Drei-Rabbiner-Seminar

Ernste Debatten, gute Witze

Geistiger Input, anregende Gesellschaft und gutes Essen: Etwa 70 junge Juden aus ganz Deutschland haben am vergangenen Wochenende das traditionelle »Drei-Rabbiner-Seminar« im Max-Willner-Heim in Bad Sobernheim besucht. Wie im Vorjahr bestritten Avichai Apel (Dortmund), Julian-Chaim Soussan (Frankfurt/Main) und Jaron Engelmayer, der ehemalige Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Köln, das Programm.

Die Jüdische Kultusgemeinde Dortmund und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) hatten das Seminar mit dem Untertitel »Ich traue mich – ich traue dir – wir trauen uns. Zwischen Misstrauen und Selbstvertrauen« versehen. Von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag gab es Vorträge, Diskussionen, Gottesdienste und gesellige Zusammenkünfte für die junge Generation zwischen 18 und 35 Jahren.

wertvoll Routiniert gibt sich die 28-jährige Frankfurterin Katharina, die schon zum fünften Mal zum Drei-Rabbiner-Seminar kommt: »Da weiß man, wie das abläuft.« Sie schätzt die Rabbiner als »große, hochinteressante Redner. Das ist der wichtigste Grund, warum ich teilnehme.« Ilja (25), der ebenfalls aus Frankfurt anreiste, ergänzt: »Es ist auch schön, andere junge Leute in ähnlichem Alter zu treffen, was nicht einfach ist, wenn ich an kleinere Gemeinden denke.«

»In Köln gibt es einen deutlichen Alterssprung«, stellt Vadim (30) fest: Es gibt sehr viele ältere Gemeindemitglieder, und dann wieder die ganz jungen. Die Generation 25 bis 40 ist nach seinem Gefühl im Gemeindealltag unterrepräsentiert. Umso wertvoller findet er deshalb diese Seminare, um Kontakt zu Gleichaltrigen zu bekommen.

Die drei jungen Leute bedauern allerdings, dass diesmal nur 70 Teilnehmer den Weg nach »Sobi« fanden – was womöglich auch mit einer parallel stattfindenden ähnlichen Veranstaltung zu tun hat, vermutet Ilja.

Fundamentalismus Als Rabbiner Avichai Apel zu dem Trio stößt, hat er eine wichtige Frage: Ob auch alle satt geworden sind? Sowohl die leibliche als auch die geistige Nahrung habe hundertprozentig gestimmt, beruhigen ihn Katharina, Ilja und Vadim.

Ilja fand den Kern des Seminars am spannendsten: Die beiden Vorträge von Rabbiner Engelmayer über Positionen, Handeln und Ideen jüdischer Fundamentalisten. Auf die Ausführungen des ehemaligen Kölner Rabbiners, der mittlerweile in Israel lebt, folgte dann der Vortrag von Rabbiner Avichai Apel über Friedensverhandlungen.

»Was für ein genialer Kontrast«, amüsiert sich der 25-jährige Ilja, um dann wieder ernst zu werden: »Das Interessante war allerdings, dass ausgerechnet Extremisten die Friedensverhandlungen führen sollten.«

Engelmayer, Apel und Soussan verstünden es, ihre lernwilligen Schüler mit »ungeheurem Charisma« zu fesseln, lobt das Teilnehmertrio. »Das gehört wohl zur Stellenausschreibung eines Rabbiners dazu«, vermutet Ilja.

themen Vadims prägender Eindruck von dem Seminar sind die beiden Vorträge der eigens nach Deutschland eingeflogenen Israelin Inbar Amir, Coaching-Trainerin an der Bar-Ilan-Universität. Sie sprach über die Themen Fremdbild und Selbstbild sowie freies Reden und Präsentation vor anderen Menschen.

Amirs Ratschläge und Hinweise könne man sehr gut im Alltag nutzen, findet Vadim. Der praktische Nutzen der leidenschaftlichen Diskussionen über Frieden und Terror, Extremismus und Religion liege hingegen eher in der emotionalen Verbindung der meisten hier versammelten Menschen zum Staat Israel, meint die Frankfurterin Katharina: »Ich finde es auch gut, dass bei den meisten Drei-Rabbiner-Seminaren aktuelles Geschehen aufgegriffen wird.«

So sprach man – wenn auch nur kurz – auch über die Flüchtlingskrise. Vadim meint pragmatisch, man könne froh sein, dass es in Deutschland bisher »noch ganz gut« funktioniere – von der unrühmlichen Silvesternacht in Köln abgesehen. In Belgien oder Frankreich würde er sich als Jude wesentlich unsicherer fühlen, sagt Vadim. Er hofft, dass das trotz des ungebrochenen Flüchtlingszustroms auch so bleibt.

Humor Und schon ist es Zeit für den abschließenden Workshop des knapp 48-stündigen Seminars, den Vortrag von Rabbiner Jaron Engelmayer über »jüdischen Humor aus rabbinischer Sicht«. Ausgiebig amüsiert sich das 35-köpfige Publikum im Theatersaal über die Witze des Rabbiners, wenngleich so manche Pointe aufgrund von Sprachbarrieren erst mit Verspätung zündet.

Gottvertrauen und Humor seien essenzielle Werte für einen Juden, sagt Engelmayer und gibt ein Feuerwerk an Witzen, Scherzen, Wortspielen und pointierten Geschichten zum Besten. Falls die Teilnehmer auch nur einen Teil davon weitererzählen, dürfte es in den jüdischen Gemeinden Deutschlands etwas mehr zu lachen geben als sonst.

»Die drei Rabbiner waren auch einmal jung. Und wir hoffen, dass wir jung geblieben sind. Deshalb finden wir vielleicht die richtige Sprache, um die jungen Leute besser zu erreichen«, erklärt Avichai Apel den Erfolg der Seminare, die es schon seit acht Jahren gibt. Die Teilnehmer schätzten daran, dass weniger die Religion, sondern die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen im Mittelpunkt der Zusammenkünfte steht.

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