Tu Bischwat

Ein Apfelbäumchen für die Zukunft

Blühende Apfelbäume: Regionalität und Nachhaltigkeit sind wichtige Kriterien beim Klimawandel. Foto: imago images/blickwinkel

Elki Havlin mag Tu Bischwat. »Es ist ein schöner Feiertag«, sagt die 13-Jährige, die in Berlin das Gymnasium der Jüdischen Traditionsschule besucht. Hier hat sie auch einen Baum gepflanzt. Im vergangenen Jahr hat sie Tu Bischwat in der Schule gefeiert. Damals hatten sich die Lehrer Fragen für ein Quiz rund um das Neujahrsfest der Bäume ausgedacht. Und die Schüler sollten sie beantworten.

Wie es der Brauch für dieses Fest vorsieht, gab es auch noch ein Frühstück mit sieben verschiedenen Früchten, erzählt Elki. Granatapfel mag sie davon am liebsten.

Elki Havlin isst von den sieben Früchten den Granatapfel am liebsten.

Ihren Lebensmittelpunkt hat Elki jedoch in Dresden, und so hat sie den vergangenen Tu-Bischwat-Seder auch in der Dresdner Gemeinde gefeiert. Jedes Jahr begeht die Gemeinde das Fest der Bäume, und Elki hat bereits mehrmals einen Baum gepflanzt und den Samen in der Erde vergraben. Der Klimawandel, über den in jüngster Zeit so viel gesprochen wird, ist auch für sie ein wichtiges Thema.

Trockenheit Sie erinnert sich an die trockenen Sommer von 2018 und 2019. »Denn der belastet ja auch die Bäume.« Viele Bäume seien regelrecht vertrocknet. Von daher sei es auch wichtig, neue zu pflanzen, fordert die Schülerin. Wenn sie sich nicht mit dem Klima beschäftigt und neben der Schule noch Zeit findet, liest sie gern hebräische Bücher, tanzt oder spielt Klavier und Flöte.

Fanny Frank möchte auf Weltreise gehen und so viele Baumarten wie möglich kennenlernen.

Wenn Fanny Frank aus Berlin durch den Garten der Schule geht, kommt sie oft an einem Birnbaum vorbei. Der spielt für Fanny, die ebenfalls die Jüdische Traditionsschule in Berlin besucht, eine wichtige Rolle, denn sie hat ihn vor Jahren selbst gepflanzt. Manchmal bleibt sie vor ihm stehen und schaut, wie er wächst.

Sie hat eine ganz besondere Beziehung zu Tu Bischwat, denn wenige Tage nach dem Fest der Bäume feiert sie ihren eigenen Geburtstag und wird 13 Jahre alt. Sie geht in die siebte Klasse und beschäftigt sich ab und zu auch mit dem Klimawandel. Dazu hat sie zu Hause schon einige Wissensbücher mit großem Interesse gelesen.

Sie schmökere ohnehin sehr viel, erzählt Fanny. Pläne für ihre Zukunft hat sie auch schon: Sie möchte auf Weltreise gehen und die Natur der einzelnen Länder kennenlernen. »Aber auch die Städte«, sagt Fanny. Auf den Reisen würde sie sich liebend gern viele verschiedene Baumarten ansehen.

Tu-Bischwat-Seder Die Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums in Düsseldorf begehen den Tu-Bischwat-Seder gemeinsam. »Wir haben mehrere Aktivitäten, wir lernen die verschiedenen Früchte wie beispielsweise Granatapfel, Datteln, Feigen, und Oliven kennen und singen Tu-Bischwat-Lieder«, erzählt die 13-jährige Lielle.

Sie mag von den sieben Früchten die Oliven besonders. Die Siebtklässlerin findet, dass Tu Bischwat einen sehr fröhlichen Charakter hat. Das liebt sie besonders an dem Fest: »Geburtstagsfeiern sollen ja auch schön sein.« In ihrem Gymnasium haben sie und andere Schüler vor Kurzem Bäume gepflanzt. Aber auch Obst- und Bambushecken.

»Ich gucke öfters nach ihnen, denn was man selbst gepflanzt hat, dazu hat man eine andere Beziehung.« Lielle ist zufrieden: »Die Hecke sieht schön aus.« Ihre Familie pflegt aber auch zu Hause das Fest. Dort singen sie gemeinsam Tu-Bischwat-Lieder. Auch Lielles Familie macht sich Gedanken um die Umwelt und überlegt, wie man sie schonen kann.

Zu Hecken, die man selbst pflanzt, hat man ein besonderes Verhältnis, sagt Lielle.

Ihre Konsequenz: Sie kaufen unverpacktes Obst und Gemüse und benutzen keine Plastiktüten mehr. Sie haben eine ganze Sammlung an Plastiktüten zu Hause. »Die benutzen wir immer wieder, damit wir keine neuen kaufen müssen«, erklärt Lielle das Vorgehen.

Öffentlicher Nahverkehr Wenn es möglich ist, verzichtet die Zwölfjährige auch auf die Fahrdienste der Eltern und fährt statt mit dem Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder geht zu Fuß zur Schule.

Noémi hat Angst, dass der Klimawandel weiter voranschreitet und es kein Zurück mehr gibt.

»Ich habe im vergangenen Sommer viele Bäume gesehen, die schlecht aussahen«, erzählt Noémi. Sie ist wie Lielle Schülerin des Albert-Einstein-Gymnasiums. Auch in Düsseldorf sei es in den Sommermonaten der vergangenen zwei Jahre sehr trocken gewesen.

»Ich habe Angst, dass es kein Zurück mehr gibt und der Klimawandel immer stärker wird und weiter voranschreitet«, befürchtet die Düsseldorfer Schülerin. Die Idee, dass auch alle Bäume einen Geburtstag haben, findet Noémi wunderbar. Deswegen liebt sie auch die Tu-Bischwat-Feier in der Schule. Sie mag es auch, dass die Schüler zusammenkommen und dadurch ein gutes Gemeinschaftsgefühl entsteht.

Altenheim An eine Feier kann sie sich besonders gut erinnern: Als sie noch die Grundschule besuchte, sind alle Schüler gemeinsam zu einem Altenheim gefahren und haben dort einen Baum gepflanzt. Noémi feiert das Neujahrsfest aber auch zu Hause. An Tu Bischwat kommen Freunde, und sie machen sich dann über die leckeren Früchte wie Datteln und Feigen her.

Benjamin Tutaev hat am 10. Februar, dem 15. Schwat, alle Hände voll zu tun, da er gemeinsam mit seinen Freunden und Klassenkameraden ein Sushi aus Früchten herstellen will. »Ich mag alle Früchte«, sagt der Elfjährige, der in die sechste Klasse geht. Bei der Feier am Albert-Einstein-Gymnasium werden der fünfte und der sechste Jahrgang gemeinsam feiern. »Dann singen wir auch Lieder und sagen den Segensspruch für die Bäume.«

Benjamin Tutaev bereitet gemeinsam mit Freunden aus den sieben Früchten Sushi-Röllchen zu.

Außerdem pflanzt er jedes Jahr mit seiner Familie in ihrem Schrebergarten einen Baum. Mittlerweile stehen dort schon mehrere Birn- und Apfelbäume. Auch seine Familie geht mit den Ressourcen sehr behutsam um und benutzt Plastiktüten mehrmals, um die Umwelt zu schonen. Denn dann gehe es auch den Pflanzen gut, weiß seine Familie – und Benjamin erst recht.

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