Fußball

»Die anständige Mehrheit muss lauter werden«

Makkabi-Präsident Alon Meyer erkennt den Sport als Vorbild für die Gesellschaft. Foto: Rafael Herlich

Fußball

»Die anständige Mehrheit muss lauter werden«

 12.08.2023 23:00 Uhr

Die Mehrheit muss »lauter werden« gegen Judenhass auch im Sport, fordert Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland. Am Sonntag spielt mit der Fußballmannschaft von Makkabi Berlin gegen den VfL Wolfsburg zum ersten Mal ein jüdischer Verein im DFB-Pokal.

Fast jeder Verein in Deutschland sei »multikulti« und bestehe aus Mitgliedern aller Nationalitäten und Religionszugehörigkeiten, sagte er der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Samstag) »Das ist bei Makkabi nicht unbedingt etwas Besonderes. Das Besondere ist aber, dass man durch den stilisierten Davidstern auf der Brust, das Vereinswappen, immer wieder Anfeindungen ausgesetzt ist. Nur deshalb, weil man das Trikot trägt.«

Man sei dann »automatisch ein Jude und kriegt mit, wie das ist, wenn man als persischer Muslim oder als türkischer Christ auf einmal als Jude tituliert und beleidigt wird«. Laut einer aktuellen Studie hätten das zwei Drittel der Makkabi-Sportler schon erlebt: »Das beginnt bei antisemitischen Anfeindungen und geht bis zu Handgreiflichkeiten, Angriffen mit Baseballschlägern und Messerattacken.«

Radikale Gruppierungen, rechts wie links, missbrauchten den Sport, um ihre Anhänger zu radikalisieren und damit die Gesellschaft zu spalten, so Meyer weiter: »Unsere Aufgabe ist es, mit der anständigen Mehrheit in der Mitte der Gesellschaft den Sport positiv zu nutzen, um positive Akzente zu setzen.«

Denn die Demokratie sei kein Automatismus, keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse »mit Händen und Füßen« verteidigt werden: »Ich glaube, wir haben eine anständige Mehrheit in Deutschland, und die muss lauter werden. Gerne bei Makkabi, aber auch anderswo.«

Die Premiere von Makkabi Berlin im Fußball-DFB-Pokal hat nach Angaben des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, eine »Welle des Stolzes« in der jüdischen Gemeinschaft ausgelöst. »Die Spuren der Makkabivereine führen in Zeiten, in denen Juden aus Sportvereinen in Deutschland ausgeschlossen wurden und ihre eigenen Klubs gründeten«, erklärte er am Freitag in Berlin. »Sie sind heute ein Hort jüdischer Werte wie Offenheit und Gemeinschaft.«

Auch Meyer sprach in der »Jüdischen Allgemeinen« von einem historischen Augenblick und einem »Beispiel für die Unbeugsamkeit jener jüdischen Sportbewegung, die so lange unterdrückt wurde und sich bis heute mit Anfeindungen konfrontiert sieht«. kna

Reform

Hilfe im Alltag

Familien mit behinderten Kindern sorgen sich, dass ausgerechnet die Unterstützung gekürzt wird, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht

von Christine Schmitt  05.08.2026

Erfurt

Schicht um Schicht

Dort, wo eben noch Parkplätze waren, wird seit wenigen Tagen nach einem Stück jüdischer Geschichte gegraben. Erst mit dem Bagger, dann von Hand

von Katrin Richter  05.08.2026

Geschichte

Bedrohlich aktuell

Ein Forschungsprojekt von NS-Dokuzentrum und Lenbachhaus untersucht, wie völkische Gedanken vor dem Ersten Weltkrieg wirkten

von Luis Gruhler  05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte nun die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026