Interview

»Ich war eine Stunde lang still«

Fasziniert vom Interesse der jungen Leute: Rabbiner Andrew Steiman Foto: Rafael Herlich

Herr Rabbiner Steiman, wie haben Sie das Gespräch zwischen den Zeitzeugen und den Schülern erlebt?
Es ist etwas sehr Seltenes passiert. Ich war eine Stunde lang still.

Hatten Sie den Eindruck, dass die Jugendlichen bei dieser Begegnung gehemmt waren?
Überhaupt nicht. Da war sofort eine Verbindung da. Die Schüler haben mit großer Unbefangenheit genau die Fragen gestellt, die sie interessieren. Ein Mädchen, das eigentlich Protokoll führen sollte, hat ihren Stift hingelegt und gesagt: »Ich will das jetzt miterleben und nichts verpassen.« Die wird sich bestimmt auch ohne Mitschrift später an alles erinnern können. Insgesamt war die Atmosphäre friedlich und kooperativ. Und am Ende haben alle einander umarmt.

Haben auch die Zeitzeugen selbst von dieser Begegnung profitiert?
Auf jeden Fall! Einsamkeit ist ein großes Thema im Alter. Es tut den älteren Leuten daher gut, dass sich jemand so sehr für ihre

Lebenserfahrungen interessiert. Außerdem denken viele der Überlebenden: »Bald leben wir nicht mehr. Wir wollen aber, dass die Erinnerung weiterlebt« – und das ist ein zutiefst jüdischer Gedanke.

Rabbiner Andrew Steiman arbeitet zusammen mit einer
evangelischen Pfarrerin und einem katholischen Diakon als
Seelsorger in der Altenwohnanlage und dem Pflegeheim der
Budge-Stiftung.

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Projekt

Ein Denkmal für gefallene Soldaten und ermordete Juden

Ein Dorf will mit einer Gedenkstätte an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das geplante gemeinsame Gedenken an gefallene Soldaten und ermordete Juden ruft ein unterschiedliches Echo hervor

von Jens Bayer-Grimm  21.07.2026

Berlin

Jüdisch, Queer, Selbstbewusst

Der »Pride-Shabbat« des Vereins Keshet Deutschland zeigt auch in diesem Jahr wieder, dass jüdisches und queeres Leben zusammengehören

von Leon Stork  20.07.2026

Pforzheim

Die vergessene jüdische Geschichte der Goldstadt

Vom Schwarzwald aus verkauften Juden einst Schmuck in die ganze Welt. Erst langsam wird diese Geschichte aufgearbeitet. Sie ist nicht immer glänzend – und auch noch nicht vorbei

von Mascha Malburg  20.07.2026

Porträt der Woche

»Ich wollte zum Ursprung«

Richard Ernst konvertierte zum Judentum, wurde Gärtner und Hobbymaler

von Anja Bochtler  18.07.2026

Würdigung

Im Einsatz für die Demokratie

Minister Georg Eisenreich zeichnete Engagierte in Justiz und Polizei mit dem Fritz-Neuland-Gedächtnispreis aus

von Luis Gruhler  18.07.2026

München

Bücher für alle

Der Literaturwissenschaftler Nathan Cohen sprach im Rahmen der Scholem-Alejchem-Reihe über populäre jiddische Literatur in Osteuropa

von Nora Niemann  18.07.2026

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026