Interview

»Einfach Hammer«

Eyal Levinsky, stellvertretender Leiter des Jugendzentrums Olam in Berlin Foto: Uwe Steinert

Eyal, wann warst du das erste Mal auf Machane?
Mein erstes Machane ist erst vor Kurzem gewesen, 2010. Ich hatte davor mit der jüdischen Welt nicht viel zu tun, ich war auf einer deutschen Schule. Eines Tages habe ich angefangen, Musik zu machen, und bin durch die Jewrovision ins Jugendzentrum gekommen. Danach bin ich nach Marbella auf ein Machane der ZWST gefahren, das war für mich einfach so ein absoluter Flash – jüdische Leute, die sich zusammentun. Und jetzt bin ich Madrich und versuche, so viele Kinder wie möglich dahinzubringen, damit sie nicht denselben Fehler machen wie ich.

Weshalb war es ein Fehler, als Kind nicht hinzufahren?
Weil es einfach Hammer ist. Das Beste, was es gibt. Machane ist ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl, die Freundschaften, die da entstehen, halten ewig. Ich habe überall in Deutschland Leute, mit denen ich befreundet bin. Ich kann nach Hamburg, Düsseldorf oder Köln fahren und habe sofort jemanden, bei dem ich übernachten kann. Machane ist Lernen, Spaß und gute Erholung.

Warum bist du als Kind nicht auf einem Machane gewesen?

Mein Vater ist Opernsänger, und er war viel unterwegs. Jedesmal, wenn ich Ferien hatte, haben wir ihn besucht.

Madrichim, Chanichim, die Lieder, die Hymnen: Wird man nicht zum Außenseiter, wenn man das alles gar nicht kennt?
Nein, das stimmt überhaupt nicht. Diese hebräischen Wörter lernt man an einem einzigen Tag.

Wie findest du es, dass nur Kinder auf Machane fahren dürfen, die laut der Halacha, dem Religionsgesetz, jüdisch sind?

Das ist natürlich ein schwieriges Thema. Denn bei uns im Jugendzentrum sind auch Kinder, die nur einen jüdischen Vater haben. Wenn ein Kind dazugehören möchte, versuchen wir zu helfen: Es gibt viele Wege, auch einen Übertritt. Aber Machane ist auch wie eine Single-Börse für die Älteren. Und wenn die Mädchen und Jungen nicht halachisch jüdisch sind, können sie später auch nicht traditionell heiraten.

Stimmt es, dass einzelne Mädchen und Jungen beim Machane nicht alleine auf einem Zimmer sein dürfen?
Ja, es gibt diverse Regeln, an die sich die Mädchen und Jungen halten müssen. Wir tragen zwei Wochen lang die Verantwortung und wollen nicht, dass sich die Kinder und Jugendlichen durch gewisse Situationen zu etwas gezwungen fühlen müssen.

Du bist auch als »DJ Lev« bekannt. Wo legst du auf?
Auf diversen Hochzeiten, Barmizwas und Batmizwas. Früher habe ich auch in Clubs gespielt, aber momentan bereitet mir das Auflegen auf jüdischen Veranstaltungen mehr Freude. In Zukunft wird sich das vielleicht nochmal ändern, aber im Moment gefällt mir die Arbeit, wie sie ist.

Kapselt man sich nicht ab, wenn man bewusst nur mit Juden auf Machane fährt?
Finde ich nicht. Man kann doch trotzdem nichtjüdische Freunde haben. Wir sind nicht viele, das ist leider so, und deshalb versuchen wir, diese Clique zusammenzuhalten und dadurch unsere Identität zu stärken.

Mit dem Berliner Jugendleiter sprach Ayala Goldmann.

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