Interview

Fünf Minuten mit Yaniv Kutschinski

Herr Kutschinski, Sie haben sich für ein Studium der jüdischen Sozialarbeit entschieden. Warum?
Als ich gehört habe, dass es ein Studium mit diesem Schwerpunkt gibt, habe ich mich sofort beworben. Ich möchte später gerne Menschen zusammenbringen. Am liebsten würde ich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Bis dahin möchte ich alle Bereiche in der Sozialarbeit kennenlernen. Ich weiß, dass ich mich gerade durchkämpfen muss und vielleicht abends nicht mehr so viel mit Freunden unterwegs sein kann. Aber wenn ich etwas erreichen will, dann muss ich das tun und ich habe ja ein Ziel. Ich möchte auf jeden Fall das Studium erfolgreich beenden.

Warum engagieren Sie sich für Sozialarbeit und für Zuwanderer?
Mir ist wichtig, bei den Zuwanderergruppen aus Osteuropa zu helfen, weil ich sehe, dass es eine große Spaltung gibt. Hier möchte ich doch gern eine Brücke schlagen. Viele denken, dass beträfe nur die älteren Menschen, aber ich würde sagen, dass hat auch mit den jüngeren zu tun. Auch da gibt es Risse. Vielleicht kann ich etwas dagegen unternehmen. Ich habe dieses Getrenntsein bei einer Purim-Party erlebt. Da gab es die Gruppe, die Russisch gesprochen hat und die andere, die nicht Russisch sprach. Das finde ich sehr schade. Leider gibt es aufgrund dieser Sprachunterschiede Vorbehalte von den alteingesessenen Familien. Sie haben das Gefühl, dass um sie herum nur Russisch gesprochen würde und fühlen sich deplatziert. Es wäre schön, wenn gerade die Jugendlichen hier leichter zueinanderfinden würden.

Welche Voraussetzungen bringen Sie für das Studium mit, haben Sie schon eine Ausbildung?
Nein, es ist mein erstes Studium. Ich habe noch keine Ausbildung. Da unterscheide ich mich von den anderen Zuwanderern, die ja meistens bereits ein Studium haben. Ich habe die Fachhochschulreife und bin bereits berufstätig, da ich am Jüdischen Museum in München sowie im Jugendzentrum arbeite. Ich bin kulturell und religiös aktiv. Für mich steht fest, dass es für mich eine Berufung ist, im sozialen Bereich zu arbeiten. Es motiviert mich, dass es die Chance gibt – einmalig in Europa, wie ich gehört habe – Sozialarbeit und Judentum zu verbinden. Wir bekommen einen guten akademischen Abschluss, den Bachelor. Und wir sind dann eine Art »Navigationsfachkraft« für die anderen. Leider sind die Berufe im sozialen Bereich überall nicht so gut bezahlt, aber ich hoffe, dass es irgendwie geht.

Sie sind nicht der typische Student und kommen nicht aus einem Land der ehemaligen Sowjetunion?
Ich bin in Tel Aviv geboren, bin aber auch ein Zuwanderer. Heute lebe ich in München und bin dort Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Ich bin mit sechs Jahren nach Deutschland gekommen, das war 1993. Meine Familie stammt eigentlich aus Deutschland, unsere Vorfahren aus Polen. Jetzt bin ich 23 Jahre alt. Die meisten meiner Kommilitonen aus der ehemaligen Sowjetunion werden wohl älter sein als ich.

Mit dem Studienanfänger der Jüdischen Sozialarbeit sprach Blanka Weber.

Architektur

Von Brandenburg nach Haifa

In Finow wird ein historisches Kupfer-Haus restauriert. Einst von Walter Gropius modernisiert, zogen die mobilen, industriell gefertigten Bauten mit ihren Eigentümern bis nach Palästina

von Mark Feldon  27.09.2026

Literatur

Wenn Fiktion zur Geschichtsschreibung wird

Der israelische Bestsellerautor Dror Mishani stellte im Gespräch mit Richard C. Schneider seinen neuen Roman »Nicht« vor

von Nora Niemann  27.09.2026

München

»Ihr Licht ist nicht verloschen«

Die Frauen-Mikwe der Gemeinde trägt seit Kurzem den Namen von Rebbetzin Shoshana Brodman

von Luis Gruhler  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Engagement

Erstklassig, Digga!

Der Fußballverein Hannover 96 ist nun beim Projekt »Shalom, Digga« in Niedersachsen mit dabei

von Katrin Richter  24.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026

Deutschland

»Existenzgefahr für Berlins Juden«

Die Linke macht immer wieder mit Judenhass und Forderungen nach der Auslöschung Israels von sich reden. Der Wahlsieg der Partei veranlasst nun den israelischen Botschafter zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme

 23.09.2026

Hellerau

Tscheburaschka und WBS70

Die Ausstellung »Jüdische Ossis IV – Räume der Freiheit und des Rückzugs« stellt Fragen nach privater und öffentlicher Identität

von Katrin Richter  22.09.2026

Hillel

»Man fühlt sich bei uns willkommen«

Die neue Geschäftsführerin Liora Jaffe über das Zuhören, Visionen und Aha-Momente

von Christine Schmitt  22.09.2026