Versammlung

Im Namen von Semen Moshkovych

Ende April 2012 erlebte die IKG München einen großen Verlust – den Tod des Gründers und langjährigen Vorsitzenden des Vereins »Phönix aus der Asche«, Semen Moshkovych sel. A. Im Juli versammelten sich nun zum ersten Mal seit seinem Tod die Mitglieder des Vereins, um sich an Moshkovych zu erinnern und dessen Arbeit in seinem Namen engagiert und erfolgreich fortzuführen.

Präsidentin Charlotte Knobloch eröffnete die Versammlung und begrüßte unter anderem auch Moshkovychs Witwe Alla und Sohn Felix Neuberg. Sie erinnerte sich, wie Semen Moshkovych vor vielen Jahren zu ihr kam und sie bat, die Vereinsgründung von Phönix aus der Asche zu unterstützen. Seither liege ihr der Verein ganz besonders am Herzen.

Herzensangelegenheit »Wir stehen in der Pflicht aller Menschen, die Opfer der Nazis wurden. Im Ghetto oder im Konzentrationslager wurden sie zu Zwangsarbeit verdammt oder auf sonstige Weise gefoltert und gequält«, sagte Knobloch. »Bis heute haben nicht alle von ihnen die Leistungen und Entschädigungen erhalten, die ihnen zustehen. Das ist ein großer Skandal. Unser gemeinsamer Kampf geht weiter, diesen Zustand zu beseitigen. Das verspreche ich Ihnen, so wie ich es Semen Moshkovych sel. A. am Ende seines Leben versprochen habe. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.«

Vor elf Jahren gründete Moshkovych mithilfe der IKG Phönix aus der Asche, eine Vereinigung ehemaliger zwangsinhaftierter Ghetto- und KZ-Insassen aus dem Kreis der Zuwanderer. Als Vorsitzender kümmerte er sich um die Menschen, die Grausamstes durchleben mussten und bis heute darunter leiden. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen und sie bei der Durchsetzung von Entschädigungsansprüchen zu begleiten und zu unterstützen.

Moshkovych initiierte zudem die sogenannte Wohnungskommission, um den zugewanderten neuen Mitgliedern bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum zu helfen. Auch setzte er sich für das Gedenken an die Opfer der Schoa auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ein, wirkte aktiv bei den Gedenkveranstaltungen für die Opfer von Babi Jar mit und unterstützte die Herausgabe des zweibändigen Werkes Lebendige Erinnerungen.

Schweigeminute Charlotte Knobloch dankte der Leiterin der Sozialabteilung, Olga Albrandt, für die Unterstützung des Vereins und »ihre schützende Hand«, die sie immer über den Verein gehalten habe. Danach gedachten die Vereinsmitglieder in einer Schweigeminute Semen Moshkovych’.

Im Anschluss daran wurde bei der Mitgliederversammlung Nelea Hohlovkina zur neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt. Sie hatte bereits nach dem Tod des Vorsitzenden die Verantwortung übernommen und sich um die Mitglieder und organisatorische Fragen gekümmert. Rita Malaeschter als Kassenwart und Volodymyr Shatski als Schriftführer wurden in ihren Ämtern als Mitglieder des Vorstandes bestätigt.

Dass die Vereinsmitglieder in sozial schwierigen Situationen leben, zeigte die Fülle an Fragen, die nach der Wahl gestellt und besprochen wurden. Zentrale Themen waren die Wohnsituation, Mieterhöhungen, die Durchsetzung von Ansprüchen aus dem Entschädigungsfonds und das Beantragen von Ghetto-Rente. Dabei wurde deutlich, dass die Vereinsmitglieder sehr viel Unterstützung, auch in rechtlicher Hinsicht, benötigen.

Es wurde auch über die allgemeine Entwicklung des Vereins gesprochen und dabei ein ganz wichtiges Thema benannt: Der Verein Phönix aus der Asche steht allen Gemeindemitgliedern offen und würde sich über ehrenamtliche Mitarbeit jeder Art freuen. Wichtig zu wissen ist zudem, dass der Verein auf Spenden angewiesen ist, damit er weiterhin ehemalige zwangsinhaftierte Ghetto- und KZ-Insassen aus dem Kreis der Neuzuwanderer unterstützen kann.

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