Interview

Fünf Minuten mit …

Frau Schlick-Bamberger, Sie kuratieren die Ausstellung, mit der die Stadt Offenbach an ihren Ehrenbürger Siegfried Guggenheim (1873-1961) erinnert. Was zeigen Sie?
Die Ausstellung geht der Biografie Guggenheims nach. Gleichzeitig stellt sie die aus Werken des Buch- und Schriftkünstlers Rudolf Koch und seiner Schüler, der »Offenbacher Werkstatt«, entstandene »Sammlung Guggenheim« vor. Deren Zentrum sind Gerätschaften zur Ausgestaltung des Pessachfestes und die von Guggenheim bearbeitete »Offenbacher Haggadah«. Die Ausstellung wendet sich einerseits an Besucher, die sich für die jüdische Geschichte in Offenbach interessieren, und andererseits an Menschen, die eine Vorliebe für Kunst und Kunsthandwerk haben. Gleichzeitig spricht die Ausstellung aber auch Gäste an, die sich mit dem Thema jüdische Identität und ihrer zeitgemäßen Vermittlung auseinandersetzen. Die Parallelen zwischen damals und heute sind frappierend.

Was hat Sie an Guggenheim besonders fasziniert?
Es gibt vieles, was mich an Siegfried Guggenheim beeindruckt. Als Jude in der liberalen Reform aufgewachsen, verfügte er über ein profundes jüdisches Wissen. Er vertiefte es durch den Austausch mit dem Offenbacher Rabbiner Max Dienemann. Die moralisch-ethischen Grundsätze des Judentums leiteten ihn in seinem Selbstverständnis, in der Gestaltung seines Alltags und im Engagement für seine Heimat. Gleichzeitig hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, eine moderne jüdische Identität zu entwickeln und weiterzuvermitteln. Mit seiner »Offenbacher Haggadah« ist ihm zudem gelungen, hebräisch-unkundigen Juden ihren Wurzeln näherzubringen, indem er ihnen etwa die hebräischen Texte in transliterierter Form zum Mitsingen wie auch deren Übersetzung anbot. Dies stellte damals ein Novum dar. In meinen Augen hat Guggenheims Leben und Wirken noch immer Vorbildcharakter.

Welche Bedeutung hat diese Ausstellung für die Jüdische Gemeinde Offenbach?
Das Bemühen um die Schaffung einer ihre religiösen Wurzeln berücksichtigenden positiven modernen jüdischen Identität, wie auch ihre Weitergabe, ist ja etwas Zeitloses und betrifft uns heute genauso wie damals. Insofern kann das in der Ausstellung gezeigte Engagement Guggenheims auch für heutige Aktivitäten anregend wirken. Auch die Leitsätze Guggenheims »Freundestreue« und »aktive Aneignung von Heimat« sind keine überholten Tugenden. Auf jeden Fall würde ich mir sehr wünschen, dass viele Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Offenbach die Ausstellung besuchen.

Könnten Sie ergänzend zur Ausstellung eine Buchempfehlung aussprechen?
Es gibt eine Vielzahl älterer, aber vergriffener Aufsätze. Begleitend zur Ausstellung haben wir einen Katalog auf den Weg gebracht. Allen Interessieren kann ich diesen nur wärmstens ans Herz legen. Er kostet 25 Euro.

Mit der Kuratorin der Ausstellung sprach Rivka Kibel.

Klingspor Museum Offenbach, Herrnstraße 80: »Im Glauben an das Exquisite: Siegfried Guggenheim – ein jüdischer Mäzen der Buch- und Schriftkunst aus Worms in Offenbach und New York«, bis 30. September, Di, Do, Fr 10 – 17 Uhr, Mi 14 – 19 Uhr, Sa, So 11 – 16 Uhr

Dresden

Stimme der Aufklärung

Die 90-jährige Schoa-Überlebende Renate Aris erhält für ihr Engagement als Zeitzeugin das Bundesverdienstkreuz

 15.03.2026

Berlin

Signale am Gleis 17

Aktivisten möchten aus dem ehemaligen Bahnwärterhaus eine Info-Werkstatt zur Schoa machen

von Christine Schmitt  15.03.2026

Porträt

Im Einsatz für andere

Jutta Josepovici arbeitete für die ZWST und die Frankfurter Jüdische Gemeinde

von Eugen El  15.03.2026

Leipzig

In sichere Hände

Die Israelitische Religionsgemeinde bekommt eine hebräische Bibel von 1906 geschenkt

von Thyra Veyder-Malberg  14.03.2026

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026

Berlin

Interaktives Projekt zur jüdischen Geschichte des Scheunenviertels

Im Scheunenviertel in Berlin-Mitte gibt es seit Mittwoch zehn Straßenmarkierungen auf Jiddisch, Deutsch und Englisch. Über ein interaktives Erinnerungsprojekt wird so an die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt erinnert

von Markus Geiler  11.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026