Interview

Fünf Minuten mit …

Frau Maitek-Drzevitzky, die Jüdische Gemeinde Mannheim beteiligt sich am Katholikentag? Warum ist es Ihnen wichtig, dabei zu sein?
Warum nicht? Man kann nicht vom interreligiösen Dialog reden und sich dann verschämt zurückziehen und sagen: Wir machen nicht mit. Ich bin auch im Arbeitskreis Christen-Juden beim Katholikentag und im Forum der Religionen aktiv. Das Konzept hat mich überzeugt. Warum sollten wir eine Tradition, die gut und richtig ist, nicht fortsetzen? Man kann nicht Normalität im Umgang der Religionen miteinander verlangen und nichts dafür tun.

Erwarten Sie sich davon auch eine Wirkung nach innen auf die Gemeindemitglieder oder eher nach außen?
Innenwirkung hat der Katholikentag eigentlich nur, indem er als etwas ganz Normales angesehen wird und wir keine Berührungsängste haben. Außenwirkung hat er auf jeden Fall, indem die Normalität weiter voranschreitet.

Wie ist das Verhältnis der Gemeinde zur katholischen Kirche?
Der Stadtdekan ist einer der eifrigsten Tänzer bei unserem Frühlingsball. Privat sind wir persönlich mit dem katholischen Hochschulpfarrer befreundet. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Als Gemeinde haben wir ein sehr offenes Verhältnis. Die Scheu, die es wohl früher gab, hat sich langsam abgebaut. Ich sage immer, wenn sich der katholische Priester, der evangelische Pfarrer, der Rabbiner und der muslimische Imam zusammensetzen, werden sie feststellen, dass sie alle ähnliche Probleme in ihren Gemeinden haben.

Sie bieten Synagogenführungen an und veranstalten den Doronia-Basar, das bedeutet einen hohen Personalaufwand. Wie bereiten Sie sich auf die Tage vor?
Der Doronia-Basar findet immer zu Himmelfahrt statt, der hat nichts direkt mit dem Katholikentag zu tun. Das Einzige, was wir aus diesem Anlass verändern, ist, dass wir auch am Freitag Synagogenführungen von 9.30 bis 13 Uhr anbieten. Dafür steht uns ein Stamm von aktiven, engagierten, fähigen Gemeindemitgliedern zur Verfügung. Außerdem haben wir Erfahrung von der Langen Nacht der Museen. Inhaltlich müssen wir uns ohnehin nicht vorbereiten.

Sie engagieren sich persönlich sehr.
Ohne Herz kann man so etwas nicht machen, sonst ist es ein Lippenbekenntnis. Ich habe schon vor 20 Jahren Vorträge über das Judentum in Vereinen, Gemeinden und Schulen gehalten. Das ist Basisarbeit. Für mich ist die menschliche Begegnung das A und O. Nur sie schafft Normalität und Toleranz.

Werden Sie sich auch etwas ansehen?
Ich befürchte, dass ich keine Zeit habe. Am Donnerstag halte ich einen Vortrag, und am Abend findet ein christlich-jüdischer Empfang bei uns statt. Mich interessieren Themen wie Wirtschaft und Ethos oder die Einführung in die Liturgie oder den Talmud.

Mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Mannheim sprach Heide Sobotka.

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