Makkabi

»Fechten verlernt man nicht«

Tritt bei der Maccabiah für Deutschland an: der Fechter Peter Marduchajew Foto: Stephan Laurin

Bald ist es so weit, dann bin ich bei der 21. Maccabiah dabei, die vom 12. bis zum 26. Juli in Jerusalem, Haifa, Netanya und Tel Aviv stattfindet. Dann werden sich 11.000 Athleten in 47 Disziplinen beim größten jüdischen Sportereignis der Welt messen.

Meine erste Makkabiade war 1993. Damals fuhren wir mit 50 Sportlern zu den Wettkämpfen, jetzt sind wir 300. Die Gruppe der Fechter ist überschaubar. Wir werden zu fünft oder sechst sein, beim letzten Mal waren wir 13 Fechter. Los geht es am 8. Juli. Dann treffen sich die deutschen Makkabi-Sportler im Sportpark Wedau in Duisburg.

altersklasse Am 12. Juli reisen wir dann alle zusammen nach Israel. Bei der Maccabiah 2019 habe ich in meiner Altersklasse Gold im Fechten mit dem Florett, Gold beim Degenfechten und Bronze mit dem Säbel gewonnen. Auch in diesem Jahr hoffe ich, wieder Medaillen gewinnen zu können. Meine Laufbahn begann in meiner Jugend in Baku, der Hauptstadt der damaligen Sow­jetrepublik Aserbaidschan. Trainer besuchten die Schulen und stellten den Kindern und Jugendlichen das Fechten vor.

Weil mein Bruder in Amerika war, bekam ich keine Reiseerlaubnis.

Als Erste in der Familie interessierte sich meine Schwester für den Sport. Ich ging einmal mit ihr zum Training, setzte mich auf die Bank, um mir alles anzuschauen, und war sofort begeistert. Während sie schon als Jugendliche das Interesse am Fechten verlor, begeisterte ich mich für den Sport und blieb dabei.

Ich denke, ich hatte Talent, aber ich trainierte auch hart und wurde schnell zu einem der besten Fechter der damaligen Sowjet­union. Ich war mehrmals sowjetischer Juniorenmeister und trat im Halbfinale der Weltmeisterschaft an, war im sowjetischen Fechtkader und gehörte damit zu den besten acht Fechtern des Landes.

trainings Die Mitglieder des Fechtkaders nahmen an Trainings in der gesamten Sowjetunion teil, aber wenn meine Teamkollegen ins Ausland fuhren, durfte ich nicht mit. Nachdem mein Bruder in die USA ausgereist war, bekam ich keine Erlaubnis mehr, ins westliche Ausland zu fahren.

An den Olympischen Spielen 1988 in Seoul durfte ich nicht teilnehmen. Das war bitter für mich. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist ja der große Traum jedes Sportlers. Dabei war die Sorge, dass ich wie mein Bruder in den Westen ziehen würde, unbegründet. Ich wäre nicht geflohen. Ich wollte damals einfach nur fechten. Wir haben neunmal in der Woche trainiert. Fechten habe ich geliebt, es hat mir viel Spaß gemacht, und ich hatte sehr gute Trainer.

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist ja der große Traum jedes Sportlers.

Meine Karriere wäre ganz anders verlaufen, wenn es mir in der ehemaligen Sowjetunion nicht verboten worden wäre, in das westliche Ausland zu reisen. Meine Freunde holten 1988 in der koreanischen Hauptstadt Gold, ich verfolgte die Spiele aus der Ferne. Zu meinen alten Sportfreunden aus der Sowjetzeit habe ich bis heute Kontakt. Einige von ihnen sind Sportfunktionäre, andere sind in die Sportpolitik gegangen.

Der ehemalige Sportminister Russlands, Pawel Anatoljewitsch Kolobkow, gehörte ebenso zu ihnen wie der heutige ukrainische Sportminister Vadym Gutzeit. Wenn Fechtweltcup in Bonn war, besuchten mich viele von ihnen zu Hause in Dortmund. Aber das ist im Moment natürlich wegen des Krieges nicht möglich.

