Jüdisches Museum

Gala für den Gründungsdirektor

Welch ein Glück, zum 90. Geburtstag ein Ständchen von Alma Sadé gesungen zu bekommen. Das dürften sich nicht nur der Jubilar, sondern auch die Gäste im ausverkauften Glashof des Jüdischen Museums Berlin (JMB) gedacht haben. Dabei war die Sopranistin der Komischen Oper nicht die einzige Attraktion des Festaktes für den Gründungsdirektor des Museums.

konzert Musikalisch gerahmt wurde der kurzweilige Abend, der den Charakter eines Wunschkonzertes hatte, vom zehnköpfigen Stegreif-Orchester der Hanns-Eisler-Hochschule.

Gespielt wurde nicht etwa ein Potpourri von ollen Geburtstagskamellen, sondern zunächst einmal Musik, die Blumenthal eigentlich gar nicht leiden kann: jiddische Lieder. Das zumindest verriet er in einem der auf Videoleinwand eingespielten Interviews.

Aber wer könnte schon Alma Sadé widerstehen, wenn sie jiddische Operetten-Schtetlhauer wie »Farges mikh nit« singt? Auch kein 90-Jähriger! Und dann wurde auch noch Richard Wagner gespielt. Den konnte Blumenthal ebenfalls nicht ausstehen, zumindest nicht in jungen Jahren. Das änderte sich erst später in seinem Leben, verriet Christoph Stölzl, langjähriger Freund und Weggefährte Blumenthals, der als Zeremonienmeister des Abends agierte.

Leben Stölzl sorgte vor allem dafür, dass nicht nur die hinlänglich bekannten biografischen Details wiederholt wurden, sondern auch Unbekanntes aus dem Leben des Jubilars ans Tageslicht kam: Blumenthals Geburt in Oranienburg bei Berlin, sein Umzug in die Hauptstadt als Kind, die Flucht aus Deutschland ins sichere Shanghai und schließlich seine Einbürgerung in die USA, wo Blumenthal eine erfolgreiche Existenz zwischen Wirtschaft und Politik aufbaute.

So wurde er später Finanzminister unter Jimmy Carter und 1997 Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin – das alles war den Zuhörern ja schon bekannt. Dass Blumenthal aber als Beleuchter in einem Striptease-Lokal gearbeitet hat – das wussten bislang nur Eingeweihte.

Und welche Musik könnte zu dieser Pikanterie besser passen als jene, die Blumenthal bis heute am meisten schätzt: Songs von Frank Sinatra wie »My Way« und »New York, New York« oder die Hits von George Gershwin. Dessen Broadway-Klassiker »Fascinating Rhythm« wurde auch von Nat King Cole und den Mills Brothers gesungen, die in den Klubs auftraten, in denen Blumenthal sich als junger Emigrant emporarbeitete.

akademie Zu den Überraschungsgästen des Abends zählten Weggefährten von Blumenthal wie Finanzminister Wolfgang Schäuble, der ehemalige JMB-Programmdirektor Ken Gorbey sowie Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie überreichte dem Jubilar eine Churchill-Zigarre (einer Lewinsky-Zigarre zum Verwechseln ähnlich) mit den Worten: »Bescheidenheit ist nicht deine Zier« – was die Ministerin in Bezug auf Blumenthals Durchsetzungsfähigkeit bei der Umsetzung des Jüdischen Museums als herausragende Eigenschaft verstanden haben wollte.

Auch sonst wurde viel gelobt: Dieser große Mann spiele im Verständnis der »unsichtbaren Mauer« (so der Titel seines Buches) zwischen Deutschen und Juden eine zentrale Rolle. Das gilt auch für die Akademie des JMB, die noch am gleichen Abend in »W. Michael Blumenthal Akademie« umbenannt wurde.

Eine Ehre, die das Geburtstagskind – jovial ans Modell »seiner« Akademie gelehnt – mit einer seiner unnachahmlichen Stegreifreden kommentierte. Er sei »sprachlos, dass er 90 geworden« sei. Die Gäste waren’s ebenfalls. Also dann: Bis 120!

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Berlin

Trauer um Rabbiner Avraham Golovacheov

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben. Vor 18 Jahren war er als Chabad-Gesandter in die deutsche Hauptstadt gekommen

 07.04.2026

Porträt der Woche

Ich bin dankbar

Svitlana Petrovska überlebte die Nazis – und floh vor Putins Krieg nach Berlin

von Rob Savelberg  06.04.2026

Kahal Adass Jisroel

Platz für die Zukunft

Die Gemeinde in Berlin plant für 26 Millionen Euro ein neues Gemeinde- und Bildungszentrum

von Christine Schmitt  06.04.2026

Schwerin

Ein Denkmal für Willy

Der ehemalige Rabbiner William Wolff wird mit einer Statue geehrt

von Axel Seitz  06.04.2026

»Meet a Jew«

Viele Fragen

Marguerite und Benjamin sind zwei Freiwillige, die im Rahmen des Zentralratsprojektes mit Jugendlichen über das Judentum ins Gespräch kommen. So wie kürzlich in Spandau mit einer Box Mazzot

von Alicia Rust  06.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  06.04.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  06.04.2026

Neukölln

Rechts und links der Sonnenallee

Ein Stadtspaziergang führt auf jüdischen Spuren durch den ehemaligen Arbeiterbezirk

von Pascal Beck  05.04.2026