Kunstatelier Omanut

Beschallung mit wunderbaren Stimmen

Judith Tarazi ist Kunsttherapeutin und arbeitet im Atelier Omanut Foto: Chris Hartung

Kunstatelier Omanut

Beschallung mit wunderbaren Stimmen

Judith Tarazi über das erste Inklusions-Konzert, Vandalismus und offene Türen

von Christine Schmitt  22.10.2024 13:41 Uhr

Frau Tarazi, Sie leiten das Atelier »Omanut«. Das ist ein künstlerisch orientiertes Projekt für Menschen mit geistiger Behinderung und psychischen Erkrankungen. Träger ist die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Nun stellen Sie ein Inklusions-Konzert mit dem Titel »Voice of Omanut« in der Jüdischen Galerie auf die Beine. Was verbirgt sich dahinter?
Es ist ein Konzert, das zwei Teilnehmer unseres Ateliers und zwei professionelle Musiker gestalten werden. Sie konzertieren sozusagen im Tandem. Die Idee dazu haben wir schon vor längerer Zeit entwickelt, weil wir bei Omanut mehrere sehr begabte Musikerinnen und Musiker haben. Es ist verlockend, in unserer Jüdischen Galerie in Tempelhof einmal etwas anderes als eine Ausstellung zu machen. Ich bin wirklich sehr aufgeregt, weil es eine absolute Premiere sein wird. So etwas haben wir noch nie angeboten.

Werden Sie finanziell unterstützt?
Ja. Wir haben einen Antrag mit der Bitte um Förderung beim Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg gestellt. Der wurde bewilligt – und deswegen können wir es uns nun leisten, auch professionelle Musiker zu engagieren.

Gabriel Loewenheim ist als Bariton bekannt, Gad Kadosh als Pianist, Chorleiter und Dirigent, aber Ilka Winckler und Leo Stein, die regelmäßig das Atelier besuchen, dürften den wenigsten ein Begriff sein. Wie haben die vier Musiker das Programm erarbeitet? 
Leo ist ein begeisterter Gitarrist, und Ilka ist tatsächlich auch ausgebildete Opernsängerin. Beide sind Teilnehmer des Ateliers. Sie haben ihre Favoriten bei den Stücken genannt, über die dann alle vier gemeinsam diskutiert haben. Schließlich ist ein sehr gemischtes Programm entstanden. Es werden sowohl jüdische Lieder als auch Opernarien zu hören sein. Und natürlich auch die Jazzgitarre. Die beiden Profis haben das extrem einfühlsam begleitet. Ich habe schon bei einigen Proben zugehört – sie sind atemberaubend.

Ist das der Beginn einer neuen Reihe?
Das wäre eine sehr gute Idee. Wir sehen uns das erst einmal an, die Jüdische Galerie ist ja nicht besonders groß. Wahrscheinlich kann auch nicht jeder einen perfekten Sitzplatz mit perfekter Sicht haben. Aber ich hoffe, man kann trotzdem die Musik genießen. Wir lassen alle Türen offen. Die Musiker werden so ganz Tempelhof- Schöneberg mit ihren wunderbaren Stimmen beschallen.

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Sind die anderen Besucher des Ateliers auch künstlerisch integriert?
Wir haben natürlich überlegt, wie wir alle sozusagen »mit ins Boot« nehmen können. Und so entstand die Idee, ein Publikum zu gestalten. Jeder hat einen oder mehrere »Köpfe« aus Pappe ausgeschnitten und bemalt, die nun an der Wand hängen – aber keinen Platz wegnehmen.

Die Kaiserin-Augusta-Straße liegt in einem eher ruhigen Kiez in Tempelhof. Gab es schon Probleme mit Vandalismus?
Ja. Nach dem 7. Oktober 2023 wurde zweimal unser Schild abgerissen. Wir haben es der Polizei gemeldet. Deswegen finden wir es wichtig, uns im Kiez auch gut zu positionieren. Wir sind da. Bisher hatte ich immer das Gefühl, dass wir sehr wohlgelitten sind, denn wir erhalten sehr viel positives Feedback, es kommt eher die Beschwerde, dass wir nicht genügend tun. Viele würden sich wünschen, dass wir öfter eine Veranstaltung oder eine Ausstellung anbieten. Demnächst werde ich unser Schild von innen aufhängen.

Gibt es weitere Pläne?
Anfang Dezember präsentiert eine Teilnehmerin ihre Einzelausstellung in der Galerie. Ihr Schwerpunkt liegt in der Malerei. Ferner beteiligen wir uns in Tempelhof-Schöneberg an dem Projekt »Nachbarschaft«, bei dem sich Institutionen im Bezirk vorstellen. Dieses Angebot gibt es regelmäßig. Jetzt wurden wir wieder gefragt, ob wir Lust hätten, dabei zu sein. Und so werden wir im Rahmen dieser Nachbarschaftsaktion die Ausstellung sozusagen einen Tag vorher in unserer Jüdischen Galerie öffnen, quasi für das Kiezpublikum.

Wird die Jüdische Galerie die ganze Zeit über bespielt?
Leider nein, da gibt es auch Leerlauf. Es ist einfach eine personelle Frage. Ich mache das ja eigentlich nur nebenbei. Wir würden uns wünschen, mehr anbieten zu können. Aber diese Projekte nehmen immer viel Kraft und Zeit in Anspruch. Das Konzert motiviert mich, wieder mehr auf die Beine zu stellen. Ich denke, da muss jetzt einfach etwas passieren, und wir lassen uns das auch nicht wegnehmen. Aber ich kann gleichzeitig sagen, dass mich der Vandalismus sehr traurig gemacht hat.

Mit der Leiterin des Kunstateliers sprach Christine Schmitt. Das Konzert findet am 31. Oktober um 18 Uhr in der Jüdischen Galerie Omanut statt.

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