der traditionsreiche Kölner Shalom Chor und ein Kinderchor traten auf, immer wieder unterbrochen und ergänzt von organisierten sowie sich spontan bildenden Tanzgruppen. Mit viel Beifall bedachten die Zuschauer die junge Tanzformation um die talentierte Marina Cohen. Ihre israelischen Tänze untermalte diese mit einer eindrucksvollen Choreografie und Gestik.

Neben Musik und Tanz konnten die Besucher köstliche Speisen probieren oder sich mit Informationsmaterialien über den Bund jüdischer Jugendlicher und Studenten, das Jugendzentrum Jachad, die Umweltorganisation JNF-KKL, den Städtepartnerschaftsverein Köln-Tel Aviv, die zionistische Frauenorganisation WIZO oder die Deutsch-Israelische Gesellschaft Bonn informieren. Zahlreiche eher jüngere Mitglieder des Bündnisses gegen Antisemitismus Köln sorgten für ein Gefühl der Verbundenheit. Für Köln ist der Israeltag zur festen Tradition geworden.

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