Staatsbürgerschaft 1990 zog ich dann mit meiner Familie nach Deutschland. Ich war damals 27 Jahre alt, aber auch in Deutschland konnte ich meine Karriere als Fechter auf höchstem Niveau nicht weiterführen. Erst 2000, mit 37 Jahren, bekam ich die deutsche Staatsbürgerschaft. Da war ich aber schon zu alt, um an Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften als Teil des deutschen Kaders teilzunehmen.

Mit 40 Jahren begann ich wieder zu fechten. Ich trat ab dann bei den Senioren in der Gruppe der 40- bis 59-Jährigen an und das mit Erfolg: 18-mal wurde ich Deutscher Meister in dieser Altersgruppe, zweimal Europameister und viermal Vizeweltmeister. Mein Verein ist Makkabi Dortmund.

Nur wer in einem Makkabi-Verein organisiert ist, kann an der Maccabiah teilnehmen. Aber dort gibt es leider keine Fechtabteilung, der einzige Makkabi-Verein, der Fechten anbietet, ist Rostock. Um an Wettkämpfen teilzunehmen, bin ich auch noch seit acht Jahren Mitglied bei Eintracht Duisburg, davor focht ich für einen Verein in Darmstadt. Vereine, die Fechten in meiner Altersgruppe anbieten, gibt es bei mir in Dortmund nicht.

In Dortmund gibt es keinen Fechtverein für meine Altersgruppe.

Viele fragen mich, ob die Fahrten nach Duisburg und früher Darmstadt nicht zu weit wären, aber das ist kein Problem für mich, denn ich nehme ja nicht am Training teil. Ich trainiere seit über 30 Jahren nicht mehr. Die Ausbildung in der ehemaligen Sowjetunion war so gut, dass sie mich bis heute trägt.

Davon abgesehen, gilt für das Fechten, was man über das Fahrradfahren sagt: »Was man einmal gelernt hat, vergisst man nicht mehr.« Aber natürlich halte ich mich fit. Meine Arbeit als Sportlehrer in einer Grundschule in Schwerte ist mein Training. Was die Kinder machen müssen, mache ich mit. Jeden Tag, mehrere Stunden lang. Es ist erstaunlich, aber es funktioniert. Durch die Arbeit habe ich eine Grundfitness, die auch für Wettbewerbe ausreicht.

Aufgezeichnet von Stefan Laurin

Berlin

Türkisches Unternehmen »Medicana« neuer Träger vom Jüdischen Krankenhaus

Die 270-jährige Tradition des Hauses bleibe bewahrt – Kritik an der Übernahme kommt von Ver.di

 10.07.2026

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Speyer, Worms und Mainz

SchUM-Stätten feiern fünfjährigen »Welterbe-Geburtstag«

Vor fünf Jahren erhielten sie wegen ihrer wichtigen Bedeutung für das mittelalterliche Judentum den Welterbe-Titel. Nun feiern die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz die Aufnahme auf die Unesco-Welterbeliste mit einer Veranstaltung in Speyer

 09.07.2026

Gemeindetag

Zusammen füreinander

Vom 17. bis zum 20. Dezember treffen sich Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Berlin – für viele wird es ein lang ersehntes und freudig erwartetes Wiedersehen

von Katrin Richter  09.07.2026

Machanot

Kleine Auszeit

Die Koffer sind gepackt, gut gelaunt fahren die Kinder ins Ferienlager. Doch auch die Eltern haben Pläne, wollen renovieren, verreisen oder finden ein neues Hobby. Wir haben uns umgehört

von Christine Schmitt  09.07.2026

Maccabiah

»Jetzt erst recht«

Die Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland sind hoch motiviert. Für manche ist es nicht das erste Mal, dass sie in Israel dabei sind – bei den Medaillen spielen sie ganz vorn mit

von Sabine Brandes  08.07.2026

Programm

Schostakowitsch, Punk und Nathan in der Schwebebahn: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 9. Juli bis zum 16. Juli

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026

München

»Auf geht’s – an die Arbeit!«

Die Israelitische Kultusgemeinde hat einen neuen Vorstand gewählt. Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin im Amt bestätigt

von Leo Grudenberg  07.07.2026