IKG Live!

Eine virtuelle Premiere

Der persönliche Kontakt, darüber waren sich alle einig, ist durch nichts zu ersetzen. Diese Erkenntnis, von der auch Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, überzeugt ist, wird durch die Corona-Krise besonders deutlich.

Mit einer Plattform im Internet, mit Livestreams und interaktiven Möglichkeiten eröffnet die Gemeinde in dieser schwierigen Zeit eine neue Dimension der Kommunikation. Das »Zauberwort« zum Einstieg im Netz lautet ganz einfach www.ikg-live.de.

In der vergangenen Woche fand die Premiere des neuen virtuellen Angebots der IKG statt. Es war kein Zufall, dass die Kinder der Gemeinde an diesem Abend thematisch im Mittelpunkt standen. IKG-Präsidentin Knobloch hatte gleich zu Beginn darauf hingewiesen, dass der Vorstand und das Krisenteam viele schwierige Entscheidungen zu treffen haben, aber stets einen unumstößlichen Parameter vor Augen hätten. »Bildung und Erziehung unserer Kinder genießen in der Gemeinde höchste Priorität«, erklärte sie.

fachkompetenz Auch wenn die Teilnehmer des ersten »IKG LIVE!«-Events auf den Mindestabstand achten mussten, stellten sie gemeinsam beim Thema »Schule und Erziehung« geballte Fachkompetenz dar. Die Zuschauer hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, und nutzten diese auch ausgiebig.

In der vergangenen Woche fand die Premiere des neuen virtuellen Angebots der IKG statt.

Neben Charlotte Knobloch waren aus der Gemeinde Anita Kamins­ki, die im IKG-Vorstand für Sinai-Schule und pädagogische Fragen der kleineren Kinder zuständig ist, und Vorstandsmitglied Eugen Alter, Ansprechpartner für alle Fragen, die das Gymnasium betreffen, erschienen.

Die Leiterinnen der Erziehungseinrichtungen, Miriam Geldmacher (Gymnasium), Claudia Bleckmann (Sinai-Schule), Irina Sokolov (Alexander-Moksel-Kindergarten) und Romana Alfred (Kindertagesstätte Möhlstraße), berichteten über die aktuelle Situation in ihrem jeweiligen Aufgabenbereich, wobei der digitale Unterricht mit seinen Möglichkeiten und Grenzen den Schwerpunkt der Diskussion bildete.

An der Gesprächsrunde beteiligte sich auch Dima Schneerson, der neue Jugenddezernent der IKG, der sich als berufliches »Corona-Opfer« jedoch etwas zurückhalten musste. Die Abläufe in der IKG sind ihm noch nicht im Detail vertraut, denn vier Tage nach seinem Amtsantritt mussten coronabedingt erst einmal alle Veranstaltungen abgesagt werden – auch im Jugendzentrum.

unterricht Wie der digitale Unterricht funktioniert, erklärten die beiden Schulleiterinnen Miriam Geldmacher und Claudia Bleckmann. Beide sprachen von Anlaufschwierigkeiten bei der Verlagerung des Schulbetriebs ins Wohnzimmer, inzwischen laufe der Unterricht jedoch erstaunlich gut.

Auch für die Schularbeit zu Hause gibt es  einen festen Stundenplan, sagt Direktorin Miriam Geldmacher.

Miriam Geldmacher, die Direktorin des Gymnasiums, wies zum Beispiel darauf hin, dass es wie im normalen Schulbetrieb einen festen Stundenplan gibt. Auch im Online-Modus ist von acht Uhr morgens bis 16.15 Uhr am Nachmittag Unterricht. Was die Schuldirektorin besonders freut: »Alle Schüler sind hoch motiviert und mit Begeisterung dabei.«

Ebenso wie sie hofft auch Claudia Bleckmann von der Sinai-Schule, dass zum einen die Begeisterung und das Engagement der Kinder nicht nachlassen, andererseits aber auch bald wieder normaler Schulbetrieb herrsche. Tagespläne mit festgelegten Aufgaben und eine Plattform zum Austausch mit den Eltern gebe es aber auch jetzt, beschrieb die Leiterin die Performance in der Sinai-Schule.

qualität Ihr und dem Team gehe es vor allem darum, die Qualität möglichst hochzuhalten. Völlig einig sind sich die beiden Schulleiterinnen darin, dass auf Dauer der persönliche Kontakt mit den Schülern unverzichtbar ist.

