Jewrovision

Große Bühne mit 17

Foto: Gregor Zielke

Benjamin, du bist der jüngste Moderator in der Geschichte der Jewrovision. Hast du Lampenfieber?
Nervös bin ich noch nicht, aber aufgeregt. Ich freue mich sehr.

Wie kommt es, dass du für diese Aufgabe ausgesucht wurdest?
Hamburg hat ja letztes Jahr gewonnen und müsste deshalb eigentlich die Jewrovision ausrichten, aber das hat aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Sozusagen als Ehrung sollte das Jugendzentrum Chasak den Eröffnungsact und die Moderation übernehmen. Ein paar Sängerinnen werden den Act gestalten, und mir wurde die Ehre überlassen, die Moderation zu übernehmen.

Bist du vorher schon in Erscheinung getreten?
Ich bin ein Machane-Kind. Seit ich sieben Jahre alt bin, bin ich auf Machane gefahren und habe bei den Machanot die Abschlussabende moderiert. Bei den letzten beiden Jewrovisions war ich Gastmoderator und durfte kurze Ansagen übernehmen. Letztes Jahr habe ich beispielsweise den Videopreis angekündigt. Zusätzlich habe ich meine Madrichim-Ausbildung absolviert. Ich fühle mich gut vorbereitet. Wirklich Angst, vor Menschen zu sprechen, habe ich nicht, aber es ist eine größere Nummer.

Übst du vor dem Spiegel?
Die ganze Zeit. Ich komme nach Hause, stelle mich ein paar Minuten vor den Spiegel, beobachte mich, wie ich rede und dabei aussehe, was für Bewegungen ich mache. Ich analysiere es für mich selbst, um mir ein Gefühl zu geben, wie ich auftreten kann. Im Grunde denke ich aber, dass ich, wenn ich so auftrete, wie ich bin, und mich nicht verstelle, Spaß dabei haben werde. Dann wird es nicht schiefgehen.

Hast du die Anmoderationen schon geschrieben?
Die Texte wurden in kleinen Teams überlegt. Ich habe sie für mich in meine Sprache umgeschrieben. Es wird ein paar Überraschungen geben!

Was wirst du anziehen?
Ich habe tatsächlich schon ein Outfit, worüber ich noch nichts verraten möchte. Nur so viel will ich sagen: Es wird mir vom Zentralrat zur Verfügung gestellt, und es wird ein schönes, überraschendes Outfit.

Wie sieht es bei dir mit Erfahrungen beim Moderieren aus?
Außerhalb der Jüdischen Gemeinde nur in der vierten Klasse, als Moderator im Zirkus. Sonst bin ich nicht aktiv, was das Reden vor vielen Menschen angeht. Man muss sehr spontan sein. Ich sehe es so, als wäre ich ein Madrich – ich stehe vor meinen Kindern im Jugendzentrum und erzähle ihnen etwas. Die stellen auch Fragen, und ich habe nur sieben Sekunden Zeit, diese zu beantworten, sonst sind sie gelangweilt. Ich denke, das wird auf der Bühne ähnlich sein.

Bist du im Jugendzentrum Hamburg groß geworden?
Bis 2012 bin ich ins Jugendzentrum Olam in Berlin gegangen, dann bin ich mit meiner Familie nach Hamburg gezogen. Seit dreieinhalb Jahren bin ich dort im Jugendzentrum aktiv. Eine eigene Gruppe habe ich seit dem vergangenen Jahr.

Hast du bei der Jewrovision auch schon als Teilnehmer auf der Bühne gestanden?
Vorletztes Jahr, aber das war Zufall. Ich wollte eigentlich nur meine Anmeldung abgeben und habe bei den Proben zugeschaut, und dann war ein Junge nicht da, und so sprang ich als Tänzer ein. Das Gleiche passierte mir mit dem Video. Ich sollte etwas übernehmen – und habe schließlich das ganze Video gemacht.

Was hast du nach dem Abitur vor?
So schnell wie möglich studieren. Mein Traumstudium ist Marketing oder PR. Ich bemühe mich, mit dem Abidurchschnitt an meine Ziele heranzukommen. Darüber hinaus schaue ich mal, was das Leben parat hat.

Bist du am Samstag neutral?

Das ist eine böse Frage. Es ist meine Aufgabe, neutral zu sein, und das werde ich auch sein! Ich wünsche allen viel Glück– und natürlich, dass sie viel Spaß haben werden.

Das Gespräch führte Christine Schmitt.

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