Berlin-Wilmersdorf

Gemeinderabbiner bespuckt und beleidigt

Foto: dpa

Am vergangenen Wochenende wurde nach Angaben der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ein Gemeinderabbiner von zwei Männern auf Arabisch beschimpft und bespuckt. Der Angriff habe in der Nähe einer Synagoge im Bezirk Wilmersdorf stattgefunden.

Bei dem antisemitisch Beleidigten handelt es sich um Rabbiner Yehuda Teichtal, der zuvor den Gottesdienst in der Nähe geleitet und sich während des Angriffs in Begleitung eines seiner Kinder befunden habe.

HASS Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, erklärt dazu: »In den vergangenen Jahren hat man viel von Hass-Predigern gehört, die den Hass zwischen andersgläubigen Menschen anstacheln. Unser Rabbiner Teichtal ist das komplette Gegenteil. In der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat er sich den Ruf eines ›Liebe-Predigers‹ erworben. Vorbildlich setzt er sich für ein durch ›Liebe zur Würde des Menschen‹ getragenes Miteinander zwischen allen Religionen und Kulturen ein.«

Die zwei Angreifer sprachen Arabisch. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Tatsache, dass nun sogar er in Begleitung eines seiner Kinder angegriffen worden sei, wirke in diesem Zusammenhang wie »eine bösartige Ironie des Schicksals«, sagte Joffe.

Dieser Vorfall beweise, wie wichtig es sei, den Kampf gegen Antisemitismus durch weitere praktische Maßnahmen zu verstärken. Vor allem müssten jetzt auch »Polizeibeamte, die ihren Dienst in Zivil versehen sollten, sicherstellen, dass unsere Beterinnen und Beter ihren Weg zur Synagoge und zurück im Umfeld unserer Gotteshäuser ungestört antreten können.«

VERSTECKEN? Konstanze Dassler von der Pressestelle der Berliner Polizei bestätigte den Vorfall. Dieser habe sich Ende Juli im Bezirk Wilmersdorf zugetragen und sei drei Tage später angezeigt worden. Inzwischen habe der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen und sich mit dem Geschädigten in Verbindung gesetzt.

Yehuda Teichtal sagte dazu: »Wir müssen leider feststellen, dass die Aggressionen gegen Juden sowohl auf den Schulhöfen als auch auf den Straßen Berlins ein Eigenleben entwickelt haben. Ich bleibe aber weiterhin überzeugt: Die meisten Menschen in Berlin wollen diese Aggression gegen Juden als traurigen Bestandteil des jüdischen Alltags nicht hinnehmen.«

Er sei davon überzeugt: »Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen, dass jüdische Menschen ihr Judentum offen leben können, ohne Angst zu haben, beschimpft, bespuckt oder gar geschlagen zu werden. Natürlich werden wir uns jetzt nicht verstecken, sondern bauen weiter auf Liebe, Toleranz, Dialog und Bildung.«

BÜRGERMEISTER Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, verurteilte den antisemitischen Übergriff auf das Schärfste. »Die Ermittlungsbehörden werden ihr Möglichstes tun, um die Täter dingfest zu machen und vor Gericht zu bringen«, sagte der SPD-Politiker.

Der Senat und die Berliner teilten ausdrücklich die von Rabbiner Teichtal geäußerte Überzeugung, dass die meisten Menschen in Berlin solche Aggressionen gegen Juden nicht hinnehmen wollten. »Berlin als ›Stadt der Freiheit‹ ist auch und nicht zuletzt eine Stadt der Religionsfreiheit, in der alle Bürger gleich welchen Glaubens ihre Religion frei und unbehelligt ausüben können. Das zu gewährleisten, ist eine zentrale staatliche Verantwortung. Auf den Straßen und auch auf den Schulhöfen unserer Stadt hat Antisemitismus keinen Platz.«  ksh

7. Oktober

»Wir erinnern nicht schweigend«

Melody Sucharewitz über ihren Kampf gegen das Vergessen des 7. Oktober bei der Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz in Berlin. Ihre Rede im Wortlaut

von Melody Sucharewicz  08.10.2026

9. Oktober 2019

Gedenken zum Jahrestag des Anschlags von Halle

Der antisemitische Anschlag von Halle jährt sich am Freitag zum siebenten Mal. Die jüdische Gemeinde, Kirchen, Stadt und zivilgesellschaftliche Gruppen planen Gedenkveranstaltungen auch an den Anschlagsorten

 08.10.2026

Frankfurt

Erst Rivalinnen, dann Freundinnen

Israelische Nachwuchsfußballerinnen aus sieben Jugenddörfern spielen gegen Makkabi

von Katja Sturm  08.10.2026

Münster

Rote Linien für die Roten

Bei einer Veranstaltung mit der Schoa-Überlebenden Eva Szepesi und Zentralratspräsident Josef Schuster verspricht Gregor Gysi, innerhalb der Linken klare Grenzen gegen Antisemitismus zu ziehen

von Stefan Laurin  08.10.2026

Tagung

Krisen der Gegenwart

Auf dem »Media TLV Summit« diskutierten Experten Fragen von Technologie und Krieg, Extremismus und Antisemitismus sowie die Rolle der Medien

von Luis Gruhler  07.10.2026

Programm

Musikalische Crossovers, Kontroverse, Krimi und Krav Maga: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 8. Oktober bis zum 14. Oktober

 07.10.2026

Solidarität

Das Leben wieder in den Griff bekommen

Angehörige der bei einem Raketenangriff in Majdal Shams getöteten Kinder besuchten die Kultusgemeinde München und Oberbayern

von Luis Gruhler  06.10.2026

Diskussion

»Wir wurden gehört«

Schüler und Studenten des Projekts »Meet a Jew« treffen CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei. Im Mittelpunkt stehen der 7. Oktober, persönliche Sorgen und Erfahrungen

von Christine Schmitt  06.10.2026

Porträt der Woche

»Ich bin einfach ich«

Persia Kantorovych hat eine jüdische Mutter und einen muslimischen Vater

von Annette Kanis  06.10.2026