Bremen

Ende eines Provisoriums

Die neue Trauerhalle der Jüdischen Gemeinde Bremen in der Beckfeldstraße Foto: Kay Michalak / fotoetage

Für die Jüdische Gemeinde im Land Bremen ging am 5. Dezember ein Wunsch in Erfüllung. Bisher mussten die Trauerfeiern in einem umgebauten Carport stattfinden. »Ein sehr ungenügender Behelf«, sagt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Elvira Noa. Zumal es seit dem Zweiten Weltkrieg für die Totenwaschungen in Bremen keinen eigenen Raum mehr gab. Jetzt werden die rituellen Handlungen im Untergeschoss der Halle vollzogen.

Rund eine Million Euro hat der Bau gekostet. Zwei Drittel dieser Summe habe das Land Bremen übernommen, sagt Noa. »Das war sehr großzügig.« Etwa ein Drittel habe die jüdische Gemeinde selbst beigesteuert, der Rest der Summe sei von Sponsoren gekommen.

Architekt Für Alfred Jacoby war es die erste jüdische Trauerhalle, die er entworfen hat. Seinen Namen machte sich der Architekt vor allem mit dem Bau von Synagogen. Zehn sind es bisher in Deutschland und eine im US-Bundesstaat Utah. Dazu kamen andere Bauwerke. »Ich habe schon viel für jüdische Gemeinden gearbeitet«, erzählt Jacoby, der selbst Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Offenbach ist.

In Bremen fand er einen elliptisch angelegten Friedhof vor, nachempfunden dem kabbalistischen Lebensbaum, der auf eine mystische jüdische Tradition zurückgeht. Diese Form griff Jacoby für die Trauerhalle auf. Sie eigne sich in besonderer Weise für die beiden zentralen Punkte einer jüdisch-religiösen Stätte – den Platz zum Verlesen und den Schrank zum Aufbewahren der Tora, erklärt der Architekt.

Für Darmstadt hat Jacoby 1988 eine Synagoge entworfen, die sich noch an alte Vorbilder anlehnte. Davon sei er mehr und mehr abgekommen und habe sich einer sachlichen Architektur zugewandt. »Viele der alten Synagogen sind zerstört worden, es war Zeit für etwas anderes«, sagt der 1950 geborene Baumeister.

Anlage Seit 2008 hat Bremens jüdische Gemeinde eine neue Begräbnisstätte nahe dem Riensberger Friedhof, weil die Anlage in Hastedt bis auf wenige Plätze belegt war. Wegen des hohen Grundwasserstandes musste das Areal an der Beckfeldstraße um 1,50 Meter aufgeschüttet werden. Durch einen Schacht fällt Licht in das Untergeschoss, wo die rituellen Totenwaschungen stattfinden.

Das Gebäude mit Platz für etwa 80 Menschen hat einen Ein- und einen Ausgang. So entsteht eine Brücke von den Lebenden zu den Toten – vom Trauerraum zum Gräberfeld. Eine Besonderheit ist die oval gebaute Apsis, der Raum, der an die Synagoge anschließt. Die Apsis ragt über das Dach des Gebäudes hinaus und zeigt an der Außenwand einen Davidstern. Im Inneren der Apsis werden die Särge stehen, beschienen durch ein Oberlicht.

Zur Einweihung war unter anderem Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) eingeladen, der ein Grußwort sprach. Alfred Jacoby und seine Mitarbeiterin Monika Finger erläuterten die Architektur. Wen die Anlage interessiert, kann sich an die jüdischen Gemeinde wenden und einen Termin vereinbaren, betonte Gemeindevorsitzende Noa.

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