Geschichte

Ein Zeichen für Frieden

Eine weiße Fahne zum Gedenken an den 30. April 1945 Foto: Marina Maisel

Geschichte

Ein Zeichen für Frieden

Die einstige »Hauptstadt der Bewegung« gedachte mit einer besonderen Aktion der Befreiung vom NS-Terror vor 75 Jahren

von Helmut Reister  07.05.2020 09:35 Uhr

Weiße Tücher als sichtbares Zeichen der Erinnerung und Mahnung zugleich: Hunderte Münchner Privatpersonen, Firmen, Einrichtungen und Organisationen beteiligten sich an einem Projekt, das der Aktionskünstler Wolfram P. Kastner und der Grafikdesigner Michael Wladarsch am 75. Jahrestag (30. April) der Befreiung Münchens vom Nationalsozialismus initiiert hatten.

Auch die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern machte bei der Aktion mit. Große weiße Tücher mit der Aufschrift »Tag der Befreiung« hingen an der Fassade des Gemeindezentrums am Jakobsplatz wie auch auf dem Balkon des Saul-Eisenberg-Seniorenheims.

NS-DIKTATUR Den geplanten Feierlichkeiten, mit denen in der einstigen »Hauptstadt der Bewegung« am 30. April des Endes der NS-Diktatur gedacht werden sollte, hatte das Coronavirus mit seinen Beschränkungen des öffentlichen Lebens einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Aktion mit den weißen Tüchern überall in der Stadt, für die Oberbürgermeister Dieter Reiter die Schirmherrschaft übernommen hatte, war von den Auflagen jedoch nicht betroffen.

Die beiden Initiatoren des Projekts hatten in einer Erklärung darauf hingewiesen, dass die weißen Fahnen und Tücher ein wahrnehmbares Zeichen für Freiheit und Frieden sowie gegen Geschichtsverfälschung und -revisionismus darstellen sollten.

DEMOKRATIE Der 30. April 1945 sei mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen zum »Tag der Befreiung« geworden, ein Schritt auf dem Weg zur Demokratie. »Das braune demokratiefeindliche Virus«, sagen Kastner und Wladarsch, »ist leider nicht verschwunden.«

Auf stärker werdende rechte Tendenzen im politischen Spektrum und auf die davon ausgehende Gefahr für die Demokratie wies IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch schon bei vielen Gelegenheiten hin. Ein Satz in der Erklärung der beiden Aktionskünstler Kastner und Wladarsch könnte deshalb auch von ihr stammen: »Wir sind alle in der Verantwortung, uns gegen Hass und Gewalt zu wehren und für freiheitliche Menschenrechte offen und sichtbar einzustehen.«

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026

»Schir Haschirim« in Berlin

Acht Kapitel Geheimnisse

In der Synagoge Pestalozzistraße wird das Hohelied Salomos in einer Vertonung des israelischen Komponisten Daniel Akiva uraufgeführt

von Christine Schmitt  04.03.2026

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Berlin

Zentralrat der Juden: Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse

Zentralratspräsident Josef Schuster sieht in den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran die Chance, das Mullah-Regime endlich zu beenden

von Jürgen Prause  02.03.2026

WIZO

Venedig am Neckar

Purim, Frauentag und gutes tun: der erste Maskenball in Stuttgart

von Brigitte Jähningen, Helmut Kuhn  02.03.2026