Carlebach-Synagoge Lübeck

»Ein gutes Zeichen für Schleswig-Holstein«

In der Carlebach-Synagoge in Lübeck Foto: Gregor Fischer

Die Jüdische Einheitsgemeinde Lübeck freut sich über ihre prachtvoll restaurierte Carlebach-Synagoge. Benannt nach Rabbiner Salomon Carlebach, der fast 50 Jahre in der Gemeinde wirkte, sollte die Synagoge bereits am 2. April eröffnet werden, doch wegen der Corona-Pandemie wurde die Feier abgesagt.

Am Donnerstag besuchte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) mit Peter Harry Carstensen (CDU), dem neuen Antisemismusbeauftragten des Bundeslandes, die Synagoge an der St. Annen Straße in Lübeck.

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»Diese schöne Synagoge zu feiern, ist ein gutes Zeichen für Schleswig-Holstein und ihr neuer Glanz steht dafür, dass die jüdische Kultur mitten in unsere Gesellschaft gehört«, sagte Karin Prien.

Vielfalt Die Lübecker Synagoge, 1880 eröffnet, in der Pogromnacht 1938 und durch zwei Brandanschläge in den 1990er-Jahren geschändet, würde heute wieder zu den schönsten in Deutschland zählen und sei ein starkes Symbol für das vielfältige religiöse und kulturelle Leben in Schleswig-Holstein.

»Es ist höchste Zeit, gleichwohl die NS-Wunde tief ist, jüdisches Leben wieder in den Alltag und in die Kultur zu bringen«, sagte die Kulturministerin, die vom ersten Gang in den Betsaal zur Bima sichtlich bewegt war.

»Wir sind sehr stolz, das jetzt nach sechs Jahren Restaurierungszeit fast alle Arbeiten beendet sind.«

Gemeindevorsitzender Alexander Olschanski

Sie mahnte aber auch, dass der Antisemitismus »unter uns und sehr dreist ist«, denn vieles würde wieder gesagt, was vor Jahren noch undenkbar war. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie sei es wieder salonfähig, in Verschwörungstheorien die Juden verantwortlich für die Misere zu machen. Das habe auch der gerade veröffentlichte Verfassungsschutzbericht bestätigt. »Das ist ein ernstes Problem, und daher ist es wichtig, dass wir mit dieser Synagoge wieder öffentlich ein Zeichen für das Judentum setzen«, sagte Prien.

Mittel Jüdisches Leben gehöre so, wie die Lübecker Synagoge mitten in der Altstadt sei, mitten in unsere Gesellschaft. Das Land sei sich seiner Verantwortung für den Erhalt der Synagoge immer bewusst gewesen und habe die Sanierung mit 2,6 Millionen Euro gefördert. Weitere Mittel kamen vom Bund und der Hansestadt Lübeck, dessen Bürgermeister Jan Lindenau ebenfalls anwesend war.

Prien dankte der Possehl-Stiftung, der Sparkassenstiftung Lübeck und der Friede-Springer-Stiftung für ihre Unterstützung. »Sie alle helfen, dass wir eine offene Gesellschaft bleiben, und auch diese Synagoge soll und wird ein offenes Haus sein«, dankte die Kulturministerin. Die gesamte Restaurierung kostet zirka zehn Millionen Euro.

»Es ist höchste Zeit, gleichwohl die NS-Wunde tief ist, jüdisches Leben wieder in den Alltag und in die Kultur zu bringen.«

Kulturministerin Karin Prien

»Das ist heute ein bedeutsamer Tag, und ich danke den vielen Menschen, die es möglich machten, dass die Synagoge jetzt restauriert ist«, sagte Peter Harry Carstensen. Indes bedauerte der ehemalige Ministerpräsident, dass die Polizei immer noch direkt vor der Synagoge mit einer Wache präsent sein müsse. »Meine Aufgabe ist es, jüdisches Leben in Schleswig-Holstein wieder selbstverständlich zu machen«, sagte Carstensen.

Ziel Sein nächstes großes Ziel sei es, im nächsten Jahr das Jubiläum der 1700 Jahre währenden Geschichte jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein mit vielen Veranstaltungen gebührend zu feiern.

»Wir sind sehr stolz, das jetzt nach sechs Jahren Restaurierungszeit fast alle Arbeiten beendet sind«, sagte Alexander Olschanski, Vorsitzender der Jüdischen Einheitsgemeinde Lübeck. Nun würden noch eine neue Bima, ein neuer Toraschrein und neue Bänke, die im Kibbuz Lavi in Israel angefertigt wurden, eingebaut.

»Mit Glück feiern wir im August endlich die Wieder-Einweihung unserer Carlebach-Synagoge«, sagte Alexander Olschanski. Er freue sich aber auch auf viele nichtjüdische Gäste, die beispielsweise die künftige Ausstellung in der Synagoge neben der Frauen-Empore über das Wirken Salomon Carlebachs und seiner Familie im nächsten Jahr besuchen können. Die Zeit, zum Schabbat in den Keller zu gehen, ist in Lübeck endlich wieder vorbei.

Alija

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