Interview

»Ich war eine Stunde lang still«

Fasziniert vom Interesse der jungen Leute: Rabbiner Andrew Steiman Foto: Rafael Herlich

Herr Rabbiner Steiman, wie haben Sie das Gespräch zwischen den Zeitzeugen und den Schülern erlebt?
Es ist etwas sehr Seltenes passiert. Ich war eine Stunde lang still.

Hatten Sie den Eindruck, dass die Jugendlichen bei dieser Begegnung gehemmt waren?
Überhaupt nicht. Da war sofort eine Verbindung da. Die Schüler haben mit großer Unbefangenheit genau die Fragen gestellt, die sie interessieren. Ein Mädchen, das eigentlich Protokoll führen sollte, hat ihren Stift hingelegt und gesagt: »Ich will das jetzt miterleben und nichts verpassen.« Die wird sich bestimmt auch ohne Mitschrift später an alles erinnern können. Insgesamt war die Atmosphäre friedlich und kooperativ. Und am Ende haben alle einander umarmt.

Haben auch die Zeitzeugen selbst von dieser Begegnung profitiert?
Auf jeden Fall! Einsamkeit ist ein großes Thema im Alter. Es tut den älteren Leuten daher gut, dass sich jemand so sehr für ihre

Lebenserfahrungen interessiert. Außerdem denken viele der Überlebenden: »Bald leben wir nicht mehr. Wir wollen aber, dass die Erinnerung weiterlebt« – und das ist ein zutiefst jüdischer Gedanke.

Rabbiner Andrew Steiman arbeitet zusammen mit einer
evangelischen Pfarrerin und einem katholischen Diakon als
Seelsorger in der Altenwohnanlage und dem Pflegeheim der
Budge-Stiftung.

Block-Prozess

Verteidiger: Ermittlungen zum Fall Block waren zu einseitig

Die Chefermittlerin im Fall Block hat ihre Zeugenbefragung abgeschlossen. Nur einer, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt

 19.08.2026

Aktion

»Kunst, Gedichte, gute Wünsche«

Die Juristin Katya Assaf-Zakharov über das Projekt »Du bist am Zug«, Teilhabe und persönliche Botschaften im Stadtbild von Berlin

von Christine Schmitt  19.08.2026

Programm

Ein Moped-Gottesdienst, Kaffee, Kuchen und ein Zirkus-Koffer in Frankfurt: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 20. August bis zum 27. August

 19.08.2026

Berlin/München

Knobloch über AfD und NSDAP: »Vergleichen sollte man«

Die AfD bekommt Zulauf wie nie zuvor. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden fühlt sich an dunkle Zeiten erinnert

 19.08.2026

Anoha

Mit allen Sinnen

Im Museum erleben Kinder die Geschichte der Arche Noah spielerisch – und lernen dabei etwas über Vielfalt, Respekt und ein gutes Miteinander

von Alicia Rust  18.08.2026

Berlin

Gedenkzeichen für erste Rabbinerin der Welt

Regina Jonas wurde 1942 in das KZ Theresienstadt verschleppt und 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ende August wird ihrer mit einem Gedenkzeichen gedacht

 18.08.2026

Gespräch

Albrecht-Weinberg-Gefährtin: Erinnerung an Holocaust darf nicht enden

Im Mai starb der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg. Gerda Dänekas war bis zum Schluss an seiner Seite, Pflegerin und engste Freundin. Im Interview spricht sie über das Vermächtnis eines der letzten Zeitzeugen und einen Film über ihn - und sie

von Karen Miether  18.08.2026

Orthodoxie

»Koschere Haare sind teuer«

Chaya Chapoval über steigende Scheitelpreise, die Arbeit hinter einer Perücke und Rabbiner-geprüfte Haarteile

von Mascha Malburg  17.08.2026

Freiburg

Geschichten eines Onkels

Aviva Rabinovich recherchierte das Schicksal ihres Verwandten Konrad Goldmann – und widmet ihm zusammen mit dem Regisseur Nathan Lifschitz einen Dokumentarfilm

von Anja Bochtler  17.08.2026