Sachsen

Ein Ort der Begegnung

1991 begann die umfangreiche Sanierung der Synagoge. Foto: imago images/Hanke

Lange Zeit hat sich kaum einer für das 1911 geweihte Gebäude im Jugendstil interessiert. Dabei hat die Görlitzer Synagoge als einzige auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen die Pogromnacht der Nationalsozialisten vom November 1938 überstanden. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg fehlten dem Gebäude die Nutzerinnen und Nutzer. Die Jüdische Gemeinde war 1939 aufgelöst worden, viele ihrer Mitglieder wurden in der NS-Zeit verfolgt und deportiert.

Das Denkmal kam 1963 in städtischen Besitz und verfiel zusehends. In den 80er-Jahren setzten sich Bürgerinnen und Bürger dafür ein, den baulichen Verfall aufzuhalten. Doch erst 1991 begann die umfangreiche Sanierung, die in mehreren Etappen realisiert wurde. Am Montag (12. Juli) nun wird nach mehreren Jahren der Vorbereitung das frühere jüdische Gotteshaus als »Kulturforum Synagoge Görlitz« eröffnet. Wegen der Corona-Pandemie waren Termine zweimal verschoben worden. Dazu wird auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erwartet.

innenkuppel Rund 12,6 Millionen Euro flossen in die Bauarbeiten am historischen Gebäude, das zum kulturellen Denkmal von nationalem Rang erhoben wurde. Jetzt schmücken unter anderem wieder Goldene Löwen auf dunkelbraunem Grund die mächtige Innenkuppel. Marmor gibt dem Raum neuen Glanz. Die prachtvollen Jugendstilleuchter, von denen keiner erhalten war, sind nach fotografischen Vorlagen rekonstruiert worden. Zudem konnte die ehemalige Wochentagssynagoge im Seitenflügel saniert werden.

Zur feierlichen Eröffnung wird auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erwartet.

Laut der Stadtverwaltung Görlitz soll sie »ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend eingerichtet und als Anschauungs-, Gedenk- und Gebetsort genutzt werden«. Bei Bedarf soll dort auch ein jüdischer Gottesdienst stattfinden können, hieß es. Dies sei »grundsätzlich auch im Kuppelsaal« möglich, »wenn die Kapazität der ehemaligen Wochentagssynagoge nicht ausreicht«.

torarolle Doch für einen jüdischen Gottesdienst braucht es eine Torarolle, die gibt es bisher noch nicht vor Ort. Die kleine jüdische Gemeinde in Görlitz habe eine, sagt der Vorsitzende der Gemeinde, Alex Jacobowitz. Es sei eine Leihgabe der Israelitischen Kultusgemeinde in Leipzig. Die Gemeinde mit gut 20 Mitgliedern treffe sich derzeit nur sporadisch und in privaten Räumen.

»Wir glauben aber schon, dass mit der Wiedereröffnung der Synagoge sich mehr Menschen melden werden«, sagt Jacobowitz. Die Gemeinde hoffe daher, dass die Stadtverwaltung Görlitz und der Stadtrat dem Vorschlag zustimmen werden, dass eine Torarolle dauerhaft in der Synagoge bleibt. Dennoch erhebe seine Gemeinde keinen Anspruch auf das Gebäude.

Warum die von den Dresdner Architekten William Lossow und Hans Max Kühne entworfene Synagoge die Pogromnacht überstanden hat, ist nicht endgültig geklärt. Die städtische Feuerwehr war angerückt und löschte die Flammen. Doch trotz der Rettung des Monumentalbaus, der Platz für 500 Menschen bot, ist dort kein jüdischer Gottesdienst mehr gefeiert worden.

Die Görlitzer Synagoge hat als einzige auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen die Pogromnacht der Nationalsozialisten vom November 1938 überstanden.

Nur wenige wissen, dass sich in der DDR-Zeit eine Gruppe regimekritischer Jugendlicher für das markante Gebäude eingesetzt hat. Sie hatten am 9. November 1979 Kerzen vor dem Denkmal aufgestellt. Der stille Protest wurde wiederholt und später von der Görlitzer Studentengemeinde fortgeführt.

förderkreis Seit 2004 bemüht sich der »Förderkreis Synagoge Görlitz« mit Führungen und Veranstaltungen um die Wiederbelebung des historischen Ortes. Mit seinem Engagement habe der Verein den Zugang zur Synagoge erst wieder ermöglicht und zugleich um Verständnis für die Geschichte der Juden in Görlitz geworben, sagt der Vereinsvorsitzende Markus Bauer: »Natürlich würden wir uns freuen, wenn es jüdisches Leben wieder geben würde.«

Betreiber des neuen Kulturforums ist die Görlitzer Kulturservicegesellschaft. Sie plant Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen. Das Nutzungskonzept sieht auch Tagungen vor. Nicht erlaubt sind dagegen Messen und Verkaufsveranstaltungen aller Art sowie parteipolitische Veranstaltungen. Er vermisse im bisherigen Programm den »roten Faden«, sagt Bauer. Da bestehe die Gefahr eines »Gemischtwarenladens«, das sei dem Ort nicht angemessen.

Für ein anderes Detail ist die Grundsatzentscheidung aber gefallen: 2022 soll der Davidstern auf die mächtige Kuppel der früheren Synagoge zurückkehren. Die Kosten von rund 70.000 Euro sind durch Spenden gedeckt.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 03.11.2026

Sachsen-Anhalt

Lotto fördert Dachsanierung der Synagoge in Gröbzig

Die jüdische Gemeinde in Gröbzig entstand im 17. Jahrhundert nur wenige Kilometer entfernt von der anhaltischen Residenzstadt Köthen. Die 1796 errichtete klassizistische Synagoge wird seit 1934 als Museum genutzt

 03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026

Verantwortung

Abschied und Neuanfang

David Beck übernimmt als Nachfolger von Andreas Franck das Amt des Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz

von Luis Gruhler  02.11.2026

Feier

»Ein Zuhause«

Es war ein bewegender Moment: Nach langer Planung öffnete die bundesweit wirkende Jüdische Akademie in Frankfurt ihre Türen. Mit Prominenz, rabbinischem Segen - und eindringlichen Worten gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  02.11.2026

Eröffnungsrede

»Raum geben für Differenzierung«

Zentralratspräsident Josef Schuster skizzierte in seiner Rede zur Eröffnung der Jüdischen Akademie, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielen soll. Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut

von Josef Schuster  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 02.11.2026

Eine Akademie für Deutschland

Heute ist in Frankfurt die Jüdische Akademie feierlich eröffnet worden. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  02.11.2026 Aktualisiert