Emanzipation

»Die neu erlangte Freiheit währte nur kurz«

Eröffnung mit Mirjam Zadoff, Clemens Baumgärtner, Charlotte Knobloch und Renate Maltry (v.l.)

Erst im Sommer 1922, vor wenig mehr als 100 Jahren also, erhielten Frauen Zugang zum Studium der juristischen Berufe. Zuvor war es ihnen zwar bereits möglich gewesen, Recht zu studieren. Doch erst mit dem »Gesetz über die Zulassung der Frauen zu den Ämtern und Berufen in der Rechtspflege« konnten Frauen auch das Staatsexamen ablegen und schließlich bis zum Richteramt aufsteigen. Unter den ersten Pionierinnen, die diesen Weg beschritten, fanden sich nicht zuletzt viele jüdische Frauen, die es zur juristischen Laufbahn zog.

Der Aufarbeitung dieses wichtigen Schritts der Emanzipation in der Weimarer Republik hat sich der Deutsche Juristinnenbund bereits vor einigen Jahren mit der Herausgabe einer ausführlichen Broschüre gewidmet.

Zeitgleich entstand auch eine Wanderausstellung, die 17 jüdische Juristinnen und deren Schicksal porträtiert. Eröffnet zuerst im Landgericht Halle (Saale), wurde sie auch in München schon mehrfach gezeigt und gastiert nun seit vergangener Woche im städtischen Referat für Arbeit und Wirtschaft in der Herzog-Wilhelm-Straße.

Dass die Wanderausstellung bereits so oft gezeigt werden konnte, wertete Knobloch als Beleg für ihre besondere Qualität

»Die neu erlangte Freiheit für jüdische Juristinnen währte nur kurz«, rief Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, in ihrem Grußwort zur Eröffnung in Erinnerung. »Wo eben erst Hemmnisse aufgrund des Geschlechts beseitigt worden waren, schloss sie ab 1933 der repressive Staat der Nationalsozialisten aus.« Dass die Wanderausstellung bereits so oft gezeigt werden konnte, wertete Knobloch als Beleg für ihre besondere Qualität.

Der Referent der Landeshauptstadt München für Arbeit und Wirtschaft, Clemens Baumgärtner, bezeichnete die Biografien der jüdischen Juristinnen als »eine Quelle für Mut und Inspiration«. Es gelte, nicht nur an die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch aufzuzeigen, dass damals »ein wesentlicher Beitrag zum heutigen Rechtswesen gestiftet wurde«. Mirjam Zadoff, Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München, erinnerte an die von Jeanne Hersch geprägte Sentenz über das »Recht, ein Mensch zu sein«. Herschs Fähigkeit, immer gegen den Strom zu sprechen, solle stets als ein Beispiel vor Augen bleiben, so Zadoff.

Die frühere Vizepräsidentin des Deutschen Juristinnenbunds, Renate Maltry, führte die Anwesenden schließlich durch die Ausstellung und erläuterte einige Lebensläufe besonders herausragender Persönlichkeiten: Elisabeth Kohn etwa beriet im Dritten Reich jüdische Bürger bei Emigrationsangelegenheiten und wurde schließlich selbst deportiert. Brigitte Bodenheimer dagegen gelang die Flucht in die USA, wo sie 1972 an der Universität von Kalifornien zur Professorin berufen wurde.

Dialog zwischen den Religionen

»Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 2026« in Köln eröffnet

Mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an den katholischen Judaisten Christian Rutishauser beginnt die einstige »Woche der Brüderlichkeit«

 08.03.2026

Ehrung

Holocaust-Überlebender Leon Weintraub erhält Göttinger Friedenspreis

Auszeichnung für einen Hundertjährigen und für das Schulnetzwerk »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage«

 08.03.2026

Internationaler Frauentag

Sie machen die Gemeinden

Wie prägen Frauen die jüdische Community? Wir haben uns bei Vorsitzenden umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  08.03.2026

Porträt

Mit viel Gespür

Franklin Oberlaender ist Familientherapeut, liebt Bücher und das Genre »Film Noir«

von Alicia Rust  08.03.2026

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026