Bremen

Integration im Kleinen

Erzieherin Marina Cornea in Bremen Foto: Tim Schomacker

Vor einem Bild aus Disneys Schneewittchen stehen zwei Kerzenständer, deren Fuß der Davidstern ziert. Auf den Fotobögen im Gang finden sich neben der Dokumentation von Sportfest und Stockbrotessen vom vergangenen Sommer Bilder einer Chanukkafeier. Es kommt immer noch etwas dazu, erklärt Marina Cornea die Ausstellungsstücke. Sie ist die stellvertretende Leiterin des Kindergartens »Martha Goldberg« und zeigt Interessierten die Einrichtung.

»Für die Kinder sind die Kippa und der Segen vor dem Essen selbstverständlich«, sagt Cornea. Das Singen, Spielen und Toben natürlich auch. Dieses »Plus X« ist es, was die Einrichtung für den Nachwuchs der Bremer Gemeinde attraktiv macht. Doch es sind bei Weitem nicht nur Gemeindemitglieder, die sich um die Kindergarten- und Hortplätze bewerben.

Normalität Die Bildungsarbeit für die Jüngsten wirkt auch in den Stadtteil hinein. Hier kann die Gemeinde sich diesseits von Erinnerungskultur und interreligiösem Dialog präsentieren. Als ein Teil der Stadt – ganz normal und doch auch als etwas Besonderes. Darum schicken Eltern, die nicht zur Gemeinde gehören ihre Kinder hierher. Weil der Hort einen guten Ruf hat, Plätze rar sind und die Kinder die jüdische Religion kennenlernen sollen. Oder weil hier die Erzieherinnen auch Russisch sprechen, wie eine junge Frau erzählt, die einen Platz für ihren vierjährigen Sohn sucht.

»Uns geht es um Basisarbeit, darum, jüdische Kultur selbstverständlich zu leben«, sagt Elvira Noa. Der Vorsitzenden der Bremer Gemeinde liegt viel an außenwirksamer Selbstverständlichkeit. Auch und gerade wenn sie im Kleinen stattfindet. »Wir haben Kinder aus allen möglichen Sprachecken der Welt. Was hier im Kindergarten passiert, ist gute Integrationsarbeit. Und Kleinarbeit gegen Vorurteile«, sagt Noa.

Modernisierungen
Sie freut sich, dass »nach dem Provisorium, in dem wir seit 17 Jahren arbeiten«, einige bauliche Veränderungen anstehen. Nicht zuletzt wegen des gesetzlich verankerten Anspruchs auf Kinderbetreuung entstehe eine dritte Gruppe im Vorschulbereich. Dazu eine Krabbelgruppe mit modernisierter Küche und Waschräumen. Für Noa ist die Bereitschaft des Senats, die Baukosten im Wesentlichen zu tragen auch ein Ausweis für die Unterstützung der Gemeinde durch Stadt und Land Bremen.

Rabbiner Netanel Teitelbaum und seine Frau engagieren sich im Kindergarten und im Jugendzentrum. Teitelbaum bezeichnet es als Segen, viele Generationen unter einem Dach beherbergen und mit ihnen ins Gespräch kommen zu können. »Es ist eine Investition in die Zukunft – nicht nur in die Gemeinde«, sagt er. Doch auch der Polizeiwagen vor dem Fenster gehöre zum Alltag, sagt Cornea. Derzeit rund um die Uhr. Aber im Alltag vergesse man das. »Kinder sind eine gute Ablenkung.«

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Thüringen

Landesgemeinde dringt auf Ehrung von Klaus Trostorff

Klaus Trostorff war Buchenwald-Häftling und leitete später die Mahn- und Gedenkstätte der DDR. Die Jüdische Landesgemeinde will ihm in Erfurt eine Straße widmen

 17.02.2026

Hamburg

Altona war schon immer toleranter

Ein Projektraum im Regionalmuseum zeigt 400 Jahre jüdische Geschichte der gesamten Hansestadt

von Heike Linde-Lembke  16.02.2026