Engagement

Ehrung für Moris Lehner

Lasst uns das Glas heben», sagte Charlotte Knobloch und eröffnete den Donnerstagabend vergangener Woche, an dem Moris Lehner die Ehrenmitgliedschaft in der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern verliehen wurde, mit einem Toast: «Auf Professor Moris Lehner. L’Chaim!»

Im vergangenen Sommer war es Rachel Salamander, die geehrt wurde. Und sie war jetzt, an diesem besonderen Abend, unter den Gästen und erhob ihr Glas auf Lehners Wohl. Die Ehrung war eingebettet in ein feierliches Abendessen mit mehreren Gängen im Restaurant «Einstein». Neben der IKG-Präsidentin und den beiden Vizepräsidenten Yehoshua Chmiel und Peter Guttmann waren auch weitere Mitglieder des Vorstands sowie der Oberstaatsanwalt und Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz, Andreas Franck, anwesend.

dank «Manche tun mehr, als sie tun müssen», sagte Rabbiner Shmuel Aharon Brodman. Eine Hälfte der Menschen würde nur an sich denken, die andere Hälfte denke auch an die anderen. Es sei indes ganz offensichtlich, zu welchem Teil Moris Lehner gehöre. «Ich danke ihm für das, was er für die Gemeinde getan hat», so Rabbiner Brodman.

Viele, die gekommen sind, teilen persönliche Erinnerungen.

Viele, die gekommen waren, teilten persönliche Erinnerungen mit Moris Lehner, der bis 2021 noch Teil des IKG-Vorstands war. Und IKG-Vizepräsident Peter Guttmann gab eine Anekdote zum Besten, die ihn mit dem solcherart geehrten Lehner verbindet.

So erzählte er von einem Fehler, der ihm 2004 bei seinem ersten Treffen mit Lehner unterlaufen sei. Damals habe er irrtümlich behauptet, der einzige Jurist im IKG-Vorstand zu sein. Moris Lehner, der damals den Lehrstuhl für Öffentliches Wirtschafts- und Steuerrecht innehatte und Leiter der Forschungsstelle für Europäisches und Internationales Steuerrecht an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität war, habe es ihm zum Glück nicht übel genommen.

satzung Gemeinsam mit Markus Baur, ebenfalls Jurist und ehemaliges Vorstandsmitglied, änderten Lehner und Guttmann 2017 die Gemeindesatzung, die noch von Fritz Neuland, dem Vater von Charlotte Knobloch, aufgesetzt worden war und zeitgemäß angepasst werden musste. «Ich konnte mich immer auf dich verlassen», sagte Guttmann. Er lobte das Engagement Lehners in den höchsten Tönen und wünschte ihm Gesundheit, Glück und Zufriedenheit: «Mazel tov.»

Dem Lob ihres Vizepräsidenten schloss sich Charlotte Knobloch an. Durch Offenheit und seine enzyklopädische Expertise habe sich Lehner die IKG-Rechtsräume erschlossen und das Gremium über viele Jahre hinweg durch kluge Analysen und mit der Fähigkeit, schwierige Themen sofort zu durchdringen, unterstützt. Auf diese Weise bereicherte er nachhaltig die Gemeinde. «Auch Ihr wunderbarer trockener Humor, den anzubringen Sie sich hier und da gestatteten, trug dazu bei, manche lange Sitzung erträglicher zu gestalten», sagte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch.

Oberstaatsanwalt Andreas Franck sprach von Jurist zu Jurist, jedoch sei es in diesem Fall so, als würde ein Doktorand mit dem Chefarzt reden. «Denn meine Karriere endete mit dem zweiten Staatsexamen – Ihre begann mit ihm», sagte Franck. Mit Humor zählte er die wissenschaftlichen Erfolge Lehners auf, erwähnte etwa Lehners Doktorarbeit, deren Titel er nicht verstehen würde, denn er sei ja nur Strafrechtler.

vorstandsarbeit Als international angesehener Wissenschaftler, als Koryphäe der internationalen Jurisprudenz, hätte Lehner sich mit Fleiß und Engagement der IKG gewidmet, so deren Präsidentin. Dies sei ein besonderer Glücksfall gewesen: «Das Klein-Klein der Vorstandsarbeit und die Mühen der Ebene in einer so großen Gemeinde haben Sie durchlebt – und manchmal auch durchlitten –, obwohl Sie wussten, dass es dafür in vielen Fällen keinen Dank geben würde», sagte Charlotte Knobloch und überreichte die gerahmte Urkunde an Lehner.

«Die Ehrenmitgliedschaft, die wir Ihnen heute verleihen, kann nur ein kleiner Ausdruck des Dankes sein, gemessen an den Verdiensten, die Sie sich um die IKG erworben haben. Es war trotzdem uns allen – und ganz besonders mir – ein Anliegen, Ihnen auf diese Weise unsere Anerkennung auszudrücken.»

«Du fehlst uns», betonte IKG-Vizepräsident Chmiel in seinem Schlusswort am Ende des feierlichen Abends.

«Wir hatten es nicht immer leicht miteinander», sagte Moris Lehner. Er bedankte sich für das Lob und entgegnete bescheiden: «Es ist nicht nur mein Verdienst, das wissen wir alle.» Besonders hob er in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit dem Präsidium hervor. Aufgrund ihrer Begeisterung für alles Juristische würde er einen der zahlreichen Ehrendoktortitel Knoblochs am liebsten von «honoris causa» in ein «iur.» verwandeln.

geständnis Besonderen Dank sprach Lehner seiner Frau Anne-Rose aus, sie sei sein Kompass. Und zum Schluss machte er ein Geständnis. Zwar habe er als Jurist dazu beigetragen, die Satzung der Gemeinde so anzupassen, dass jeder, der sich bekennt, einen Gemeindebeitrag zahlen muss. Doch sei er selbst einer gewesen, der die Gemeinde fünf Jahre lang um den Mitgliedsbeitrag gebracht hätte. Denn er sei offiziell erst seit dem 16. September 1954 Mitglied – dabei sei er schon zuvor mit seiner Geburt im Jahr 1949 Gemeindemitglied gewesen. Lehner lachte, als er diese Geschichte erzählte.

«Du fehlst uns», betonte IKG-Vizepräsident Chmiel in seinem Schlusswort am Ende des feierlichen Abends. «Du fehlst dem Vorstand und auch der Gemeinde. Wir werden dich nicht fragen, ob du kommst, sondern wir werden dich einberufen.»

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