Antisemitismus

Die Gefahr wächst

Pressekonferenz in Berlin-Mitte: Kevin Kühnert, Anetta Kahane und Felix Klein (v.l.) Foto: imago images/Jürgen Heinrich

Judenhass ist in der Corona-Pandemie nach Worten des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, in vielen Kreisen wieder gesellschaftsfähig geworden. Er verbinde nun politische Milieus, die früher wenig oder gar keine Berührungspunkte hatten, sagte Klein am Dienstag in Berlin im Rahmen der Pressekonferenz »Radikalisierung und Normalisierung – Gefahr durch Antisemitismus und Corona-Leugner-Szene wächst«.

Das Hauptvehikel seien dabei Verschwörungserzählungen über angeblich geheime Mächte, betonte Klein. Diese Mythen wirkten als Verbindungsglied zwischen der gesellschaftlichen Mitte und radikalisierten Rändern.
Mit Blick auf die Proteste von Corona-Leugnern betonte Klein: »Das Spektrum reicht von Esoterikbegeisterten über Heilpraktiker und Friedensbewegte bis hin zu Reichsbürgern und offen Rechtsextremen, die diese Demonstrationen als Mobilisierungsforum nutzen.«

MILIEUS Scharf kritisierte er jüngste Äußerungen von Corona-Leugnern, die sich mit Nazi-Opfern verglichen haben. »Das Selbstbild als verfolgtes Opfer ist und war immer ein zentrales Element antisemitischer Einstellungen.« Denn wer sich als Opfer fühle, gebe automatisch die Verantwortung ab und anderen die Macht.

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, sagte, dass der offene, direkte Antisemitismus wieder ausbreche. Dieses Jahr habe sich etwas verändert, sie beobachte eine Eskalation und Bedrohung, Antisemitismus habe sich »in einer neuen Weise« verdichtet. Auch sie bestätigte, dass sich verschiedenste Milieus in irrationaler Weise auflehnen.

Kahane forderte mehr Programme, die sich gezielt gegen Verschwörungsideologien richten.

»Ich will darauf hinweisen, dass Deutschland Spitzenreiter der Corona-Proteste ist«, unterstrich Kahane. Die deutsche Bevölkerung scheine sich mit der Pandemie in seltsamer Weise auseinanderzusetzen, in anderen Ländern gebe es dies in dieser Form nicht. Kahane forderte mehr Programme, die sich gezielt gegen Verschwörungsideologien richten, die Polizei müsse entsprechend geschult und der Schutz jüdischer Bürger und jüdischer Einrichtungen müsse verbessert werden.

Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender der SPD und Bundesvorsitzender der Jusos, wies darauf hin, dass es keine historische Einmaligkeit sei, gesundheitliche Notlagen zu nutzen, um Mythen zu verbreiten. Er erinnerte an die Pest, damals machte der Mythos der Vergiftung der Brunnen durch Juden die Runde. Kühnert unterstützte die Forderung nach verstärkter Präventions- und Forschungsarbeit. epd/ja

Zwiespalt

Purim-Fest in Deutschland unter dem Eindruck des Iran-Krieges

Feiern oder nicht? Purim ist ein fröhliches und ausgelassenes Fest. Gemeinden in Deutschland gehen mit Blick auf Nahost damit unterschiedlich um - zuweilen werden auch Feiern abgesagt

von Leticia Witte  02.03.2026

Verhandlung

Berufungsprozess nach antisemitischem Angriff

In Berlin beginnt am Donnerstag die Berufungsverhandlung nach dem antisemitischen Angriff auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira

 02.03.2026

Köln

Jüdischer Karnevalsverein nimmt gestrandete Israelis auf

Nach dem Ausbruch des Iran-Krieges wussten sie nicht mehr, wie sie zurück nach Israel kommen sollten - Flüge wurden gestrichen. Nun beherbergen Kölner Karnevalisten fünf Israelis. Erst einmal auf unabsehbare Zeit

 02.03.2026

Jugendkongress 2026

»Wir wurden hier aufgefangen«

Ronja Nayeri war als Sprecherin des iranischen Jugendverbandes »Ayande« auf dem Jüdischen Jugendkongress, als Israel den Iran angriff. Ein Gespräch über ein Wochenende zwischen Sorgen, Freude und Solidarität

von Mascha Malburg  02.03.2026

Porträt der Woche

»Es ist schön, jüdisch zu sein«

Julia Markhovski wuchs zweisprachig auf und fand ihre Identität

von Eugen El  01.03.2026

Interview

»Der Kopf der Schlange wurde abgeschlagen«

Der gebürtige Iraner Armin Levy über den Tod Chameneis, Kritik aus Deutschland an dem Angriff der USA und Israel und einen persönlichen Wunsch

von Katrin Richter  01.03.2026

Deutschland

Höhere Sicherheitsmaßnahmen nach Angriff auf Iran

Hessen verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen. Laut Innenministerium betrifft dies besonders jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen

 28.02.2026

Sachsen-Anhalt

Landespolizei verstärkt Schutz jüdischer Einrichtungen

Nach den Militärschlägen im Nahen Osten rückt die Polizei den Schutz jüdischer Einrichtungen in den Fokus. Das Innenministerium spricht von höchster Priorität

 28.02.2026

»Brüllender Löwe«

Präventivschlag gegen Iran: Die Lage im Überblick

Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran reagieren die Behörden auf die erhöhte Sicherheitslage. Die Lage im Überblick

 28.02.2026 Aktualisiert