Wettbewerb

Die Mischna-Experten

»Gut gemacht«: Rabbiner Ehrenberg lobt einen Teilnehmer. Foto: Benyamin Reich

Wettbewerb

Die Mischna-Experten

In der Yeshivas Beis Zion ließen Kinder beim »Sijum« ihr Wissen testen

von Philipp Peyman Engel  14.05.2012 08:29 Uhr

Josef Galkin ist aufgeregt. Der elfjährige Berliner Schüler steht vor Rabbiner Yitshak Ehrenberg und soll die Bedeutung mehrerer Mischnajot erklären, die er in den vergangenen Tagen studiert hat. Unruhig, aber auch erwartungsvoll, wartet er auf die erste Frage des Rabbiners.

Unter welchen Bedingungen, fragt Ehrenberg ihn als Erstes, dürfe ein Jude sein Gebet unterbrechen? Die Antwort kommt prompt. »Das Gebet ist das Höchste. Es gibt aber auch Ausnahmesituationen«, führt er aus. »Wenn zum Beispiel eine ungiftige Schlange beim Gebet mein Bein umschlingt, bete ich einfach weiter. Wenn jedoch eine Giftschlange mein Bein hochkriecht, schlage ich sie weg und bringe mich in Sicherheit.«

Ehrenberg nickt zufrieden, lobt den Schüler und fragt dann ebenso zugewandt wie geduldig nach der Bedeutung einer anderen Mischna. Nachdem der Junge auch diese beantwortet hat, erhält er als Preis mehrere Bücher – und tosenden Applaus der anderen anwesenden Kinder. So wie Josef Galkin kamen am Sonntagmittag insgesamt zwei Dutzend Kinder aus Deutschland und Österreich im Alter von neun bis zwölf Jahren nach Berlin zur Yeshivas Beis Zion.

Spielerisch Im Rahmen der Abschlussveranstaltung des »Sijum Mischnajot« referierten die größtenteils orthodoxen Schüler einzelne Abschnitte der mündlichen Tora. Dies war gewissermaßen der Höhepunkt des Sijum, denn die Kinder bereiteten sich in Berlin seit Donnerstagabend auf die Abfrage durch Rabbiner Ehrenberg vor, der ihr Wissen auf spielerische Art und Weise prüfte.

Extra aus München angereist ist an diesen drei Tagen »Sijum Mischnajot« auch Ilya Babkin. Der Zwölfjährige wird vom Rabbiner nach den ersten drei Mischnajot der Sprüche der Väter gefragt. »In der ersten Mischna hat Mosche die Tora am Berg Sinai erhalten«, antwortet Ilya. »In der zweiten geht es darum, dass die Welt auf drei Grundfesten aufgebaut ist: auf der Tora, auf guten Taten und dem Dienst für Gott.«

Mit etwas Hilfe des Rabbiners kann er dann auch die dritte Mischna beantworten, die Antigonos zum Thema hat: »Seid nicht wie Sklaven, die ihrem Herrn um einer Belohnung willen dienen. Seid wie Sklaven, die ihrem Herrn bedingungslos dienen«, zitiert er.

Das zentrale Ziel des Sijum sei die Stärkung und Bewahrung der religiösen Identität der Kinder, sagt Yossil Remes, Organisator des Sijum. »In Deutschland und Österreich gibt es in manchen Städten nur eine Familie, die streng religiös lebt. Hier in der Jeschiwa von ›Lauder Yeshurun‹ sollen die Kinder all dieser Familien zusammenkommen, um zu erfahren, dass sie nicht alleine sind.« Der Sijum solle Kraft und Inspiration spenden.

Emotional Einen anderen Aspekt des Sijum hebt Rabbiner Ehrenberg hervor. Das Lernen der Mischnajot solle stets von positiven Gefühlen begleitet sein. »Wenn man es als von außen auferlegte Pflicht ansieht, macht es keinen Sinn, Mischnajot zu lernen. Ihr sollt Spaß haben am Lernen. Es soll euch sein eine Freude. Nur dann werdet ihr es ein Leben lang behalten.«

Auch deshalb hat die Jeschiwa ein Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, das einen Ausgleich zum Lernen der Talmudabschnitte darstellt. Am Freitagmittag unternahmen die Kinder einen Ausflug in den Kletterpark Jungfernheide, und Sonntagfrüh, kurz vor der Abfrage des Gelernten durch Rabbiner Ehrenberg, machten sie einen Ausflug zum Legoland Discovery Center am Potsdamer Platz.

Um den Zusammenhang von Freude und Lerneffekt zu illustrieren, zitierte der Rabbiner zum Abschluss sinngemäß eine Mischna, die er passenderweise als Kind gelernt hat: »Wenn wir Mischnajot lernen als Kind, ist es, als schreibe man den Inhalt auf ein leeres Blatt Papier. Das im Kindesalter Gelernte bleibt automatisch ein Leben lang im Kopf gespeichert.«

Dessau-Roßlau

Buch zur jüdischen Geschichte Anhalts vorgestellt

Ein neues Buch informiert über jüdische Orte in Anhalt und soll zum Besuch anregen

 16.01.2026

Weimar

Trauer um Raymond Renaud

Der französische Überlebende des NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde 102 Jahre alt

 15.01.2026

Antisemitismus

Schriftstellerin Funk lebt lieber in Tel Aviv

Künstlerinnen und Künstler aus Israel klagen seit Langem über Schwierigkeiten in Deutschland

 15.01.2026

Hamburg

Espresso für die Seele

Der Jugendkongress der ZWST und des Zentralrats ist für viele das Highlight des Jahres. Hier findet eine Generation, die gestalten möchte, Impulse, Gespräche und Resilienz

von Eugen El  15.01.2026

Makkabi

Slalom und Schabbat

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in diesem Jahr zur Wintersport Week in die Südtiroler Alpen

von Helmut Kuhn  15.01.2026

Leipzig

»Jeder Hass macht blind«

Das koschere Café »HaMakom« wurde in der vergangenen Woche angegriffen. Was genau ist passiert? Fragen an den Eigentümer

von Katrin Richter  15.01.2026

Mainz

Neue Ausstellung erinnert an Synagogen, Rabbiner und Matzenbäcker

Vom uralten Grabstein bis zum KI-generierten Rabbiner-Avatar reicht die Spannweite. Die Ausstellung »Shalom am Rhein - 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz« im Landesmuseum Mainz präsentiert so umfangreich wie nie das jüdische Erbe im Land

von Karsten Packeiser  15.01.2026

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-Jähriger setzte vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand und zeigte den Hitlergruß. Er wurde von der Haftrichterin in die Psychiatrie eingewiesen

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026