Fussball

Erinnerung und Auftrag

Kurt Landauer (1884–1961) Foto: Uri Siegel

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Erinnerung und Auftrag

In Gedenken an seinen Ex-Präsidenten benennt der FC Bayern München den Platz vor der Allianz-Arena nach Kurt Landauer

von Helmut Reister  04.01.2016 17:43 Uhr

Der FC Bayern München, der sich seit Langem seiner braunen Vergangenheit stellt und dieses Kapitel aufarbeitet, hat nun ein weiteres unübersehbares Zeichen gesetzt. Kurz vor dem Jahreswechsel weihte der Fußballverein auf der Esplanade vor dem Haupteingang der Allianz-Arena feierlich den Kurt-Landauer-Platz ein.

An der Zeremonie zu Ehren des langjährigen Vereinspräsidenten nahmen teil: Kurt Landauers Neffe Uri Siegel, IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sowie vom FC Bayern München der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, Präsident Karl Hopfner sowie Verwaltungsratsvorsitzender und Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber.

prägend Mit der Namensgebung des Platzes durch den FC Bayern soll an die Lebensleistung von Kurt Landauer erinnert werden, der zwischen 1913 und 1951 insgesamt 19 Jahre das Amt des Präsidenten bekleidete und dessen Liebe zum Verein zwei Weltkriege und den Holocaust überdauerte. »Kurt Landauer ist für mich persönlich mit seiner Weltoffenheit der erste moderne Präsident gewesen«, erklärte Karl-Heinz Rummenigge.

Er sei stolz, Vorstandsvorsitzender eines Vereins zu sein, der heute ein Symbol für Internationalität, Offenheit, Professionalität und Standfestigkeit sei, weil Kurt Landauer mit »seiner Kultur der Versöhnung« dieser Entwicklung vorangeschritten sei. »Ich freue mich sehr, dass wir heute einen Kurt-Landauer-Platz bekommen, der sowohl Erinnerung als auch Auftrag sein soll für uns und unsere Anhänger«, sagte Karl-Heinz Rummenigge bei der Einweihung.

Als die Nazis an die Macht kamen, begann sogleich die systematische Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Auch Kurt Landauer, der im Ersten Weltkrieg als Soldat für Deutschland in den Krieg zog und mit hohen Auszeichnungen zurückkehrte, der Präsident des FC Bayern München war, ein angesehener Geschäftsmann, fand sich nach den Novemberpogromen 1938 im KZ Dachau wieder, weil er Jude war.

Rückkehr Während er in die Schweiz flüchten konnte und überlebte, wurde ein großer Teil seiner Familie ermordet. Trotzdem kehrte Kurt Landauer 1947 nach München zurück und nahm beim FC Bayern für vier Jahre erneut das Ruder in die Hand. Er starb 1961, kurz vor dem Jahreswechsel.

Viele Jahre war Kurt Landauer aus dem kollektiven Gedächtnis weitgehend verschwunden. Inzwischen gibt es einen Fernsehfilm und eine Dokumentation, die seine Person und sein Leben beleuchten, das Kurt-Landauer-Turnier beim TSV Maccabi hat sich etabliert, und vor zwei Jahren wurde er vom FC Bayern München posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt. Jetzt trägt sogar der Platz vor dem Stadion seinen Namen. Der Verein kann zu Recht stolz auf seinen Ex-Präsidenten sein.

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