Keren Hayesod

Fünf Minuten mit …

Joram Oppenheimer ist Gesandter von Keren Hayesod. Foto: Christine Schmitt

Keren Hayesod

Fünf Minuten mit …

Joram Oppenheimer über Spenden für Israel und seine Arbeit für die Wohltätigkeitsorganisation

von Christine Schmitt  14.03.2016 19:09 Uhr

Herr Oppenheimer, seit Ende 2015 sind Sie Gesandter von Keren Hayesod (KH) für Berlin und Norddeutschland. Was ist Ihr erster Eindruck von der Region?
Es gibt hier viele gute Unterstützer und Spender. Woran es allerdings ein wenig mangelt, ist die Beteiligung der jüngeren Generation. Da haben wir noch viel zu tun, um den Kreis der spendenwilligen Leute zu erweitern.

Wie wollen Sie das erreichen?
Wir haben bereits verschiedene Pläne. So versuche ich derzeit etwa, mit jüngeren Leuten in Kontakt zu kommen, die auch in studentischen Kreisen gut vernetzt sind. Außerdem bin ich dabei, die Kontakte, die wir schon jahrelang haben, weiter zu pflegen.

Sie haben drei erwachsene Kinder zwischen 20 und 29 Jahren. Haben Sie den Eindruck, dass jüngere Menschen überhaupt bereit sind, einen finanziellen Beitrag zu leisten?
Bei den Jüngeren wünsche ich mir einfach, dass sie mit dabei sind und sich persönlich engagieren, etwa in der Organisation. Das ist meine Aufgabe, sie davon zu überzeugen. Da rechne ich nicht mit großen finanziellen Spenden. Egal, ob jung oder alt, jüdisch oder nichtjüdisch, die Botschaft ist: die Leute mit Israel zu verbinden.

Ab wann kann man aus Ihrer Sicht auch finanzielles Engagement erwarten?
Von den Studenten erwarte ich nicht allzu viel an Spenden. Aber bei den 30-Jährigen, den Berufstätigen, denke ich, dass sie vielleicht kleine Summen für Israel investieren würden. Seien wir doch mal ehrlich: 30 Euro zu spenden, tut niemandem weh. Aber man kann sagen: »Ich war dabei.« Wer sich heute mit einer kleinen Summe beteiligt, verbindet sich mit Israel. Das ist mein Ziel.

Sie sind in Israel geboren und sprechen sowohl Hebräisch als auch Deutsch als Muttersprache. Wie kommt das?
Beide Eltern kommen aus Deutschland, mein Vater aus dem Saarland, meine Mutter aus Dortmund. Mein Vater ist vor dem 1948er-Krieg in das damalige Palästina gegangen, meine Mutter danach. Ich war Einzelkind, und wir haben immer Deutsch zu Hause gesprochen und Iwrit auf der Straße. Das war für uns normal.

Nach Ihrer Militärzeit sind Sie zum Studieren nach München gegangen. Waren Ihre Eltern damit einverstanden?
Ich denke schon. Für meine Eltern war es die Zeit der Versöhnung mit Deutschland. Es war schön für sie, meine Frau, unsere gerade geborene Tochter und mich in München zu besuchen.

Was kam nach Ihrem Studium?
Ich habe 25 Jahre in einer Sicherheitsbehörde gearbeitet, davon fünf Jahre bei der Israelischen Botschaft in Berlin.

Wie sind Sie zu KH gekommen?
Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, dass in Zürich eine Stelle frei wäre. Das weckte mein Interesse, und ich nahm Kontakt auf. Dann fragten sie mich, ob auch Berlin für mich infrage käme. Das war sogar noch besser. Natürlich kannte ich Keren Hayesod schon immer. Aber mit der inneren Organisation bin ich erst seit Kurzem vertraut. Die Leute zu überzeugen, ihr Vermögen mit Israel zu teilen, dafür braucht man viel Lebenserfahrung und Feingefühl.

1920 wurde die Wohltätigkeitsorganisation gegründet und hatte lange das Monopol inne. Inzwischen gibt es mehrere Organisationen ...
... die alle eine gute Arbeit leisten. Ich stehe ihnen positiv gegenüber. Mit fast allen kann man gut zusammenarbeiten. Aber jeder denkt natürlich in erster Linie an sich. Europa und die deutsche Gesellschaft stehen gerade vor großen Umbrüchen. Da müssen wir Juden und Israelis uns besonders vernünftig verhalten. Wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, etwa mit der Aufnahme von Juden aus der Ukraine, ist Israel immer für die Juden da und empfängt sie mit offenen Armen. Dies finanziell zu ermöglichen, ist eine unserer Hauptaufgaben.

Mit dem Berlin-Gesandten von Keren Hayesod sprach Christine Schmitt.

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