Nachruf

»Ein strahlender Stern«

Es war für viele Menschen eine lieb gewordene Tradition, alljährlich zu Rosch Haschana von Jacqueline und Joseph H. Domberger einen Neujahrsgruß mit einem Bild zu bekommen, das Frieden und Harmonie vermittelte. Diese Bilder hatte Jaqcueline Domberger jedes Jahr eigens zu diesem Anlass gemalt. In diesem Jahr warteten die Freunde vergeblich. Geht es ihr nicht gut? Ist sie krank? Sie war krank, schwer krank. Am Dienstag, 21. September, einen Tag vor Sukkot, hat sie uns für immer verlassen. Mit ihr hat ihr Mann Joseph H. Domberger mehr verloren, als wir in Worte fassen können. Wir alle haben einen strahlenden Stern verloren, der überall leuchtete, wo Jaqueline Domberger anwesend war – unaufdringlich, bescheiden, und doch voller Präsenz und Ausstrahlung.

Jacqueline Domberger, geborene Collombet, kam am 7. März 1928 in Genf zur Welt. Ihr Weg führte die spätere Kinderpsychologin gemeinsam mit ihrer Mutter nach Argentinien, wo sie Joseph H. Domberger kennen und lieben lernte. Es war eine Liebe, die das Leben der beiden über Jahrzehnte verbinden und prägen sollte.

Liebevolle Mutter Sie war der Kern und Mittelpunkt einer großen Familie, die über alle Kontinente verstreut lebte. Jacqueline Domberger brachte die Familie immer wieder zusammen – zu den Feiertagen in der Be- wahrung eines traditionellen jüdischen Lebens und bei vielen anderen Gelegenheiten. Sie war den Kindern und Enkelkindern eine fürsorgliche und liebevolle Mutter und Großmutter, deren Liebe von ihnen allen erwidert wurde. Nicht zuletzt Jesabel stand ihrer Großmutter auch in den letzten schweren Tagen zur Seite stand.

Dreh- und Mittelpunkt im Leben von Jacqueline Domberger war stets ihr Mann. Mit ihm kehrte sie nach Europa zurück, als ihr Schwiegervater sel. A. den Sohn rief, die Firma in München weiterzuführen. Sie siedelte mit ihm in das Land über, in das sie nach der Schoa nicht mehr hatte kommen wollen. Mehr noch, sie baute auch hier einen Freundeskreis auf, schlug Brücken und reichte die Hand zu einem Miteinander. Keiner kann den Verlust ermessen, den Joseph Domberger nun erleiden muss. Jacqueline stand voll und ohne jede Einschränkung hinter ihm, unterstützte ihn bei der Umsetzung seiner Pläne und Ziele in jeder nur erdenklichen Weise. Sie war an seiner Seite, wenn er im Weißen Haus beim Präsidenten war, sie war bei ihm, wenn es um jüdisches Leben im Lemberg ging. Noch heute erinnert dort ein Auto mit der Aufschrift »Jacqueline« an ihren Einsatz.

Engagement Soziales, Bildung und Erziehung, Naturschutz – das sind nur einige Bereiche, in denen das Ehepaar Domberger aktiv war. Bereits schwer krank, reiste sie vor einigen Monaten gemeinsam mit ihrem Mann nach Israel, um den nach Sohn Simon sel. A. gestifteten Lehrstuhl an der Universität Tel Aviv zu übergeben.

Bei all ihren Aktivitäten hatte sie stets Kraft und Zeit, ein gastfreundliches und musisches Haus zu führen. Künstlerisch begabt schuf sie eine Atmosphäre und ein Ambiente, in dem man sich einfach wohlfühlte. Diese Atmosphäre hielt sie auch in ihren Bildern fest. In diesen wird Jacqueline Domberger für alle weiterleben – für diejenigen, die sie näher kannten, wird ihre liebevolle Ausstrahlung auch in Zukunft eine lebendige Erinnerung sein und sie präsent bleiben lassen. Möge ihre Seele eingebunden sein in das Bündel des ewigen Lebens!

Israel-Hasserin El Hissy

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