München

Ein besonderes Geschenk

Robert Brannekämper und Charlotte Knobloch Foto: Astrid Schmidhuber

München

Ein besonderes Geschenk

Anlässlich des 90. Geburtstags von Charlotte Knobloch spielte das Gebirgsmusikkorps im Hubert-Burda-Saal

von Stefanie Witterauf  10.11.2022 09:40 Uhr

Bevor es losgehen kann, müssen noch mehr Stühle geholt werden. Denn es sind so viele Gäste gekommen, dass die Sitzplätze im Gemeindesaal nicht ausreichen. Und selbst dann müssen noch einige stehen. Ein besonderes Festkonzert im Hubert-Burda-Saal zog am Montagvormittag mehr als 200 begeisterte Besucher an.

Anlässlich des 90. Geburtstags von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch spielte das Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen. Dieses besondere Geschenk, ein »Strauß an Melodien«, wurde nachträglich vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und von der Bundeswehr überreicht und war schon lange geplant. Beim Refrain des bekannten Geburtstagsmarschs wurde erst zaghaft und dann freudig mitgesungen, vor allem von den Kindern des Kindergartens und der Sinai-Schule, die ebenfalls im Saal anwesend waren.

laudatio Der Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper gratulierte Charlotte Knobloch in seiner Laudatio nicht nur zu ihrem Ehrentag, sondern lobte ihr Lebenswerk und ihre Botschaft, die mit der des Volksbundes geradezu bilderbuchhaft übereinstimmen würde: das Eintreten für Freiheit, Demokratie, nie wieder Krieg und ein freundliches, friedliches Miteinander.

Das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr zeigte sein breites Repertoire. Hauptmann Rudolf Piehlmayer leitete durch die melodischen Stücke des belgischen Komponisten Jan Van der Roost bis hin zur jazzigen Filmmusik aus den 70er-Jahren. Und dies tat er so mitreißend, dass einige der Kinder ihn nachahmten und auf ihren Stühlen ebenfalls den Takt dirigierten.

Eine besondere Anekdote zur Musikauswahl gab der zweite Vorsitzende des Volksbundes, Heinrich Stadelmaier, zum Besten: Während seines Studiums habe er den Film Children of Sanchez analysieren müssen und noch heute könne er sich an die starke, weibliche Hauptrolle erinnern, gespielt von Dolores del Rio, die den Menschen mit Stärke und Liebe begegnete. An diese großartige Frau erinnere ihn Charlotte Knobloch.

jubilarin »Ein Geburtstag ist kein Grund, älter zu werden«, bemerkte hingegen der Kommandeur des Landeskommandos Bayern, Brigadegeneral Thomas Hambach. Wegen ihrer Energie, ihrer klugen Worte und ihres stetigen und beharrlichen Eintretens für die richtige Sache sei er ein großer Fan der Jubilarin.

»Es ist kein Geheimnis, dass ich bei Feiern am liebsten mit in der Organisation bin«, sagte diese. Doch die Glückwünsche, gesungen oder gesprochen von den Kindergartenkindern und den hochkarätigen Gästen des Volksbundes und der Bundeswehr, würden sie glücklich machen, ergänzte Charlotte Knobloch. »So vieles, das früher nicht möglich war, ist heute längst Realität.«

Von der Normalität für jüdisches Leben, die sie sich zum Geburtstag gewünscht habe, sei man jedoch noch immer weit entfernt. »Wie überlebensnotwendig ein echter, physischer Schutz ist, muss in einer jüdischen Gemeinde ohnehin nicht mehr erklärt werden«, sagte die IKG-Präsidentin.

Mit dieser Sicherheit im Bewusstsein wurde an diesem Tag aber groß gefeiert – so groß, dass das Gebirgsmusikkorps am Ende sogar noch eine Zugabe spielte.

Chemnitz

Gestohlener Davidstern sichergestellt

Unbekannte hatten laut Polizei in der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkortes eine Schautafel beschädigt und den Davidstern mitgenommen

 28.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Düsseldorf

Attacke auf Juden wird Thema im Landtag NRW

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Juden am vergangenen Dienstag sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Nun soll Innenminister Reul (CDU) im Innenausschuss Auskunft geben

 28.09.2026

Architektur

Von Brandenburg nach Haifa

In Finow wird ein historisches Kupfer-Haus restauriert. Einst von Walter Gropius modernisiert, zogen die mobilen, industriell gefertigten Bauten mit ihren Eigentümern bis nach Palästina

von Mark Feldon  27.09.2026

Literatur

Wenn Fiktion zur Geschichtsschreibung wird

Der israelische Bestsellerautor Dror Mishani stellte im Gespräch mit Richard C. Schneider seinen neuen Roman »Nicht« vor

von Nora Niemann  27.09.2026

München

»Ihr Licht ist nicht verloschen«

Die Frauen-Mikwe der Gemeinde trägt seit Kurzem den Namen von Rebbetzin Shoshana Brodman

von Luis Gruhler  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026

Engagement

Erstklassig, Digga!

Der Fußballverein Hannover 96 ist nun beim Projekt »Shalom, Digga« in Niedersachsen mit dabei

von Katrin Richter  24.09.2026

Kommentar

Sprecht mit uns. Nehmt uns ernst

Herr Ramelow, die jüdische Gemeinschaft, die vor Judenhass warnt, ist nicht das Problem. Antisemitismus ist das Problem - insbesondere in Ihrer Partei

von Avitall Gerstetter  24.09.2026