YouthNet

Die Bilder der anderen

Gemeinsames Bild: YouthNet-Mitglieder Foto: Yannik Rosenlehner

Das Münchener Jugendnetzwerk »YouthNet« hat am vergangenen Sonntag mit der Fotoausstellung Zeig mich! die Ergebnisse seiner zweiten Projektphase vorgestellt. Rund 300 Gäste kamen zur Eröffnung in das Schwabinger Oskar-von-Miller-Gymnasium.

Nach nur 18 Monaten ist YouthNet somit von einer Vision der Münchnerin Eva Rapaport zu einem interkulturellen und interreligiösen Projekt geworden, das in seiner Kombination – aktives und digitales Jugendnetzwerk zugleich – in der bayerischen Landeshauptstadt einmalig ist.

Bestellung Am Sonntagabend präsentierten 18 YouthNet-Teilnehmer Porträts in verschiedensten Darstellungsformen und Gestaltungen – Ergebnisse ihrer seit Oktober 2017 andauernden Projektarbeit. Gleich an Ort und Stelle wurden einzelne Bilder bestellt, was besonders Sharon Bruck, die den künstlerischen Bereich des Projekts leitet, erfreute.

Mitglieder von YouthNet sind Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren verschiedenster Herkunft und mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten: Christen, Muslime, Juden und Jesiden, Deutsche, Türken, Koreaner, Franzosen oder Afghanen. Mit dabei sind auch minderjährige Flüchtlinge, die nach eigenen Aussagen erstmals in freundschaftlichen Kontakt mit Jugendlichen außerhalb des Kreises von Flüchtlingen treten. So hätten mehrere, wie sie selbst erzählten, durch die Begegnung mit gleichaltrigen Juden ihre Vorurteile abgebaut.

Bei YouthNet sind inzwischen fünf jüdische Jugendliche aus beiden Münchener jüdischen Gemeinden aktiv. Für Eva Rapaport ist das das eigentliche Anliegen von YouthNet: »Es ging mir am Anfang vor allem darum, Jugendliche mit unterschiedlichster Herkunft und besonders muslimische und jüdische junge Menschen zusammenzubringen, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen.«

Photoshop Dass YouthNet den Jugendlichen entscheidende Fertigkeiten vermittelt, die in einer heterogenen Gesellschaft sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld immer wichtiger werden, macht Rapaport stolz. Und diese Fertigkeiten beschränken sich nicht nur auf den Umgang mit Fotokameras oder Photoshop. Alle Teilnehmer belegen Workshops zu Themen wie »aktives Zuhören«, »klare Kommunikation«, »Körpersprache« und »Teamwork«. Dabei entsteht Vertrauen unter den Jugendlichen – die Basis für die Erstellung ausdrucksstarker, sehr persönlicher Fotowerke.

Harriet Austen, Geschäftsführerin des Münchner Vereins Lichterkette e.V., der YouthNet seit einem Jahr unter sein Dach genommen hat, sieht sich bestätigt: »Wenn man sich die neuesten Projektergebnisse anschaut und vor allem mit den Teilnehmern über ihre Erfahrungen im Projekt spricht, können wir nur froh sein, YouthNet mit in unser Boot geholt zu haben.«

Beth Shalom Der Erfolg lässt sich auch an dem stetigen Zuwachs an Förderern und Unterstützern bemessen. Die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom, aus deren Gemeinde stets Jugendliche am Projekt teilnehmen, unterstützt YouthNet großzügig. Auch die evangelische Himmelfahrtskirche im Münchner Stadtteil Sendling sowie der Verein für Sozialarbeit sind aktiv engagiert. Seit Herbst 2017 sind die Vereine »Neue Wege« und »Neuland« hinzugekommen.

In diesem Jahr wurde das Programm durch eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit dem Titel »Ich in Deutschland, Deutschland in mir?!« abgerundet. Vier YouthNet-Mitglieder brachten in ihren Beiträgen vor allen Dingen den Wunsch ihrer Generation zum Ausdruck, angehört und ernst genommen zu werden was viel Zustimmung unter den zumeist erwachsenen Zuhörern fand. Moderiert wurde die Diskussion von Egon Endres (Katholische Stiftungshochschule München) und Oren Osterer (Poleges Consulting).

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