München

»Dumpfer Judenhass und Antizionismus«

In der vergangenen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen hat IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch sich im Interview zu der Entwicklung geäußert, dass »der Hass auf Juden und Israel inzwischen wieder alle Dämme sprengt in Deutschland«. So manche jüdische Familie frage sich vor diesem Hintergrund, ob sie in der Bundesrepublik noch eine Zukunft hat. »Ich weiß, dass auch in der jüdischen Gemeinde München immer mehr Menschen eine ›Flucht‹ in Erwägung ziehen«, so Knobloch.

Als aufmerksamer Beobachter dieser Entwicklung fällt mir auf, dass dieses neue Unsicherheitsgefühl der jüdischen Münchner seit dem vergangenen Jahr verstärkt auftritt. Ausschlaggebend dafür war die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hamas in und um Gaza, die in Deutschland besonders hässliche antisemitische Kundgebungen hervorgerufen hat. Besonders der Missbrauch des Demonstrationsrechtes für Hassausbrüche gegen Israel, aber eben auch den deutschen Juden, unseren Nachbarn und Mitmenschen, hat bei diesen schlimme Erinnerungen geweckt.

medien Das wirklich Neue an der Situation war aber, dass hier nicht zuvorderst, wie man erwarten könnte, Neonazis die Luft verpestet haben, sondern radikale Muslime in großer Zahl auf die Straße gegangen waren und aus dem linken politischen Spektrum nachhaltig unterstützt wurden. Das hat das Klima in der Stadt vergiftet. Ein Auslöser dieser Stimmung war zudem die in linken und liberalen Medien weit verbreitete kritische Stimmung und auch die Art der Wortwahl gegen Israel, die diese radikalen Judenhasser ermutigt haben, sich derart aus dem Fenster zu lehnen, weil sie sich damit vermeintlich im Mainstream bewegen.

Dabei ist in diesem Punkt eine ganz besondere Sensibilität gefragt. Israel und die Juden sind und bleiben für Deutschland nicht ein x-beliebiges Land oder x-beliebige Menschen. Wir haben hier nach wie vor eine ganz besondere Verantwortung! Kritik an Israel und seiner Politik ist natürlich statthaft, trotzdem sollte sich die schreibende und mediale Zunft immer auch fragen, welche Auswirkungen ihre Kommentare auf das Leben unserer jüdischen Mitbürger hat, welche Stimmungen so etwas hervorrufen und verstärken kann.

Sie sollten sich auch fragen, welche Radikalen damit mit ihrem dumpfen Judenhass und Antizionismus aus ihren Löchern kriechen und meinen, sie könnten nun unbeschadet in der Öffentlichkeit aussprechen, was sie in ihren konspirativen Zirkeln und auch dubiosen Hinterhofmoscheen denken.

Muslime Das betrifft wohlgemerkt über 90 Prozent der hier lebenden Muslime gar nicht, genauso wie den weitaus größten Teil unserer Bevölkerung. Nur: Die Auswirkungen des Tuns radikaler Kräfte auf das Bild der Bundesrepublik und den inneren Frieden, insbesondere den Frieden des jüdischen Teils der Gesellschaft, sind fatal!

Denn die Folge waren auch offene, verbale und auch gewaltsame Übergriffe und Angriffe in Berlin, Darmstadt und anderswo, auf Rabbiner, auf Bürger, die ihre Kippa zu Recht mit Stolz und tiefem Glauben tragen, auf Menschen wie du und ich – und das in Deutschland im Jahr 2014!

Die Politik hat reagiert, natürlich, die Kirchen haben natürlich auch Solidarität gelobt, die Medien haben berichtet und kommentiert, wie zu erwarten. Aber ob die richtigen Schlüsse daraus gezogen wurden, das wird sich vermutlich erst im Laufe dieses Jahres zeigen. Die Anschläge in Paris waren ein Menetekel, das sich in Deutschland hoffentlich nicht irgendwann wiederholt.

wohlfeil Wir müssen unseren jüdischen Mitbürgern unsere Solidarität täglich beweisen, indem wir sie gegen Hass, gegen Beleidigungen, gegen Gewalt und gegen ungerechtfertigte Kritik verteidigen. Diese Verteidigung beginnt nicht in irgendeinem höheren Gremium oder bei irgendwelchen wohlfeilen Veranstaltungen, sondern im Alltag aus der Mitte der Gesellschaft.

Ich meine, unsere jüdischen Mitbürger sind und bleiben Teil unseres Lebens, und sie müssen sich auch so verstehen können. Deshalb bedürfen sie der Aufmerksamkeit und des Schutzes durch uns alle – und zwar andauernd! Das sollte auch jetzt nicht vergessen werden, wo sich der Fokus des öffentlichen Interesses – Stichwort Pegida-Proteste – stark auf ein anderes Problem unseres Landes richtet.

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

WM 2026

Tooooooooooooooooor!

Zwischen Training, Turnieren und Stadionbesuchen: Jüdinnen und Juden berichten, warum Fußball für sie mehr ist als das runde Leder

von Christine Schmitt  12.06.2026

Jewrovision

»Wir glauben an uns«

Die Jugendlichen von Neschama performten einen eindrucksvollen Act und räumten den begehrten Videopreis ab

von Luis Gruhler  11.06.2026

Berlin

Jüdischer Juristenverband als herausragende soziale Initiative ausgezeichnet

Die Organisation jüdischer Juristen ist eines von 25 Projekten, die vom Verein »startsocial« für ihr Engagement gewürdigt wurden. Gastgeber der Ehrenveranstaltung war Bundeskanzler Friedrich Merz

 11.06.2026

Kulturfest

Jüdische Woche in Leipzig

70 Leipziger Institutionen und Vereine gestalten ein Programm zu jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart. Erwartet werden internationale Gäste

 11.06.2026

Dresden

Elnet: Initiative soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Kampagne ist Teil des Themenjahres »Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026« und wird zunächst sechs Wochen sichtbar sein

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026