Zentral war die Frage, wann wieder ein normaler Schulbetrieb herrscht.

In der Kita in der Möhlstraße, wo die Kleinsten betreut werden, ist es nicht ganz so einfach, im pädagogischen Bereich digital zu arbeiten, macht Leiterin Romana Alfred deutlich. Corona sei in der Einrichtung trotzdem ein Thema, etwa beim regelmäßigen und ausgiebigen Händewaschen.

Auch im Kindergarten haben digitale Komponenten jetzt einen höheren Stellenwert. Sportunterricht, Musik oder Religion im Online-Status kommen besonders gut an. »Die Kinder sind begeistert«, konnte sich Kindergartenleiterin Irina Sokolov bei der »IKG LIVE!«-Premiere freuen. Dankbar seien die Eltern vor allem für die weiter bestehende Notfallbetreuung.

erziehungsbereich Die ausgesprochen sachliche Darstellung der aktuellen Situation und den persönlichen Beitrag der Leiterinnen der pädagogischen Einrichtungen der IKG in dieser schwierigen Zeit wollte Charlotte Knobloch bei dem virtuellen Auftritt nicht unkommentiert lassen. An die vier Frauen gerichtet, sagte sie: »Sie haben in den letzten Wochen größten Widrigkeiten getrotzt, Sie haben Standfestigkeit, Einfallsreichtum und Durchhaltevermögen gezeigt – und Sie haben bewiesen, dass Sie jede Krise meistern können.«

Bei den Fragen aus dem Netz, die an die Vertreterinnen und Vertreter der IKG gestellt werden konnten, stand eine im Mittelpunkt: Wann herrscht wieder normaler Schulbetrieb? Charlotte Knobloch kann sich vorstellen, dass es Mitte Mai so weit sein könnte. Wie, in welcher Form und in welchem Umfang – diese Frage sei allerdings noch offen. Miriam Geldmacher, die Direktorin des Gymnasiums, glaubt nicht an eine schnelle Rückkehr zur völligen Normalität.

Konzert

Neue Klangwelten

Fünf Chöre laden zu einem Abend mit hebräischer, jiddischer, israelischer und synagogaler Musik. Dirigenten und Sänger erzählen, was sie mit ihren Ensembles verbindet

von Christine Schmitt  15.02.2026

Porträt der Woche

Die Gründerin

Gabriela Fenyes war Journalistin und engagiert sich in der Hamburger Gemeinde

von Heike Linde-Lembke  15.02.2026

Frankfurt

Ein Abend – trotz allem

Im Philanthropin sprachen die Schoa-Überlebende Eva Szepesi und Ella Shani, eine Überlebende des 7. Oktober, über Zeitzeugen, Schüler und Erinnerungen

von Raquel Erdtmann  12.02.2026

Karneval

Ganz schön jeck

Die Düsseldorfer Gemeinde lud zum traditionellen Prinzenpaarempfang. Sie will damit ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen

von Jan Popp-Sewing  12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026

Kultur

Ensemble, Schmäh und Chalamet: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. Februar bis zum 18. Februar

 11.02.2026

Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

In Dachau fand kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erstmals ein »March of the Living« statt

von Esther Martel  09.02.2026

Lerntool

Timothée Chalamet, Batmizwa und eine Davidstern-Kette

»Sich be-kennen«: Der Zentralrat der Juden bietet einen interaktiven Onlinekurs über die Vielfalt des Judentums für Schulen und interessierte Gruppen an

von Helmut Kuhn  09.02.2026

Berlin-Neukölln

Kritik am Kandidaten

Ahmed Abed sorgte jüngst für einen Eklat, als er einen israelischen Gast als »Völkermörder« beschimpfte. Doch bei der Linkspartei steht der Politiker mit palästinensischen Wurzeln hoch im Kurs

von Imanuel Marcus  09.02.2026