Hannover

Hauptsache Party

Mit Israel-Fähnchen: Im Alten Magazin wurde der ESC gefeiert. Foto: Till Schmidt

Hannover

Hauptsache Party

300 israelbegeisterte ESC-Anhänger feiern im Zeichen von Vielfalt und Lebensfreude

von Till Schmidt  23.05.2019 11:08 Uhr

»Tel Aviv ya chabibi Tel Aviv« – auch Omer Adam darf heute Abend natürlich nicht fehlen. Unüberhörbar dröhnt der wohl bekannteste Hit des israelischen Popsängers in das Foyer des Alten Magazins. Zahlreiche Gäste treffen dort letzte Vorbereitungen für das Public Viewing des ESC-Finales aus Tel Aviv. Ob geschminkt im Gesicht oder als Fähnchen in das Outfit integriert – das Theater in der Hannoveraner Südstadt wird von Israelflaggen beherrscht.

Aus einer »Schnapsidee« heraus sei der Plan entstanden, in Hannover eine ESC-Party zu veranstalten, erzählt Marc Simon von der Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft. Zusam
men mit einigen Freunden hatte er die Organisation vor mehr als 15 Jahren gegründet, um den muslimisch-jüdischen Dialog zu stärken. Nun bietet der ESC eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Vortragsveranstaltungen zu historischen und politischen Themen.

farbenfroh »Mit 300 Gästen ist das unsere erste große Party«, sagt Simon begeistert, während er Neuankömmlingen an der Tür zuwinkt. Wer den Wettbewerb gewinnt, sei ihm persönlich eigentlich nicht so wichtig. Hauptsache, eine schöne bunte Feier, hier in Hannover, wo die säkular orientierte Organisation ihren Arbeitsschwerpunkt hat. Sichtlich genießt es der 32-jährige Bankangestellte, ein besonderes Event mit auf die Beine zu stellen und viele bekannte Gesichter auch persönlich begrüßen zu können.

Die Politiker halten sich mit parteipolitischen Statements zurück.

Anders als die vielen angekündigten Politiker-Grußworte es vermuten lassen könnten, ist die Stimmung im Alten Magazin ganz ungezwungen. Verschiedene Parteigliederungen der Grünen sind Mitveranstalter, deren Redner betonen die sexuelle und kulturelle Vielfalt in Israel und ihren Kampf gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft. Mit parteipolitischen Äußerungen halten sie sich an diesem Abend zurück. »Genug geredet, die Party kann jetzt losgehen«, schließt die stellvertretende Bürgermeisterin Regine Kramarek ihren kurzen Redebeitrag.

Das Besondere eines ESC aus Israel hebt Mitveranstalter Kay Schweigmann-Greve von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover hervor. »Das Lebensgefühl in Tel Aviv ist einzigartig – nicht nur, weil die Stadt die Schwulen-Metropole in einer von Homophobie geprägten Region ist«, sagt Schweigmann-Greve. Nein, überhaupt herrsche in Tel Aviv eine besondere Partykultur. Eine Stimmung, die er mit seinen Mitstreitern heute Abend nach Hannover bringen will.

goldstar-Bier Auch kulinarisch gibt es dafür beste Voraussetzungen: Neben gegrillten Merguez, frischen Salaten und Hummus haben die Organisatoren israe­lisches Goldstar-Bier im Angebot. »Auf BDS ist eine friedliche, lebensfrohe Feier doch die beste Antwort«, sagt Schweigmann-Greve. Das »Tagesschau«-Interview mit einem Hamas-Funktionär und Jürgen Trittins ärgerliche Äußerungen zur BDS-Resolution des Bundestages will Schweigmann-Greve für heute Abend ausblenden. Dass die Deutsch-Israelische-Gesellschaft Partys mitveranstaltet, sei etwas Besonderes.

Viele kommen an diesem Abend aus politischer Solidarität mit Israel.

Vielen Gästen scheinen die musikalischen Darbietungen gar nicht so wichtig zu sein. Manche kommen schlicht aus politischer Solidarität mit Israel und um ein Zeichen zu setzen gegen Antisemitismus. Andere wiederum sind wegen des orientalisch-mediterranen Essens und der positiven Stimmung hier. Immer wieder lassen sich Gesprächsfetzen aufschnappen, sie kreisen um die besten Billigflüge nach Tel Aviv oder um die jüngsten Reiseerlebnisse im Negev oder auf dem Golan. Hebräische Schriftzüge zieren zahlreiche Jutebeutel. »I love Tel Aviv« – oder Israel-Defense-Forces-T-Shirts sind keine Seltenheit.

Vielfalt Ida ist zehn Jahre alt und wurde von ihrer älteren Schwester zur Party mitgenommen. Die Fünftklässlerin lehnt an einer Säule im Theatersaal, als Kobi Marimis Beitrag läuft. Sie selbst war noch nie in Israel, aber ihre Eltern haben ihr schon einiges von dem Land und dessen Geschichte erzählt. »Israel ist das Land der Vielfalt«, sagt sie. »Dorthin sind ganz viele Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen eingewandert.« Das mag Ida – und sie ist hier, obwohl sie den Punkrock für sich entdeckt hat und mit Marimis Ballade musikalisch eigentlich gar nicht so viel anfangen kann.

Doch am Ende von »Home« stimmt auch Ida in den Applaus ein – den lautesten für heute Abend, der sich vermischt mit »Am Israel Chai«-Sprechchören. Dass Marimi am Ende nur auf Platz 23 landet, scheint in Hannover niemanden zu stören. Wichtiger war den Veranstaltern, ein deutliches Zeichen zu setzen: für Israel, Diversität und für Lebensfreude. Die nächsten Flüge nach Tel Aviv sind deshalb bestimmt schon gebucht.

Tel Aviv

Wie Andrea Kiewel sich endlich traute

Andrea Kiewel überrascht sich selbst und überwindet ihre Scheu vor dem Widerspruch – wegen Halloween

von Andrea Kiewel  04.11.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 4. November bis zum 12. November

 04.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Sachsen-Anhalt

Lotto fördert Dachsanierung der Synagoge in Gröbzig

Die jüdische Gemeinde in Gröbzig entstand im 17. Jahrhundert nur wenige Kilometer entfernt von der anhaltischen Residenzstadt Köthen. Die 1796 errichtete klassizistische Synagoge wird seit 1934 als Museum genutzt

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Verantwortung

Abschied und Neuanfang

David Beck übernimmt als Nachfolger von Andreas Franck das Amt des Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz

von Luis Gruhler  02.11.2026

Feier

»Ein Zuhause«

Es war ein bewegender Moment: Nach langer Planung öffnete die bundesweit wirkende Jüdische Akademie in Frankfurt ihre Türen. Mit Prominenz, rabbinischem Segen - und eindringlichen Worten gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  02.11.2026

Eröffnungsrede

»Raum geben für Differenzierung«

Zentralratspräsident Josef Schuster skizzierte in seiner Rede zur Eröffnung der Jüdischen Akademie, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielen soll. Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut

von Josef Schuster  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026