ARK

»Ein wichtiger Schritt«

Massiv in der Kritik: Rabbiner Walter Homolka Foto: imago images/Future Image

Es ist das Ende einer langjährigen Mitgliedschaft: Walter Homolka (58) ist aus der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK) ausgeschlossen worden. Das Votum erfolgte am Mittwoch vergangener Woche bei einer Sitzung in Berlin mit der satzungsmäßig erforderlichen Zweidrittelmehrheit von 19 Stimmen; 27 ARK-Mitglieder waren anwesend. Acht Rabbinerinnen und Rabbiner votierten gegen Homolkas Ausschluss. Enthaltungen gab es laut dem ARK-Vorsitzenden Rabbiner Andreas Nachama nicht.

Homolka, der nach seinem Ausschluss aus der ARK eine Anfrage der Jüdischen Allgemeinen unbeantwortet ließ, war unter anderem wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs stark in die Kritik geraten. Der Zentralrat der Juden hatte ihm sein Vertrauen entzogen. Homolka, der die Vorwürfe bestreitet, hat unlängst die Leitung des Abraham Geiger Kollegs, der Ausbildungsstätte für liberale Rabbiner in Deutschland, abgegeben.

anteile Im Januar hatte dann die Jüdische Gemeinde zu Berlin mitgeteilt, sie habe alle Anteile des als gemeinnützige GmbH firmierenden Geiger-Kollegs sowie des Zacharias Frankel College in Potsdam übernommen, wo konservative (Masorti-)Rabbiner ausgebildet werden. Für die Übernahme der Anteile bezahlte die Gemeinde eigenen Angaben zufolge der bisherigen Eigentümerin, der von Homolka geführten und in Brandenburg registrierten Leo Baeck Foundation, die Stammeinlagen in Höhe von jeweils 25.000 Euro. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte dies so kommentiert: »Wir sind erstaunt über diesen Deal, der uns keinen Schritt weiterbringt.«

Die Berliner Gemeinderabbiner Jonah Sievers, Mitglied des ARK-Vorstandes, und Gesa Ederberg wollten auf Anfrage nicht über den Inhalt der Sitzung vom 25. Januar sprechen. Rabbinerin Ulrike Offenberg sagte, es sei auch um die Zukunft der Rabbinerausbildung gegangen: »Ich habe die Frage gestellt, ob Walter Homolka die Einlagen von zweimal 25.000 Euro für die Beteiligung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am Abraham Geiger Kolleg und am Zacharias Frankel College in die eigene Tasche gesteckt hat, habe auf diese Frage aber keine Antwort bekommen.«

Wie die ARK mitteilte, wurden in der Sitzung auch zwei unlängst Ordinierte in die Rabbinerkonferenz aufgenommen.

Wie die ARK mitteilte, wurden in der Sitzung auch zwei unlängst Ordinierte in die Rabbinerkonferenz aufgenommen. Dies sei »ein ermutigendes Zeichen für die positive Entwicklung des nicht-orthodoxen Rabbinats in Deutschland«, hieß es in der Pressemitteilung der ARK.

zweidrittelmehrheit Elisa Klap­heck, Rabbinerin der liberalen Synagogengemeinschaft »Egalitärer Minjan« in der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main, sagte, sie sei »positiv überrascht« von den neuen Absolventen der beiden Rabbinerseminare. Sie hätten zu der Zweidrittelmehrheit und dem Ausschluss von Homolka beigetragen. Die jüngere Generation, so Rabbinerin Klap­heck, »lässt sich Machtmissbrauch einfach nicht mehr bieten. Das macht mich zuversichtlich. Jetzt geht es auch um einen Neustart innerhalb der ARK«.

Rabbiner Andrew Steiman erklärte, er sei »erleichtert, aber Homolka ist wie eine Hydra, und es gibt noch mehr Köpfe«. Ihn selbst habe man, so seine Darstellung, vor mehreren Jahren versucht, aus der ARK auszuschließen, weil er einen Witz über den Namen von Walter Homolka gemacht habe. »Wir hatten nie Humor in diesem Laden. Jetzt kann ich wieder Witze machen«, sagte Rabbiner Steiman.

Rabbinerin Offenberg bestätigte: »Nach dem Beschluss herrschte ein Gefühl der Erleichterung. Die Entscheidung hat so lange gedauert, weil vom Machtmissbrauch und der moralischen Korrumpiertheit auch einige Leute profitiert haben. Es ist schambehaftet, das einzugestehen.« Die Aufarbeitung »des Geflechts von Ins­titutionen und Aktivitäten, die Walter Homolka gegründet und geleitet hat«, sei schwierig: »Und es ist schwer, Worte zu finden, um diesen Missbrauch zu beschreiben.«

abstimmung Kurz nach der Abstimmung teilte Rabbiner Walter Rothschild, der nach eigenen Angaben 2017 aus der ARK ausgeschlossen und 2022 wiederaufgenommen worden war, auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen mit: »Wir haben viele Jahre auf diesen Tag gewartet.« Homolkas Ausschluss sei »nur ein Schritt, aber ein wichtiger Schritt«. Er hoffe, dass in Zukunft »mehr ARK-Mitglieder den Mut haben werden, ihre eigene Meinung zu äußern«.

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz ist ein Gremium liberaler und konservativer (Masorti-)Rabbinerinnen und Rabbiner unter dem Dach des Zentralrats. Die ARK vereint Rabbiner und Rabbinerinnen, die in Einheitsgemeinden und in liberalen Gemeinden in Deutschland tätig sind.

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