Premiere

Erinnerung an Anne Frank

Shira Bitan als Anne Frank Foto: Rafael Herlich

Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern!» Das Zitat aus einer Kurzgeschichte von Anne Frank aus dem Jahr 1944 diente als Motto für den «Anne-Frank-Tag», der rund um ihren 88. Geburtstag am 11. und 12. Juni erstmals in Frankfurt begangen wurde. Den Impuls dafür hatte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, ein Jahr zuvor gegeben.

Mit der Monooper Das Tagebuch der Anne Frank des sowjetischen Komponisten Grigori Frid aus dem Jahr 1966 begann der Anne-Frank-Tag am Vorabend. Die ungewöhnliche Operninszenierung wurde in katakombenartigen Kellerräumen des «Atelierfrankfurt» im Stadtteil Ostend gezeigt. Von Studenten der Frankfurter Musikhochschule musikalisch begleitet, sang die in Israel geborene Sopranistin Shira Bitan 19 Auszüge aus Anne Franks Tagebuch.

Miterleben Ohne feste Bühne und Zuschauerraum folgte das Publikum der Sängerin durch die verwinkelten Räume. Shira Bitans Gesang, die eindringliche Musik und die beklemmenden Räumlichkeiten ließen Hoffnungen, Ängste und die zunehmende Bedrängnis von Anne Frank spürbar werden. Die Inszenierung demonstrierte aber auch Franks Lebensmut: «Und nun weiß ich, dass Tapferkeit und Lebensfreude das Allerwichtigste bedeuten!»

Am eigentlichen Geburtstag von Anne Frank folgte ein bunter Reigen von Veranstaltungen in der Stadt. Die Westend-Synagoge öffnete sich für angemeldete Besucher, eine Stadtführung folgte Anne Franks Spuren. Die Preisverleihung des bundesweiten Comicwettbewerbs «Welt retten» und diverse Kunstaktionen im öffentlichen Raum wandten sich vor allem an jugendliche Besucher.

Im Museum Judengasse fand ein Seminar zum Thema «Biografien im Holocaust ermordeter Frankfurter Jüdinnen und Juden und die Gedenkstätte am Neuen Börneplatz» statt. Fünf Lehrerinnen nahmen an der von Sophie Schmidt und Gottfried Kößler geleiteten Fortbildung teil. Ihre Beweggründe reichten von der Erforschung der NS-Geschichte der eigenen Schule bis zur Recherche einer Pädagogin aus Boston für einen geplanten Klassenausflug nach Frankfurt.

Börneplatz Die Teilnehmerinnen besichtigten die Gedenkstätte am Neuen Börneplatz mit ihren 12.000 in die Friedhofsmauer eingelassenen Gedenksteinen für die ermordeten Frankfurter Juden und erhielten Einblicke in die Datenbank der Gedenkstätte, die biografische Angaben zu etwa 12.700 ermordeten Frankfurter Juden enthält. Sie habe «viele Anregungen für ihren Unterricht» erhalten, sagte eine Teilnehmerin.

Der erste Frankfurter Anne-Frank-Tag klang mit einer abendlichen Podiumsdiskussion im Stadthaus aus. Die Schriftstellerin Lena Gorelik, die Journalistin Melissa Müller und der Schauspieler Lion Wasczyk diskutierten mit der Moderatorin Bärbel Schäfer über Anne Franks Aktualität in der Gegenwart. «Ich glaube, dass Anne Frank ein Riesenvorbild ist, wie sie sich in einer eingeengten Situation immer wieder aufrafft, Hoffnung zu haben, und immer weitermacht», sagte Melissa Müller, die eine Anne-Frank-Biografie verfasst hat.

Lena Gorelik würdigte das Humorvolle an Franks Tagebuch. Sie bekannte: «Für mich ist Anne Frank eher eine Inspiration als eine Ikone.» Lion Wasczyk, der in dem Fernsehfilm Meine Tochter Anne Frank von 2014 mitspielt, warb für das Medium Film, das Jugendlichen helfen könne, in die Thematik einzusteigen. Melissa Müller beklagte, wie sehr in der Arbeit mit Jugendlichen die Zeitzeugen fehlten. Anne Frank habe indes auch heute noch etwas zu sagen, betonte Müller: «Es ist eine Stimme, die man hören sollte.»

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026

Weimar

Trauer um Raymond Renaud

Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde 102 Jahre alt

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Hamburg

Espresso für die Seele

Der Jugendkongress der ZWST und des Zentralrats ist für viele das Highlight des Jahres. Hier findet eine Generation, die gestalten möchte, Impulse, Gespräche und Resilienz

von Eugen El  15.01.2026

Makkabi

Slalom und Schabbat

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in diesem Jahr zur Wintersport Week in die Südtiroler Alpen

von Helmut Kuhn  15.01.2026

Leipzig

»Jeder Hass macht blind«

Das koschere Café »HaMakom« wurde in der vergangenen Woche angegriffen. Was genau ist passiert? Fragen an den Eigentümer

von Katrin Richter  15.01.2026

Mainz

Neue Ausstellung erinnert an Synagogen, Rabbiner und Matzenbäcker

Vom uralten Grabstein bis zum KI-generierten Rabbiner-Avatar reicht die Spannweite. Die Ausstellung »Shalom am Rhein - 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz« im Landesmuseum Mainz präsentiert so umfangreich wie nie das jüdische Erbe im Land

von Karsten Packeiser  15.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-Jähriger setzte vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand und zeigte den Hitlergruß. Er wurde von der Haftrichterin in die Psychiatrie eingewiesen

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026