Interview

Fünf Minuten mit...

Peter Urban Foto: NDR/A. Garrels

Herr Urban, womit können die Jugendlichen bei Ihnen als Juror punkten?
Mit musikalischer Qualität, der Gesang ist das Wichtigste. Punkte bringen aber auch die Art und Weise, wie eine Geschichte tänzerisch dargestellt wird. Dabei spielt insbesondere die Gemeinschaftsleistung eine große Rolle. Die einzelnen Shows werden ja nicht von Solisten, sondern von mehreren Jugendlichen performt.

Welche Rolle spielt das Engagement der Teilnehmer?

Das fließt auch mit in die Bewertung ein. Ich traue es mich fast gar nicht zu sagen, weil die Jugendlichen ohnehin schon so engagiert sind: Aber mit Leidenschaft können die Jugendzentren die eine oder andere Schwäche durchaus wettmachen.

Sie nehmen am Samstag zum zweiten Mal an der Jewrovision teil. Was ist für Sie das Besondere an dem Event?

Ganz klar das Herzblut, das die Jugendlichen in die Jewrovision stecken. Die Teilnehmer machen sich das ganze Jahr lang über die Musik, Tanzchoreografie und Garderobe Gedanken. Ich muss sagen, dass ich nicht oft so viele engagierte, kreative und motivierte junge Leute treffe wie bei der Jewrovision.

Waren bei Ihrer letzten Teilnahme Jugendliche dabei, bei denen es auch für eine Musikkarriere reichen könnte?

Ich erinnere mich an einige hervorragende Sänger, bei denen ich aufgehorcht habe. Die Jewrovision kann mitunter ein Anstoß für ein weitergehendes professionelles Engagement in der Musikszene sein – auch wenn bei dem Event letztlich der Spaß und die Gemeinschaftsleistung im Vordergrund stehen.

Sie kommentieren seit über 15 Jahren im Fernsehen den Eurovision Song Contest. Kann sich die Jewrovision mit diesem Wettbewerb vergleichen?
Beide Veranstaltungen sind sehr unterschiedlich. Beim Eurovision Song Contest geht es um Künstler aus über 40 Ländern, die gegeneinander konkurrieren. Die Sänger dort sind Vollprofis und schon seit Langem im Geschäft. Bei der Jewrovision hingegen ist – trotz der musikalischen Qualität – die Leistung eher sekundär und das Gemeinschaftserlebnis am wichtigsten.

Was verbindet Sie selbst mit der Jewrovision?
Für mich ganz persönlich ist die Jewrovision eine Möglichkeit, die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ein bisschen zu unterstützen. Ich finde es großartig, wie modern das Judentum sich mit dem Wettbewerb präsentiert. Davon können sich die christlichen Religionen eine dicke Scheibe abschneiden.

Inwiefern?
Mir scheint, als sei das Judentum in dieser Hinsicht fortschrittlicher als das Christentum. Bei den Kirchentagen etwa habe ich bisher noch nicht so emotionale Auftritte wie bei der Jewrovision erlebt. Dabei ist Musik eine klasse Möglichkeit, religiöse und kulturelle Inhalte mit viel Freude einander näherzubringen.

Hat Sie der Wettbewerb neugierig aufs Judentum gemacht?
Ich bin katholisch erzogen worden, ich kenne das Judentum sozusagen nur aus zweiter Hand. Mit den Grundlagen des Judentums kenne ich mich immerhin ein bisschen aus, mit der Praxis leider nicht so sehr. Die Jewrovision war für mich deshalb auch ein Anlass, mehr übers Judentum zu erfahren. Gerade den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl finde ich sehr sympathisch.

Ist das Event Ihrer Ansicht nach auch für ein nichtjüdisches Publikum interessant?
Absolut. Was viele nicht wissen: Die Jewrovision ist der größte jüdische Musikwettbewerb in Europa. Allein schon wegen der Stimmung in der Halle kann ich nur jedem empfehlen, die Jewrovision zu besuchen. Dieses Jahr werden so viele Jugendliche und Zuschauer mitmachen wie noch nie – das wird Gänsehaut pur.

Mit dem Juror der Jewrovision und langjährigen Kommentator des Eurovision Song Contest sprach Philipp Peyman Engel.

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