Düsseldorf

Gymnasiale Fortbildung

Wieviel wiegt Luft? Ministerin Sylvia Löhrmann beim gemeinsamen Experiment Foto: Alexandra Umbach

Wie schwer ist Luft? 25 Kinder versuchen, Luft zu wiegen. Sachkunde-Unterricht in der 1b der Yitzhak-Rabin-Grundschule. Zwischen Luftballons, Gewichten und Arbeitsblättern ein ungewohnter Gast für die Erstklässler: Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Grüne) besucht an diesem Vormittag die Klasse und informiert sich über Arbeit und Ausgestaltung einer jüdischen Grundschule.

»Die jüdische Gemeinde hatte mir im Sommer letzten Jahres zu meinem Amtsantritt gratuliert, und da mir an einem guten Miteinander gelegen ist, habe ich gerne einem Treffen zugestimmt«, sagt Löhrmann. Zunächst standen der Besuch des Gemeindezentrums und eine Synagogenführung auf dem Programm, dann die Yitzhak-Rabin-Schule – 1993 gegründet und neben der Kölner Lauder-Morijah-Schule die einzige jüdische Grundschule in NRW.

Vielfalt Beim Gang durch das Gebäude erläutert Rektorin Natascha Dörner das Konzept für die derzeit 150 Kinder, die hier nach den Lehrplänen des Landes NRW unterrichtet werden und zudem die jüdische Religion und Identität vermittelt bekommen. Zwischenstation in einem Klassenraum, der für Hebräischunterricht genutzt wird.

Die Schulministerin schaut sich interessiert die bunte Ausgestaltung mit Buchstaben und Symbolen an. »Hier sieht man, wie der Glaube der Kinder sich widerspiegelt. Ich finde das eine schöne Umgebung, die das besondere Profil dieser Schule deutlich macht.« Sylvia Löhrmann, vor ihrer Zeit in der Landespolitik selbst Lehrerin, lobt die vielfältigen Lernmöglichkeiten vom PC bis hin zu Spielen und Materialien.

In der Anne-Frank-Bibliothek, einem großen Raum mit vielen Fenstern, sitzen die Viertklässler im Kreis. Mit ihrem Religionslehrer Jehonathan Grünfeld, der seit vergangenem Jahr auch stellvertretender Schulleiter ist, haben sie eine Schabbatfeier vorbereitet. Mit roten Wangen begleitet der neunjährige Michael Marinin auswendig die Lieder am Elektroklavier.

Die Kinder singen eifrig mit und beantworten dann die Fragen ihres Lehrers nach Leben und Zielen Yitzhak Rabins, des Namensgebers der Schule. »Ist es schwer, Schulministerin zu sein?«, fragt ein Mädchen noch, dann gibt es einen Blumenstrauß für die Politikerin, und die Kinder ziehen von dannen, um ihre Schabbatfeier fortzusetzen.

Möglichkeiten Im anschließenden Gespräch mit Vertretern der Gemeinde und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Nordrhein ist es ein wichtiges Thema, ob es möglich sei, einen jüdischen Zweig an einem bestehenden Düsseldorfer Gymnasium einzurichten.

»So könnten wir die jüdische Erziehung auf einem hohen Niveau weiterführen und hätten dennoch nicht die Wahnsinnskosten, die ein eigenes Gymnasium mit sich brächte«, erläutert Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Die Ministerin sagt, sie wolle die Idee, die neu wäre für Deutschland, prüfen lassen.

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Berlin

Zentralrat der Juden: Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse

Zentralratspräsident Josef Schuster sieht in den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran die Chance, das Mullah-Regime endlich zu beenden

von Jürgen Prause  02.03.2026

WIZO

Venedig am Neckar

Purim, Frauentag und gutes tun: der erste Maskenball in Stuttgart

von Brigitte Jähningen, Helmut Kuhn  02.03.2026

Zwiespalt

Purim-Fest in Deutschland unter dem Eindruck des Iran-Krieges

Feiern oder nicht? Purim ist ein fröhliches und ausgelassenes Fest. Gemeinden in Deutschland gehen mit Blick auf Nahost damit unterschiedlich um - zuweilen werden auch Feiern abgesagt

von Leticia Witte  02.03.2026

Verhandlung

Berufungsprozess nach antisemitischem Angriff

In Berlin beginnt am Donnerstag die Berufungsverhandlung nach dem antisemitischen Angriff auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira

 02.03.2026

Köln

Jüdischer Karnevalsverein nimmt gestrandete Israelis auf

Nach dem Ausbruch des Iran-Krieges wussten sie nicht mehr, wie sie zurück nach Israel kommen sollten - Flüge wurden gestrichen. Nun beherbergen Kölner Karnevalisten fünf Israelis. Erst einmal auf unabsehbare Zeit

 02.03.2026

Jugendkongress 2026

Sollten Juden heute für Deutschland kämpfen?

Lange galt die Frage nach einer Wehrpflicht als abgehakt. Doch seit der Reform des Wehrdienstgesetzes wird sie auch unter jungen Jüdinnen und Juden wieder kontrovers diskutiert – so auch an diesem Wochenende beim Jugendkongress

von Mascha Malburg  02.03.2026

Jugendkongress 2026

»Wir wurden hier aufgefangen«

Ronja Nayeri war als Sprecherin des iranischen Jugendverbandes »Ayande« auf dem Jüdischen Jugendkongress, als Israel den Iran angriff. Ein Gespräch über ein Wochenende zwischen Sorgen, Freude und Solidarität

von Mascha Malburg  02.03.2026

Porträt der Woche

»Es ist schön, jüdisch zu sein«

Julia Markhovski wuchs zweisprachig auf und fand ihre Identität

von Eugen El  01.03.2026