Frankfurt

Funken für den Mut

Gemeinsames Erinnern Foto: Rafael Herlich

»Liebe Mutter, ich weiß nicht, was ich Dir sagen soll: Nur so viel: Tausend Dank und mehr, und vergib mir, wenn Du kannst ...« Mit diesen eindringlichen Worten beginnt die letzte Aufzeichnung von Hannah Senesh an ihre Mutter Katherine. Der kleine, vergilbte Zettel mit den ungarischen Zeilen wurde in Hannahs Kleid gefunden. Sie hatte ihn versteckt. Am 7. November 1944 wurde die 23-Jährige wegen Spionage und Hochverrats hingerichtet.

Über das kurze Leben von Hannah Senesh hat die Regisseurin Roberta Grossmann (Reckonings) im Jahr 2009 den Dokumentarfilm Blessed is the Match gedreht. Anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar wurde die Doku von der Frankfurter Women’s International Zionist Organisation (WIZO) am Dienstagabend in der Aula des Philanthropin gezeigt.

Präsenz Zu der Auftaktveranstaltung der Reihe »WIZO gets in Touch« waren neben 200 regulären Gästen auch die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Nargess Eskandari-Grünberg (Bündnis 90/ Die Grünen), und Uwe Becker (CDU), Beauftragter des Landes Hessen für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, gekommen. Nicole Faktor, Präsidentin der WIZO Deutschland, begrüßte außerdem Marc Grünbaum und Benjamin Graumann von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main und die WIZO-Ehrenpräsidentin Rachel Singer.

Faktor könne nicht umhin, betonte sie in ihrer einführenden Rede, »Parallelen von Hannahs Leben zu Persönlichkeit zur Jetztzeit zu finden«. Hanna Senesh erinnere »an die mutigen Frauen im Iran, die für ihre Freiheit kämpfen, denn auch sie war bereit, ihr Leben zu opfern«. Sie stehe auch für die »zahlreichen Jugendlichen in unseren WIZO-Jugenddörfern, die aus Russland und der Ukraine kommend, in Israel eine neue Heimat gefunden haben.« Denn auch Hannah Senesh kam einst in ein Jugenddorf der WIZO – in das 1923 gegründete Nahalal – und absolvierte eine Ausbildung in der dazugehörigen Landwirtschaftsschule.

Hannah Senesh erinnere »an die mutigen Frauen im Iran, die für ihre Freiheit kämpfen, denn auch sie war bereit, ihr Leben zu opfern«.

Gedicht Aufzeichnungen über diese Zeit und viele andere private Notizen, darunter auch Stücke zu dem bekannten Gedicht »Blessed is the Match«, sind in der israelischen Nationalbibliothek online einzusehen. Nargess Eskandari-Grünberg las in ihrer Rede das Gedicht der jungen Frau, deren Geschichte in Israel ein »jedes Kind« kenne, außerhalb des Landes aber selten jemand, vor. Senesh sei »eine starke Frau. Ein Vorbild. Eine Jahrhundertgestalt.«

Es brauche Filme wie Blessed is the Match, »die uns konfrontieren, mit dem was war, damit das ›Nie wieder‹ vom Verstand ins Herz wandert. Damit aus Staatsräson tiefste Überzeugung wird«, betonte Eskandari-Grünberg.

Neve Yaakov Wie plötzlich Trauer und Leid in ein Leben treten und wie die WIZO den Hinterbliebenen und Freunden praktisch helfen möchte, erläuterte WIZO-Deutschland-Präsidentin Nicole Faktor: »Vor zwei Wochen habe ich unsere Kindertagesstätte in Neve Yaakov besucht. Damals wusste man nicht, dass zwei der 115 Kinder, ein Zwillingspärchen, um ihren 14-jährigen Bruder Asher Natan, trauern werden.« Asher war am vergangenen Wochenende in Jerusalem ermordert worden. Der kurzfristig ins Leben gerufene »Neve Yaakov Fund« soll nun den Familien der Opfer, sowie den Kindern und Beschäftigten der Kindertagesstätte helfen.

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