Casting

Im Scheinwerferlicht

Voller Einsatz: Wenn Rita zum Mikrofon greift, wird aus der Zwölfjährigen ein Soulstar. Foto: Mike Minehan

Rita Gueli rennt über den Hof, denn sie ist in Eile. Gleich hat die Zwölfjährige Gesangsunterricht, und sie ist etwas spät dran. Auf die Stunden bei Irina Babayeva freut sich Rita immer – gerade jetzt, da sie einen perfekten Bühnen-Auftritt hinlegen möchte und noch ein paar Tipps für das Finale der Sat1-Castingshow The Voice Kids braucht. Am Freitag ist es so weit. Dann wird Rita gegen fünf andere hochmotivierte und talentierte Jugendliche antreten.

»Mein ganzes Leben habe ich Lieder aus dem Radio nachgeträllert – und ich mache es noch heute«, sagt die Schülerin, als stehe sie seit 20 Jahren auf der Bühne. Ein Tag ohne Singen – das ist für das zierliche Mädchen undenkbar. Schon früh hat sie im Chor gesungen und seit zwei Jahren nimmt sie regelmäßig Unterricht.

Mikrofon Gesangslehrerin Irina Babayeva sitzt in ihrem Unterrichtsraum und wartet bereits auf Rita. Ebenso Mike Delberg, der sie bei ihrer Choreografie berät. Delberg, selbst Landesmeister in den Lateinamerikanischen Tänzen und ehemaliger Trainer des Tanzteams vom Berliner Jugendzentrum Olam für die Jewrovision, ist sich sicher: »Rita ist ein riesiges Talent.« Eine kurze Begrüßung, dann geht es los. Rita packt ihre Unterlagen aus, stellt sie auf den Notenständer, macht das Mikro an – und singt los. Read all about it von Emeli Sandé steht auf dem Programm.

Vor ein paar Monaten war es so weit: Einige Jugendliche aus der Musikschule von Stas Varshavsky wurden von Mitarbeitern der Show The Voice Kids gecastet und durften ihre Songs präsentieren. Insgesamt wurden 72 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren in die Show eingeladen, sechs kamen aus der Musikschule Joachimstaler Straße – aber nur Rita hat es bis ins Finale geschafft. »Du musst das ›O‹ länger ziehen«, sagt die Lehrerin und malt mit ihren Fingern den Buchstaben in die Luft. Rita singt, während die Lehrerin sie am Keyboard begleitet und ihrer Schülerin konzentriert zuhört.

Team In der Castingshow sitzen drei Profi-Musiker: Tim Bendzko, Lena Meyer-Landrut und Henning Wehland. Jeder betreut ein Team. Und aus diesen drei Teams werden junge Sängerinnen und Sänger mit ganz großen Stimmen ausgewählt. Sat1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow sagt, dass The Voice Kids keine Show für Kids, sondern mit Kids sei. Der Gewinner erhält 15.000 Euro für eine Ausbildung und hat Aussicht auf einen Plattenvertrag. »Rita, du musst den Refrain variieren, nicht immer auf die gleiche Art und Weise singen«, sagt Irina mit Nachdruck.

Bei ihrem ersten Auftritt hatte Rita alle Coaches mit ihrer Interpretation des Songs Mamma Knows Best so beeindruckt, dass das »I want you«, das den Kandidaten anzeigt, ob sie in die nächste Runde kommen, bei Bendzko, Meyer-Landrut und Wehland aufleuchtete. »Du bist ein riesiges Talent und hast jetzt schon eine Stimme wie eine erfahrene Soulsängerin«, lautete das einstimmige Urteil. Die Zwölfjährige durfte sich aussuchen, in welches Team sie gehen wollte und entschied sich für das von Tim Bendzko. »Da war ich schon aufgeregt«, sagt sie. In diesem Moment scheint die selbstbewusste Rita schüchtern gewesen zu sein. Sie trug ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift »See you« – und das hat auch geklappt. »Jeder kann stolz sein, so weit gekommen zu sein – da muss man nicht weinen, wenn man rausfliegt«, sagt sie.

Lampenfieber Die anfängliche Aufregung nahm mit jedem Auftritt ab. Selbst fünf Minuten, bevor die Show beginnt, ist Rita hochkonzentriert: »Dann vergesse ich alles um mich herum und singe nur noch mein Lied.« Die Bühne sei wundervoll, sie fühle sich da sehr wohl. Ganz klar: Das ist der Ort, an dem sie sein möchte.

Doch vor dem großen Auftritt, heißt es, hart zu arbeiten, Tipps anzunehmen und einen eigenen Zugang zum Song zu finden: »Hauch mal etwas mehr«, fordert Irina Rita auf. »Ich will keine Kopie, sondern eine eigene Interpretation. Denk an den Text, fühle, was du singst, sagt ihre Lehrerin. Und auch Mike Delberg hat noch einen Hinweis: «Die Aussprache sollte deutlicher sein, so dass die Zuhörer den Text verstehen». Alles das setzt Rita mit stoischer Ruhe um. «Also: Den ersten Part mehr hauchen, den zweiten kräftiger und den dritten Part wieder hauchen, okay», fasst Rita zusammen. Wenn sie nicht mit Musik beschäftigt ist, dann «schwimme ich, tanze, lese, reise, treffe Freunde oder gehe ins Kino». Ihre musikalischen Stars sind Jessie J, Christina Aguilera, Beyoncé und – natürlich – Tim Bendzko.

Finale Eine Frage brennt der Schülerin noch unter den Nägeln. Was ziehe ich beim Finale an? Vor Ort werde sie noch von Stylisten beraten, könne allerdings auch mit ihren eigenen Klamotten kommen. Auf jeden Fall wird sie etwas Rotes dabeihaben – und sei es nur ein rotes Armband. Denn diese Farbe bringe ihr Glück.

Derzeit besucht sie zwar noch die Schule, aber die Siebtklässlerin weiß genau, was sie werden möchte: Sängerin. Und auf den Bühnen der ganzen Welt singen.

Das Finale von «The Voice Kids» läuft am Freitag, 10. Mai, um 20.15 Uhr bei Sat1.

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Berlin

Trauer um Rabbiner Avraham Golovacheov

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben. Vor 18 Jahren war er als Chabad-Gesandter in die deutsche Hauptstadt gekommen

 07.04.2026

Porträt der Woche

Ich bin dankbar

Svitlana Petrovska überlebte die Nazis – und floh vor Putins Krieg nach Berlin

von Rob Savelberg  06.04.2026

Kahal Adass Jisroel

Platz für die Zukunft

Die Gemeinde in Berlin plant für 26 Millionen Euro ein neues Gemeinde- und Bildungszentrum

von Christine Schmitt  06.04.2026

Schwerin

Ein Denkmal für Willy

Der ehemalige Rabbiner William Wolff wird mit einer Statue geehrt

von Axel Seitz  06.04.2026

»Meet a Jew«

Viele Fragen

Marguerite und Benjamin sind zwei Freiwillige, die im Rahmen des Zentralratsprojektes mit Jugendlichen über das Judentum ins Gespräch kommen. So wie kürzlich in Spandau mit einer Box Mazzot

von Alicia Rust  06.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  06.04.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  06.04.2026

Neukölln

Rechts und links der Sonnenallee

Ein Stadtspaziergang führt auf jüdischen Spuren durch den ehemaligen Arbeiterbezirk

von Pascal Beck  05.04.2026