Jugendzentren

Gemeinsam stark

Shterna Wolff leitet das Juze Chai in Hannover. Foto: Gregor Zielke

Jugendzentren

Gemeinsam stark

Der Gastgeber Hannover ist hoch motiviert – auch Kinder aus kleineren Gemeinden reisen zur Jewrovision

von Christine Schmitt  28.03.2024 11:26 Uhr

Endlich. Am Freitag ist es so weit, da werden sich die vier Jugendlichen der Jüdischen Gemeinde Halle/Saale am Bahnhof treffen, um zur Jewrovision nach Hannover zu fahren. »Ich freue mich schon sehr«, sagt der 16-jährige Michael. Auf die Show, die Zeit, die er mit seinen Freunden verbringen kann, und natürlich auf neue Bekanntschaften. Begleitet werden sie von Madrichim. Für den Schüler ist das Jewro-Wochenende das größte Machane überhaupt. »Im vergangenen Jahr fuhren wir zu siebt zur Jewro nach Frankfurt, jetzt sind wir leider weniger.«

Die kleinste Truppe bildete ein Jugendlicher aus Duisburg, der als Einziger – in Begleitung einer Madricha – zur Jewro reiste. Auch wenn kleinere Gemeinden keinen Act im Rampenlicht stemmen – die Kids fahren dann eben mit großer Begeisterung zur Mini-Machane.

32 Kinder und Jugendliche werden gemeinsam tanzen und singen.

»Es ist eine gute Initiative, die Jewrovision in Hannover stattfinden zu lassen, auch wenn wir bei der vergangenen Show nicht gewonnen haben«, sagt Shterna Wolff, Leiterin des örtlichen Jugendzentrums Chai. Es sei an der Zeit gewesen, dass die Show und das Machane auch mal in anderen Städten stattfinden. Das hätte den Kids in Hannover einen Motivationsschub gegeben. Mit dem Jugendzentrum (Juze) Atid Schelanu, das zum Jüdisch-Bucharisch-Sefardischen Zentrum Deutschland in Hannover gehört, haben sie sich nun zusammengetan. 32 Kinder und Jugendliche werden gemeinsam tanzen und singen.

Kleinere Gemeinden hätten es viel schwerer, viele Kinder und Jugendliche so zu begeistern, dass sie auf der Bühne mittanzen und singen wollen, so Shterna Wolff. Denn sie verfügen nicht auch nicht über ein so hohes Budget wie größere Städte. Außerdem sei Corona für die Jugendzentren ein Einschnitt gewesen, weil viele Kinder in der Zeit nicht teilnehmen konnten. Andererseits kommen nach dem 7. Oktober 2023 wieder mehr, denn in den Juzes können die Kinder zusammen ihre jüdische Identität erleben, so Wolff.

Eine Lösung sei der Zusammenschluss von Jugendzentren verschiedener Gemeinden – wie es beispielsweise in diesem Jahr bei den Juzes in Aachen und Köln der Fall ist. Unter dem Namen Juedische Jugend Baden (JuJuBa) engagieren sich die Jugendlichen aus Mannheim, Freiburg, Karlsruhe und Heidelberg. Jugendliche aus Münster, Bochum, Recklinghausen und Wuppertal treten für WeZair Westfalia auf.

»Ich würde es total cool finden, wenn sich Halle, Dessau und Magdeburg zusammenschließen würden«, sagt Michael.

Es sei für kleinere Juzes nicht immer möglich, genügend Jugendliche zu finden, die mitmachen mögen, und dann die Proben auch noch gut zu betreuen, heißt es beim JuZe in Trier. Einige Male hatten sich die Jugendzentren von Saarbrücken und Trier zusammengetan, aber in diesem Jahr klappte es nicht. Insgesamt sind sie viermal aufgetreten, zuletzt auch in Frankfurt. Die Entscheidung, diesmal nicht auf der Bühne zu stehen, sei nicht leicht gewesen. Doch sie haben bereits einen Bus reserviert und werden nach Hannover fahren. Zwölf Jugendliche – darunter auch einige ukrainische Geflüchtete – werden in Trier einsteigen, 14 in Saarbrücken.

»Ich würde es total cool finden, wenn sich Halle, Dessau und Magdeburg zusammenschließen würden«, sagt Michael. Obwohl er erst einmal bei der Machane war, hat er bereits eine Facharbeit für die Schule über die Jewrovision geschrieben, zu dem Schwerpunkt, wie sie das jüdische Leben bereichert.

Mit dem Datum, dass die Jewro in den Ferien liegt, kann er bestens leben. »Dann muss ich mich nicht von der Schule freistellen lassen.« Und Shterna Wolff würde es begrüßen, wenn nächstes Jahr wieder eine kleinere Stadt Austragungsort wäre.

Seder

Es ist unsere Freiheit

Zu Pessach setzen wir unser Vertrauen in die Kraft des Guten

von Charlotte Knobloch  31.03.2026

Pessach

Der leere Stuhl

Für viele bedeutet der Seder, auf geliebte Menschen zu verzichten. Hier erzählen vier Frauen und Männer, wer an Pessach fehlt – und was ihnen Hoffnung gibt

von Nicole Dreyfus  31.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

»Koscher-Licious«

Mazze, Challe, Wodka

Viele Besucher und noch mehr gute Laune gab es beim Streetfoodfestival auf dem Pears-Campus von Chabad in Berlin. Bereits zum fünften Mal probierten sich Gäste durch das Angebot

von Alicia Rust  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Porträt der Woche

Für alt und jung

Judit Marach hat in einem Seniorenheim gearbeitet – heute ist sie Schulsekretärin

von Gerhard Haase-Hindenberg  29.03.2026

Frankfurt

Wieder zusammen

Fast neun Jahrzehnte nach dem Novemberpogrom 1938 wird der Silberschmuck einer Torarolle erstmals als Einheit präsentiert

von Eugen El  29.03.2026

Ilja Richter

Zu Hause zwischen den Stühlen

Der Schauspieler stellte sein neues Buch vor und verzauberte das Publikum mit Gesang, Rezitationen – und sogar als Bauchredner

von Nora Niemann  29.03.2026

Oldenburg

»Es ist gesund, wenn nicht alles von nur einem Rabbiner abhängt«

Seit einem Jahr amtieren Netanel Olhoeft und Levi Israel Ufferfilge in der Gemeinde. Nun wurden sie auch offiziell eingeführt. Wie funktioniert die rabbinische »Doppelspitze«?

von Mascha Malburg  28.03.2026