Projekt

»Ein einzigartiges Signal«

Wolfgang Bahro Foto: dpa

Herr Bahro, warum unterstützen Sie den geplanten Sakralbau »House of One« in Berlin?
Mir ist es einfach ein Bedürfnis, als prominenter Projektbotschafter diese Idee zu unterstützen.

Weshalb?
Ich finde es sympathisch, dass mitten in Mitte am Petriplatz das weltweit erste sakrale Gebäude entstehen soll, das ein jüdisches, muslimisches und christliches Gotteshaus beheimatet. Dort können die Besucher ihre eigene Religion ausleben und trotzdem in Kontakt mit anderen Betern treten. Ich beobachte, dass es ein größer werdendes Bedürfnis nach einem Miteinander von Menschen unterschiedlicher Religionen gibt. Das »House of One« kann dafür in Berlin ein zentraler Platz werden.

Gibt es nicht schon genügend interreligiöse Foren in der Stadt?

Ein gemeinsames Bet- und Lehrhaus existiert in dieser Form bisher noch nicht. Ein Ort, an dem öffentlich und für jeden frei zugänglich Juden, Christen und Muslime Gottesdienste feiern und auch mit den mehrheitlich säkularen Bürgern der Stadt in Dialog treten, wäre ein Novum. Orte, an denen abseits von vorschnellen Urteilen und Ressentiments ein positives Gespräch in Gang gesetzt wird, kann es meiner Ansicht nach nicht genug geben.

Wissen religiöse Menschen zu wenig von anderen Konfessionen?
Diese Erfahrung habe ich oft gemacht, ja. Ich glaube, dass Unkenntnis und Unwissen Vorurteile begünstigen. In dem Moment aber, wo Menschen einander begegnen und sich austauschen, meinetwegen auch leidenschaftlich miteinander diskutieren, findet Annäherung anstelle einer Konfrontation statt.

Eignet sich Berlin besonders für ein Gebäude mit einer solchen Botschaft?
Von Berlin und vielen seiner Bürger ging zwischen 1933 und 1945 unsagbares Leid aus. Dass jetzt an demselben Ort ein gemeinsames Bet- und Lehrhaus für Juden, Muslime und Christen entstehen soll, ist ein einzigartiges Signal. Wie Rabbiner Tuvia Ben-Chorin immer so schön sagt: Berlin hat sich im Laufe der Jahrzehnte von einer Stadt der Wunden in eine Stadt der Wunder verwandelt. Das »House of One« wäre solch ein Wunder.

Würde Ihr TV-Alter-Ego Jo Gerner sich für den interreligiösen Dialog engagieren?
Nur wenn es ihm nützt (lacht). Ich spiele den Gerner bei »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« nun schon seit mehr als 20 Jahren. Soziales Engagement gehört sicher nicht zu seinen Qualitäten - auch wenn Gerner in den vergangenen Jahren immer softer wurde.

Das Gespräch führte Philipp Peyman Engel.

www.house-of-one.org

Wolfgang Bahro gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den bekanntesten deutschen TV-Bösewichten. In der Seifenoper »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« verkörpert er seit 1993 den durchtriebenen Rechtsanwalt Jo Gerner. Neben seinem Engagement beim Fernsehen spielt der 1960 geborene Berliner regelmäßig Theater, zuletzt am Jüdischen Theater in der Friedrichstraße.

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026

Hilfe

Wärme schenken

Die Mitzwe Makers unterstützen mit der »Warmnachten«-Aktion obdachlose Menschen in der kalten Jahreszeit mit Sachspenden

von Esther Martel  04.02.2026

Podcast

Von Adelheid bis Henriette

Journalisten und Historiker gehen dem Leben jüdischer Frauen im 19. und 20. Jahrhundert nach

von Katrin Richter  04.02.2026

Umwidmung

Kein Zeitplan für Yad-Vashem-Straße in Berlin

Nach der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll ein Straßenabschnitt im Herzen von Berlin benannt werden. Bislang ist unklar, wann dies erfolgt

 03.02.2026

Tu Bischwat

Erste Blätter

Wie stellen sich jüdische Kinder das Neujahrsfest der Bäume vor? Wir haben einige Mädchen und Jungen gebeten, für uns zu malen

 02.02.2026

Berlin

Lehrerin und Heimatforscher mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die US-amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr wurden vier Personen und eine Initiative geehrt

 01.02.2026

Porträt der Woche

Willkommen zu Hause

Laurette Dassui wuchs in Paris auf und entdeckte in Berlin ihr Jüdischsein neu

von Gerhard Haase-Hindenberg  01.02.2026

München

Wege aus dem Hass

Der amerikanisch-israelische Psychologe Dan Ariely und Guy Katz sprachen im »Prof-Talk« über Antisemitismus aus unterschiedlicher Perspektive

von Esther Martel  31.01.2026